Rebenveredelung: Holz auf Grün

Wer schnell eine neue Sorte auf gesunde, robuste Rebstöcke pfropfen will, tut dies am besten mit der Technik «Holz auf Grün»: Diese Veredelungsmethode bringt schon im folgenden Jahr die Hälfte des Normalertrages. Dazu ist sie einfach auszuführen.

Die Veredelungsmethode «Holz auf Grün» bringt schon im folgenden Jahr die Hälfte des Normalertrages.
Die Veredelungsmethode «Holz auf Grün» bringt schon im folgenden Jahr die Hälfte des Normalertrages.

Vorbereitung

Am einfachsten ist es, wenn ein neuer, einjähriger Trieb vom Stammholz nachgezogen wird. Während des Winters wird der Rebstock bis auf diesen zurückgeschnitten. Auf die neuen Triebausschläge des einjährigen Zapfens erfolgt im nächsten Frühjahr die Veredelung. Dieser wird zum Zapfen mit drei bis vier Augen eingekürzt. Die Edelreiser können bis Ende Februar geschnitten werden. Man stellt sie entweder in ein Gefäss mit Wasser (5 cm) oder packt sie in Plastikfolie ein. Danach werden sie kühl, bei 4–5 °C, bis in den Frühling gelagert. Zwischen den letzten Maitagen und dem 20. Juni ist der ideale Zeitpunkt, um die Rebstöcke zu veredeln. Dann herrschen Temperaturen um 15–20 °C, das Edelreis wächst schnell an, ohne zu erfrieren oder auszutrocknen. Einige Tage vor der Veredelung sollten die Edelreiser aus dem Kühllager genommen und im Wasserbad aufgequillt werden. Edelreiser, die eingetrocknet und dadurch nicht saugfähig sind, assortieren. Die aufgequollenen Reiser bis zum Veredelungstag bei Raumtemperatur und in wenig Wasser antreiben. Jetzt wird ersichtlich, welche Augen von guter Qualität sind. Sie quellen auf und werden wollig.

Material

Zum Veredeln braucht man ein scharfes Messer (Okuliermesser), eine Rebschere, ein Römerband (Polyäthylenband, dehnbar), Wäscheklammern, ein Stuhl und die vorbereiteten Edelreiser. Dann werden pro Rebstock drei kräftige Triebe ausgesucht, welche in Richtung des Bindedrahts wachsen. Jeden dieser Triebe 3–4 cm unter dem drittuntersten Blatt einkürzen, die Blätter nicht entfernen.

Holz auf Grün

Das Edelreis wird mit der linken Hand gehalten, mit der rechten setzt man das Okuliermesser unterhalb des ausgesuchten Auges an. In einem Winkel von 20 bis 30 Grad wird ein gleichmässiger, gerader Schnitt gezogen. Danach das Holz drehen und analog dem ersten Schnitt einen zweiten machen. Wichtig ist dabei ein sauberer, geradliniger Schnitt. Es entsteht ein Keil, welcher oberhalb des Auges auf 2–3 cm eingekürzt wird. Am Rebstock wird der grüne Zapfen in Bindedrahtrichtung der Länge nach eingeschnitten. Die Schnitttiefe sollte dabei der Keillänge des Edelreises entsprechen. Danach wird der Keil in den Zapfen eingeführt. Darauf achten, dass die Rinde des Holzkeils mit der Rinde des Zapfens bündig ist. Dadurch kann der Saftstrom ungehindert und auf kürzestem Weg ins Auge gelangen. Hohlräume hingegen verhindern das Anwachsen. Mit dem dehnbaren Römerband den Keil fixieren und luftdicht verschliessen. Das Band sollte eine Länge von 30–40 cm aufweisen und die Veredelungsstelle durch den Verband straff einbinden. Unten beginnen, die Veredelungsstelle in drei Windungen nach oben umschliessen. Das Band leicht zur Kordel drehen und damit den Zapfen fixieren. Dadurch unterbindet man den Ausfluss des Saftstromes. Zum Abschluss die Stelle nochmals abwärtsgerichtet straff einbinden und das Band unter der letzten Umwicklung durchstecken. Das Auge und der obere Teil werden nicht eingebunden, die Anschnittstellen jedoch komplett. Schlechtes Unterziehen kann zu einem Lockern des Römerbandes führen, was Luftzutritt zur Folge hat. Als Schattierung und zur Steigerung des Mikroklimas dient das darunter liegende Blatt, welches mit einer Wäscheklammer am Holz des Edelreises festgemacht wird. Steht keines zur Verfügung, kann ein loses, abgeschnittenes Blatt angesteckt werden. Aber bitte beachten, dass dieses bald welken und dürr werden kann. Den Vorgang an den anderen Trieben wiederholen.

Kontrolle

Sind alle drei Zapfen veredelt, werden die übrigen, grünen Triebe auf zwei bis drei Blätter eingekürzt. Etwa 20 Blätter garnieren den Rebstock. Damit fliesst die ganze Kraft durch die Veredelungsstellen, und der neue Trieb kann sich schnell entwickeln. Eine Woche nach der Veredelung werden die Rebstöcke kontrolliert. Ein starker Saftfluss während der ersten Woche ist normal. Er wird von den übrigen Blättern aufgenommen. Anschliessend lässt der Saftfluss nach, die Blätter der alten Sorte müssen bis auf diejenigen der drei gepfropften Zapfen entfernt werden. Bis deren Triebe gewachsen sind, ein- bis zweimal wöchentlich die Seitentriebe unterhalb des veredelten Auges konsequent entfernen, damit alle Kraft in die Veredelungsstelle fliesst. Die neue Sorte treibt aus. Sobald deren Saftbahnen stark genug sind – die Triebe sind bis 30 cm lang – werden alle anderen Austriebe nicht mehr entfernt, sondern nur noch pinciert. Der Rebstock braucht die Blätter der ursprünglichen Sorte zur Assimilateinlagerung, die für den Winterschutz lebenswichtig ist. Bereits drei bis vier Wochen nach der Pfropfung ist die Veredelungsstelle überwachsen. Im Winter wird der Rebstock normal geschnitten und erzogen. Der Ertrag bei der neuen Sorte kann bereits 50–80 % betragen. Das Römerband erst im Juni des Folgejahres entfernen. Es schützt vor Frost im Winter.

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