Architektur-Reportage: Vom Durchschnittshaus zum Kleinkraftwerk
Eine beispielhafte Totalsanierung hat eine ehemalige «Energieschleuder» im aargauischen Rupperswil auf Minergie-Niveau gebracht. Das ist noch nicht alles: Angestrebt wird eine positive Energiebilanz.
(mei/msc) In frischem Rot blitzt das 24-jährige Einfamilienhaus der Familie Setz zwischen vielen Bäumen allen entgegen, die die Autobahn verlassen. Beim Näherkommen wird der gewagte, aber gelungene Kontrast zwischen der Farbe der Aussenhülle und dem Grün der Umgebung noch deutlicher.
Wie ein Leitmotiv ziehen sich frische Farbtöne auch durchs Innere des Hauses, seien es die knallig-gelben Einbauschränke, das blaue Bad oder die von den Kindern gewählten Farbkombinationen. 
Im Erdgeschoss beleben Einbauschränke in Gelb den Gang.
KomfortlüftungAuch die Luft im Innern ist frisch, besonders im Obergeschoss. Dort begann im Herbst 2004 die Sanierung des Gebäudes mit der Installation eines eigenen Lüftungssystems, das seither ständig frische Luft ins Gebäudeinnere führt – und das ohne spürbaren Luftzug. Ein überdurchschnittlich langer Wärmetauscher ermöglicht es, statt der üblichen 80 % um die 90 % der Abluftwärme für die Erwärmung der hereinströmenden Frischluft zu nutzen. Im Sommer, wenn die Wärme draussen bleiben soll, wird der Wärmetauscher durch die so genannte «Sommerbox» ersetzt.
Der Bauherr und Architekt Werner Setz demonstiert, wie sich dies mit wenigen Handgriffen machen lässt. Genauso schnell geht der Ersatz der Pollen- und Feinstaubfilter über die Bühne, der aufgrund der relativ hohen Luftverschmutzung alle drei Monate erfolgt.Fachgerecht installiert, ist von der Komfortlüftung nichts zu hören. Möglich machen dies die Ventilationsschalldämpfer im Lüftungsraum. Und die Telefonieschalldämpfer sorgen dafür, dass keine Schallübertragung von Raum zu Raum stattfindet.
Sanierung in Etappen
In der ersten Sanierungsetappe wurde im ganzen Haus die Wärmedämmung verbessert, und so wuchs die Fassadenisolation von 14 auf 42 cm, während die Deckenisolation nun 36 cm beträgt. Die zusätzliche Schicht wurde direkt an die alte Fassade angebaut. Der Einbau neuer und die Vergrösserung bestehender Fenster lässt mehr Tageslicht ins Gebäudeinnere eindringen. Obwohl sämtliche Fenster mit einer Dreifach-Isolierverglasung versehen sind, ist ihr U-Wert (der den Wärmeverlust von Bauteilen anzeigt) immer noch sieben Mal schlechter als derjenige der Hülle. Aus diesem Grund und den nicht zu versetzenden nördlichen Fenstern konnte «nur» der Minergie-, nicht aber der Minergie-P-Standard erreicht werden.

2008 soll die Elektrodirektheizung durch eine Sole-Wasserwärmepumpe ersetzt werden. Die bereits realisierten Massnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz senkten den Stromverbrauch für die Wärme-gewinnung von jährlich 25 000 bis 30 000 KWh um 50 % auf 13 000 KWh. Umgerechnet entspricht dies einer Reduktion des Heizölverbrauchs auf noch 1300 Liter jährlich. Sobald der Umbau abgeschlossen ist, sollen umgerechnet noch max. 400 Liter Heizöl im Jahr verbraucht werden.
Text und Bilder: hausinfo
Letzte Aktualisierung:
03.05.2011
Falls die Photovoltaikanlage, die für das Jahr 2009 geplant ist, tatsächlich installiert wird, so wird sich das Haus der Familie Setz gar zu einem Plusenergiehaus entwickeln. Auf einer Fläche von 120 m2 könnten jährlich knapp 15 000 KWh produziert werden, was beinahe einem Drittel Überschuss entspricht, der ins Stromnetz eingespiesen würde. Die Realisation der 150 000 Franken teuren Anlage hängt von den
Anlass der Totalsanierung waren die flügge gewordenen Kinder. Das Ehepaar Setz hat deshalb die beiden Etagen so voneinander getrennt, dass das obere Geschoss später als separate Wohnung vermietet werden kann. Gründe, weshalb die Sanierung derart energieeffizient ausfällt, nennt Werner Setz gleich mehrere. Einerseits spielen für ihn finanzielle Überlegungen eine Rolle, da er in Zukunft mit steigenden Energiepreisen rechnet. Zudem glaubt er, mit diesen Massnahmen die langfristige 
