Sie sind so klein, dass man sie nicht sieht. Ihre Wirkung ist dafür umso beeindruckender. Das jedenfalls sagt eine, die sie täglich einsetzt – im Garten und im Haushalt, bei Tieren und Menschen. Die Rede ist von Effektiven Mikroorganismen, einer wiederentdeckten Multimikrobenmischung.

(mei) «Mikroben sind nicht per se schlecht!», hält die Biogärtnerin und –bäuerin Susanne Schütz gleich zu Beginn des Gesprächs vehement fest. Und fährt fort: «Wichtig ist vielmehr die richtige Balance aus aufbauenden und abbauenden Mikroben.» Diese Balance soll mit den in Japan von Prof. Teruo Higa entdeckten Effektiven Mikroorganismen (EM) gefunden werden. Die Multimikrobenmischung setzt sich aus Milchsäure- und Photosynthesebakterien, Hefen und Pilzen zusammen, deren Zweck es ist, aufgrund ihrer stark antioxidierenden Wirkung übersäuerte Systeme wieder ins Lot zu bringen. Und zwar unabhängig davon, ob es sich dabei um Ackerland,
Gartenboden oder den menschlichen Darm handelt. «Boden ist die Verdauung der Pflanzen», erklärt Schütz, die in Zollbrück den Biogarten Birnbaum führt.
Skepsis wich BegeisterungAuf die Effektiven Mikroorganismen ist sie vor 10 Jahren gestossen. Damals schenkte ihr eine Freundin das Buch «Eine Revolution zur Rettung der Erde», im dem Prof. Teruo Higa die Wirkung dieser Mikroben beschrieb. Wegen seines reisserischen Titels landete das Werk allerdings erst einmal ungelesen auf einer Beige. «Erst im Winter, als ich viel Zeit zum Lesen hatte, nahm ich das Buch wieder hervor», erzählt Schütz. Das Interesse der Biobäuerin war geweckt, und um mehr über diese Mikroben zu erfahren, reiste sie nach Thailand und Vietnam, wo die Effektiven Mikroorganismen breite Verwendung finden – unter anderem als «Desinfektionsmittel» in Spitälern. «Mir gefiel vor allem die Philosophie hinter den Mikroben: Anstatt
Schädlinge zu bekämpfen, wie wir das auch auf Biobetrieben tun, geht es bei den Effektiven Mikroorganismen darum, das Immunsystem zu stärken», so Schütz.
Besserer Boden, gesündere PflanzenHeute setzt Schütz die Effektiven Mikroorganismen mit Erfolg im Garten ein. Sie benutzt dazu Bokashi, d.h. fermentierte Abfälle: «Im Gegensatz zum
Kompostieren hat Fermentieren den Vorteil, dass Nährstoffe in eine schnell verfügbare Form umgewandelt werden und wie Sauerkraut mehr lebenswichtige Stoffe enthalten als vorher. Das Ergebnis sind Pflanzen mit einem hervorragenden Immunsystem.» Bis es soweit ist, braucht es allerdings etwas Geduld: Die Umstellung im Garten der Familie Schütz machte sich trotz langjährigem Biobetrieb erst nach zwei bis drei Jahren richtig bemerkbar, auch wenn vereinzelte Sofortresultate erzielt wurden. Seither erfreut sich Schütz an gesunden Pflanzen, die weitgehend von Pilzkrankheiten, Läusebefall und anderen Schädlingen verschont bleiben. Auch im
Giesswasser können die Effektiven Mikroorganismen eingesetzt werden, wobei sich eine Verdünnung von 1:100 empfiehlt.
Fürs Zahnfleisch, gegen Kalk und ParasitenWas sich im Garten bewährt, muss auch für Mensch und Tier ratsam sein, dachte sich Susanne Schütz und dehnte den Aktionsradius der Effektiven Mikroorganismen aus. Im Kuhstall verwendet sie die nach Hefe riechende Mischung als Raumspray. Seither sind Fäulnisprozesse stark eingedämmt: «Der Mist stinkt nicht mehr, Fliegen und Mücken bleiben weg, und selbst die Klauenfäule hat sich verabschiedet», so Schütz. Auch im Haushalt läuft ohne die Effektiven Mikroorganismen nichts mehr bei ihr: Als Antikalkmittel kommen sie in der
Kaffeemaschine, im Geschirrspüler und in der
Waschmaschine zum Einsatz, wegen ihrer fettlösenden Eigenschaften eignen sie sich zudem als Putzmittel.
Mittlerweile sind auf dem Markt auch mit diesen Mikroben angereicherte Haut-, Haar- und Zahnpflegelinien erhältlich. Von Hundehaltern werden die Effektiven Mikroorganismen ebenfalls geschätzt: Sie sollen den Geruch des Felles eindämmen und Parasiten fernhalten. Und weil sie sich positiv aufs Immunsystem auswirken, können die Effektiven Mikroorganismen auch beim Menschen Gutes bewirken. Das Ehepaar Schütz jedenfalls schwört darauf: «Seit wir jeden Abend vor dem Schlafengehen einen Esslöffel einnehmen, haben wir fast keine Erkältungskrankheiten mehr.»