Architektur-Reportage: Aufgeklapptes Haus
In Kirchberg hat der Architekt Thomas Studer ein Zweifamilienhaus gebaut, dessen Stockwerke im rechten Winkel zueinander stehen.
(mei/msc) Nichts als Sichtbeton und Glas: Das Zweifamilienhaus für drei Generationen hebt sich markant ab von seiner Umgebung aus bunten Fassaden und steilen Dächern. Ebenso ungewöhnlich wie die strenge Geometrie ist der Grundriss des Hauses. So liegt das Obergeschoss nicht auf dem Erdgeschoss, sondern 90° verdreht zu ihm, «wie ein aufgeklapptes Taschenmesser», meint Thomas Studer. 
Garage und Terrasse
Die Vorteile dieser grosszügigen Anordnung, die sich nur mit einer entsprechend grossen Grundstücksfläche realisieren lässt, liegen auf der Hand: Die räumliche Distanz zwischen den beiden Parteien, dem Ehepaar Studer mit seinen Kindern und den Eltern bzw. Schwiegereltern, ist so gross, dass sie nichts voneinander hören können. Zudem bildet das Dach des Erdgeschosses eine weite Terrasse, während der Raum unter dem Obergeschoss als Unterstand für die Fahrzeuge genutzt werden kann.

Die Terrasse erstreckt sich über den gesamten unteren Wohnbereich.

Details im Innenbereich
Auch im Innern weist das Gebäude bemerkenswerte Details auf. Im Erdgeschoss, in dem das Ehepaar Studer mit seinen beiden Kindern lebt, bedeckt ein eingefärbter, hineingegossener Fliessmörtel die gesamte Bodenfläche mit Ausnahme des Bads. Durch das Abschleifen der Unebenheiten ergab sich ein Muster aus hellen und dunklen Stellen, die sanft ineinanderfliessen.

In der offenen Küche lassen sich die Apparate durch Schiebetüren einfach verbergen. Weil sich auch der Grillabzug aus- und einfahren lässt und der Dampfabzug neben den Kochfeldern eingebaut ist, wirkt die Küche bei Nichtgebrauch sehr neutral. Einzig die grosse Abstellfläche mit den Herdplatten weist auf die Funktion dieses Bereichs hin.
Das Untergeschoss wird ebenfalls zum Wohnen genutzt: Der Sohn hat dort sein Schlafzimmer mit angrenzender Nasszelle. Ein eigener Steingarten mit einem grossen Sitzplatz sorgt für ausreichenden Lichteinfall. 
50 % Glasfläche
Weil aufgrund der Nähe zur Emme keine Erdsonden möglich waren, wird das Gebäude mit einer Luft-Wärmepumpe beheizt. Die Warmwasseraufbereitung erfolgt grösstenteils durch 15 m² Sonnenkollektoren. Das Gebäude mit seinen 50 % Fensterfläche ist so konzipiert, dass selbst im Sommer angenehme Temperaturen herrschen: In dieser Jahreszeit scheint keine Abendsonne in das Erdgeschoss, und im Winter kann dafür die Sonneneinstrahlung während des ganzen Tages genutzt werden.
Text und Bilder: hausinfo
Letzte Aktualisierung:
03.05.2011

