Architektur-Reportage: Am Waldrand
Wie Gebäude gewordener Wald wirkt das Doppeleinfamilienhaus, das am Ausgang des Dorfes Uettligen steht.

(mei) Aus Holz ist es und zu Holz passt es – das Haus der Familie Gygax Aglamaz und der Nachbarsfamilie schafft einen Übergang zwischen dem umliegenden Wald und den anderen Häusern des Wohnquartiers. Die teils längs-, teils quergestreifte Aussenverkleidung aus Lärchenholz erinnert mit ihrer Patina an Baumstämme und gestapeltes Holz, und die grosszügigen Aussenräume an der West- und Südseite bilden eine Art Zwischenraum, schon im Freien, aber dennoch Teil des Gebäudes. Der Einbezug des Waldes in die Architektur wirkt stimmig bei einem Gebäude, das den Abschluss eines Quartiers bildet und sich zur Natur hin öffnet. Das Doppeleinfamilienhaus ist nach Süden ausgerichtet. Der Unebenheit des Terrains wird nicht mit einer Aufschüttung, sondern mit zwei Niveaus im Parterre Rechnung getragen.
Leichte Konstruktion
Das Gebäude wurde im Holzrahmenbau mit Fichtenholz erstellt, einer ursprünglich aus Nordamerika stammenden Bauweise. Ihr Vorteil liegt darin, dass Gebäudeteile – wie in diesem Fall zum Beispiel die einen Meter breiten und sich über die ganze Länge erstreckenden Lignatur-Decken – vorgefertigt werden können. Dies führte zu einer kürzeren Bauzeit vor Ort, da mit Ausnahme des Unterlagsbodens im Erdgeschoss das ganze Gebäude im Trockenbau errichtet werden konnte. Zudem kann beim Holzrahmenbau die Dämmung in der Konstruktion erfolgen, was diese leichter und schlanker macht.
Für die Treppentritte wurde Buchenholz verwendet, während für das Geländer Fichte zum Einsatz kam. Energieeffizienter Grundriss
Das mit dem Minergie-Label zertifizierte, kompakte Gebäude verfügt über eine im Vergleich zum Volumen kleine Oberfläche mit nur wenigen Einschnitten. Die Treppe zum Keller befindet sich ausserhalb des Gebäudes, was eine bessere Dämmung der Gebäudehülle ermöglichte. Im Winter sorgt eine Erdsondenwärmepumpe für die nötige Wärme im Gebäude, das Wohnzimmer wird mit einem Schwedenofen beheizt. Beide Hälften des Doppeleinfamilienhauses sind mit einer eigenen Komfortlüftung ausgestattet.

Die Dachterrasse wird von beiden Parteien gemeinsam genutzt.
Aus- und Einsicht
Zum Konzept des Gebäudes gehören Panoramafenster auf der Süd- und Westseite, die einen ungehinderten Blick auf die Berner Alpen und den Wald ermöglichen. Wer frei nach draussen blicken kann, gewährt jedoch ebenso freien Einblick – der Kieselweg, der auf der Südseite der Grundstücksgrenze entlang führt, macht’s möglich. So schauen mal hoch zu Ross, mal zu Fuss täglich ein paar Neugierige, was im Wohnzimmer gerade los ist. Weil es vor allem im oberen Geschoss, wo die Schlafzimmer liegen, im Sommer heiss werden kann, sind Lamellenstoren montiert oder könnten noch nachgerüstet werden.

Der Wohn- und Essbereich im Parterre bietet immer wieder interessante Ausblicke.
Buntes Treiben Die knalligen Grün- und Orangefarben an den Wänden des Kinderzimmers entsprechen dem Wunsch der beiden Jungen: Sie wollten die Farben des Restaurants tibits in Bern bei sich im Raum haben und durften die Wände selbst streichen. Der Parkettboden ist aus Buchenholz, für die Decke wurde Fichte verwendet.
Realisation Verantwortlich für den im Jahr 2002 fertig gestellten Bau war Peter Schürch, Inhaber des Berner Architekturbüros Halle 58 Architekten. Die Abstimmung auf den Aussenraum und die Umwelt gehört zu den Leitmotiven seiner Arbeit. Er definiert Bauen als ein ökonomisches, ökologisches und kulturelles Projekt mit ästhetischen Dimensionen.
Text und Bilder: hausinfo
Letzte Aktualisierung:
03.05.2011

