Immobilienmarkt: Preisrückgang hat eingesetzt

Immobilienmarkt: Preisrückgang hat eingesetzt
Wohneigentum im gehobenen Segment ist günstiger geworden. Auch für die übrigen Segmente zeichnet sich ein Preisrückgang ab. Steigen die Hypothekarzinsen, werden nebst den Preisen auch einzelne Wohneigentümer unter Druck geraten.

Wohneigentum war auch 2009 beliebt.
(mei) Wohneigentum war auch 2009 beliebt: Der Wunsch nach den eigenen vier Wänden sorgte für eine weitgehend intakte Nachfrage, konstatiert Sandra Burlet, Volkswirtschafterin beim Hauseigentümerverband (HEV) Schweiz, in der im November vergangenen Jahres veröffentlichten Umfrage zum Immobilienmarkt. Nicht unwesentlich dazu beigetragen haben dürften die nach wie vor tiefen Hypothekarzinsen. Derweil geht der Neubau von Einfamilienhäusern weiterhin zurück, während ältere Häuser aufgrund eines Generationenwechsels vermehrt auf den Markt gelangen. Ein eigentliches Überangebot ist jedoch bei den Wohnungen im Stockwerkeigentum auszumachen, schreiben Wüest & Partner im «Immo-Monitoring 2010/1». Hier haben die hohe Neubauproduktion und die abnehmende Nachfrage die Absorptionsfähigkeit des Marktes verringert.

Preise ins Rutschen geraten
In den Hochpreisregionen wie Arc Lémanique, Zürich, aber auch in der Zentralschweiz und in Basel sind die Preise für Einfamilienhäuser gesunken, stellen Fahrländer Partner und Bakbasel im «Immoprog 2009» fest. Einzig im unteren Segment haben sich die Preise halten können. Eine ähnliche Entwicklung ist bei den Eigentumswohnungen zu verzeichnen. Eine weniger ausgeprägte Entwicklung sieht Burlet, die von einer Seitwärtsbewegung bei den Preisen für Einfamilienhäuser und Eigentumswohnungen spricht.

Ferienwohnungen noch nicht betroffen
In den Tourismus-Regionen sind die Preise für Zweitwohnungen zwar weiter angestiegen, doch sei das Ende der Fahnenstange erreicht, meint der Volkswirt und Ökonometriker Dominik Matter, Partner bei Fahrländer Partner: «Wir rechnen mit einer sinkenden Nachfrage und rückläufigen Preisen, denn Zweitwohnungen sind Luxus, und beim Luxus wird zuerst gespart.» Gerade Ausländer spürten einen starken Anreiz zum Verkauf ihrer Ferienwohnung in der Schweiz. Diese sind stärker vom Wirtschaftsrückgang betroffen und können zudem von einem günstigen Wechselkurs profitieren.

Krise hat Immobilienmarkt erreicht
Mit der grundsätzlich stabilen Nachfrage nach Wohneigentum dürfte trotz des tiefen Hypothekarzinses bald Schluss sein. Wüest & Partner rechnen damit, dass die schlechte Konsumentenstimmung und die rückläufige Zuwanderung von Ausländern für einen Rückgang der Nachfrage sorgen werden. Bei den Mietwohnungen macht sich dies bereits bemerkbar, hält das Unternehmen fest. «Die Wirtschaftskrise ist noch nicht vorbei. Weil der Immobilienmarkt immer verzögert auf die allgemeine Wirtschaftslage reagiert, dürften hier die schweren Zeiten erst noch kommen», sagt auch Matter. Er rechnet damit, dass einzelne Wohneigentümer, die ihre Liegenschaft mit über 80 % belehnt haben, bei steigenden Hypothekarzinsen zu Notverkäufen gezwungen sein werden.

Sinkende Preise zu erwarten
Sowohl die Immobilienexperten von Wüest & Partner als auch die von Fahrländer Partner gehen davon aus, dass sich der Preisrückgang bei Wohneigentum in Zukunft noch verstärken werde. Weniger eindeutig sind die Prognosen des HEV: So erwartet die Hälfte der 80 befragten Immobilientreuhänder, -makler und –verwaltungen unveränderte Preise für dieses Jahr, während je ein Viertel mit steigenden bzw. sinkenden Preisen rechnet. Bei Mehrfamilienhäusern werde ebenfalls ein Preisrückgang einsetzen, ist Matter überzeugt: «Die Mietzinsentwicklung wird bestenfalls seitwärts verlaufen. Auf der Risikoseite ist jedoch mit mehr Leerständen zu rechnen.» Als Grund für diese vermehrten Leerstände nennt der Experte die Zurückhaltung bei Mietern, in eine eigene oder grössere Wohnung zu ziehen.

Langfristig bleibe Wohneigentum jedoch attraktiv: «In der Trend-Marktentwicklung bis 2024 rechnen wir gesamthaft mit steigenden Preisen, wovon allerdings nicht alle Regionen und Segmente gleichermassen betroffen sind», sagt der Experte.


Text: hausinfo
Bild: ImagePoint (fotografie-wiese.de)
Letzte Aktualisierung: 06.01.2010