Architekturreportage: Minergie-P - Ausrichtung Norden

Architekturreportage: Minergie-P - Ausrichtung Norden

Im bernischen Baggwil hat ein ehemaliger Bio-Bauer für seine Familie ein Minegie-P-Einfamilienhaus erstellen lassen. Der weiten Aussicht auf den Jura wegen ist das Gebäude gegen Norden gerichtet.

Das Minergie-P-Einfamilienhaus im bernischen Baggwil bietet einen unverbaubaren Blick auf den Jura.
(mei) Als der Bio-Bauer Franz Iseli eine neue Familie gründete, kam beim Ehepaar der Wunsch nach einer Veränderung im Wohnbereich auf. Es prüfte zunächst die Idee, den nach der Aufgabe des Bauernbetriebs nicht mehr benötigten Ökonomieteil des Bauernhauses umzunutzen und in verschiedene Wohnungen zu unterteilen. Diese Variante erwies sich jedoch als zu kostspielig und wurde deshalb verworfen. «Der Umbau hätte 2,5 Millionen Franken gekostet, und ich wollte nicht, dass wir auf einem Schuldenberg sitzen würden», sagt Franz Iseli.


Für den Holzbau, inkl. der Decke aus Fichtenholz, die im Brettstapelsystem hergestellt wurde, war der ältere Sohn von Franz Iseli verantwortlich.Blick nach Norden
Das Ehepaar entschied sich 2008 deshalb zu einem Neubau auf einem Stück Land neben dem Bauernhaus, das ihnen gehörte und den Vorteil einer unverbaubaren Aussicht bot. Für das neue Heim der Familie Iseli war ursprünglich bloss eine Minergie-Zertifizierung vorgesehen. «Zwei Dinge werden in Zukunft teurer: Energie und Wasser», ist Iseli überzeugt. Als früherem Bio-Bauern liegt ihm die Umwelt am Herzen. Den Sprung zu Minergie-P machte er nicht zuletzt seinem älteren Sohn zuliebe, einem gelernten Zimmermann und Holzbautechniker. Der Sohn war es denn auch, der für die Bauleitung und Ausführung des Holzbaus verantwortlich war, während die Gebäudepläne vom Architekturbüro LBA Meikirch erstellt wurden.


Aussensitzplatz und Balkon sind gegen Norden ausgerichtet.Wegen der Ausrichtung nach Norden musste das Gebäude besonders dicht gedämmt werden. Für die Aussenwände und das Dach wurden 36 cm Mineralwolle und 8 cm Holzfaserplatten verwendet, für den Boden zum Keller 32 cm EPS. Selbst mit dieser Massnahme schien das Erreichen des Minergie-P-Standards jedoch zunächst gefährdet. Erst als die Bauherren auf einen Kellerzugang vom Gebäudeinnern aus verzichteten und stattdessen eine überdachte Aussentreppe vorschlugen, konnte das ehrgeizige Ziel erreicht werden. Die ungewöhnliche Ausrichtung hat gerade im Sommer Vorteile: «Wir brauchen das Gebäude nicht zu beschatten», sagt Franz Iseli. In der Übergangszeit wird mit den 17,5 m² Sonnenkollektoren auf dem Dach geheizt, welche auch die Warmwasseraufbereitung besorgen. Für die ganz kalten Tage steht überdies eine Pellets-Heizung bereit.


Jedes Kind hat sein eigenes Zimmer. Der Parkett in den Kinderzimmen, im Elternschlafzimmer sowie im Büro ist aus brasilianischem, FSC-zertifiziertem Jatoba-Holz gefertigt.Klare Linie
Das ganze Gebäude zeichnet sich durch eine bewusst einheitliche Gestaltung aus. Die Decke ist durchwegs aus Fichtenholz im Brettstapelsystem hergestellt. Dabei wurden Holzlamellen, die sich über die ganze Breite des Gebäudes erstrecken, mit Holzdübeln aneinandergepresst. Dieses System erlaubt es, auf Leim oder Eisen ganz zu verzichten. Aus Holz sind auch die Aussenschalung, die aus Lärchenholz angefertigt wurde, sowie der Parkett in den Kinderzimmen, im Elternschlafzimmer sowie im Büro, für den die Bauherren brasilianischen, FSC-zertifizierten Jatoba auswählten.


Die Küche ist in einem neutralen Grauton gehalten. Rot-orange Glasplättli sorgen für einen Farbtupfer.In den übrigen Räumen kommt ein grauer Plattenboden zum Einsatz. In einem neutralen Grauton ist auch die offene Küche gehalten, bei der einzig rot-orange Glasplättli für einen Farbtupfer sorgen. «Wir wollten möglichst wenige Materialien verwenden, weil dies ein Gefühl der Ruhe in die Räume bringt», sagt Franz Iseli. Einheitlich ist auch die Anordnung der Kinderzimmer und des Elternschlafzimmers: Alle befinden sich in 
                                                                      einer Reihe im oberen Stockwerk.


Der grosse Wohnbereich mit einem orangefarbenen Sofa bietet Platz für das Miteinander von Mensch und Tier.Ein Haus voller Leben
Drei Kinder und sieben Katzen, die durchs Haus tollen – bei Iselis läuft was. Der grosse Wohnbereich mit einem Katzenbaum und einem orangefarbenen Sofa bietet viel Platz für das Miteinander von Mensch und Tier. Die Mensch-Tier-WG erstreckt sich übers ganze Anwesen: In den Ställen ums Gebäude sind Pferde und Kaninchen untergebracht. Mit der Familie leben überdies fünf Hühner, die sich 
                                                                      frei bewegen dürfen, und einige 
                                                                      Schildkröten.



Text und Bilder: hausinfo

Letzte Aktualisierung: 03.03.2010