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Architektur-Reportage: Pionier in Sachen Energieeffizienz

Im aargauischen Dintikon steht das erste Minergie-P-zertifizierte Einfamilienhaus der Schweiz. Ein Rückblick auf fünf Jahre (fast) Nullenergie-Erfahrung.

Der offene Küchen- und Wohnbereich wird durch eine rote Wand abgeschlossen.


















(mei) Marianne Ernstberger und Adrian Streit waren die ersten Bauherren, die sich für ein Einfamilienhaus mit einer angestrebten ausgeglichenen Jahresenergiebilanz entschieden. So entstand 2003 zwischen einer verkehrsreichen Strasse und Landwirtschaftsgebiet ein kubisches Gebäude im Holzrahmenbau mit hinterlüfteter Holzfassade.


Das EFH in Dintikon ist das erste Minergie-P-zertifizierte EFH der Schweiz.Energiekonzept
Für die nötige Wärme sorgt eine Wärmepumpe mit einem unter dem Haus verlegten Erdregister. Damit die Lüftungsleitungen für die Lüftung durchgehend im Gangbereich verlaufen können, musste die Decke im Erdgeschoss gut 20 cm herunter gehängt werden, während die Leitungen im Obergeschoss mit den Einbauschränken integriert wurden.
Technikraum.Nebst der Erde liefert auch die Sonne Wärme. Das Warmwasser wird zu 60 % mittels Sonnenkollektoren gewonnen, die restliche Erwärmung erfolgt durch die Wärmepumpe bzw. durch einen Elektrostab im Boiler. Eine fast 50 m² grosse Photovoltaikanlage produziert so viel Strom, dass übers Jahr gesehen eine beinahe ausgeglichene Energiebilanz erreicht werden kann. Die Mehrkosten für das nachhaltige Energiekonzept schlagen mit ca. 70 000 Franken bis 100 000 Franken zu Buche und rechnen sich laut dem Architekten Werner Setz von Setz Architektur nicht unmittelbar. Für die Besitzer waren aber Kriterien wie die langfristige Werterhaltung der Immobilie, der Wohnkomfort und die Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern ausschlaggebend für ihre Wahl.


Die Naturmauer, die das Grundstück südseitig begrenzt, bietet Lebensraum für Eidechsen, das Wasser im Teich stammt vom Dach.Naturgarten
Der Garten grenzt südseitig an die Landwirtschaftszone und erinnert in seiner Gestaltung an einen Innenhof. Lauschige Sitzplätze gewähren Einblick in verschiedene Zonen, denen die Verbindung von Naturnähe und liebevollen Details gemeinsam ist. Die Naturmauer, die das Grundstück südseitig begrenzt, bietet Lebensraum für Eidechsen, das Wasser im Teich stammt von einer Regenwasserzisterne. Auch einheimische Stauden, Beerensträucher und Obstbäume zeigen, wie sich Leben, Wohnen und Nutzen sinnvoll kombinieren lassen.


Das Bad, die letzte Station des Luftdurchlaufs und dementsprechend vergleichsweise kühl, ist mit einem Elektrostrahler ausgestattet, der bei Bedarf eingeschaltet werden kann.Erfahrungswerte
Was würden die Bauherren oder der Architekt aus heutiger Sicht anders machen? Setz meint, in Minergie-P-Häusern empfehle er heute den Einsatz einer Bodenheizung oder alternativ eines Ofens, damit Strahlungswärme vorhanden ist. Diese sorge für mehr Behaglichkeit als eine reine Gebäudeerwärmung durch die Luft. Ansatzweise findet sich dieser Komfort bereits im EFH in Dintikon. Das Bad, die letzte Station des Luftdurchlaufs und dementsprechend vergleichsweise kühl, ist mit einem Elektrostrahler ausgestattet, der bei Bedarf eingeschaltet werden kann. Die Bauherren würden heute einen Pelletsofen einbauen, der während kalten Wintertagen für gefühlte Strahlungswärme auch im Wohnbereich sorgt. Ausserdem sei das Haus von der Grösse her eher für eine Familie als für ein Paar konzipiert, so dass man sich im Winter bei lang andauerndem schlechten Wetter schon mal warm anziehen müsse. Denn leben mehr Menschen in einem Haus, wird es durch ihre eigene Körperwärme und auch durch den intensiveren Gebrauch von Haushaltgeräten zusätzlich aufgeheizt. 


Für das Flachdach, ohne das das Energiekonzept nicht hätte umgesetzt werden können, mussten die Bauherren kämpfen.Eine Neuerung, die Setz mittlerweile für Minergie-P-Bauten eingeführt hat, ist die Luftschadstoffmessung. Damit kann ausgeschlossen werden, dass die Bewohner und Bewohnerinnen Wohngiften ausgesetzt seien. Wegen der dichten Gebäudehülle könnten Schadstoffe nur schlecht ausgeschieden werden. Die Anforderungen sind auch hier hochgesteckt: 50 % unter den Werten des BAG wolle man bleiben, so Setz. 


Das EFH grenzt südseitig an die Landwirtschaftszone.Ein Punkt, den die Bauherren bei der Wahl des Standortes heute genauer prüfen würden, ist die Einstellung der Gemeinde zu energieeffizientem Bauen und der Möglichkeit, den Solarstrom zu einem annähernd kostendeckenden Preis dem lokalen Stromlieferanten verkaufen zu können. Private Produzenten dürfen Ökostrom derzeit nicht ohne die Einwilligung der Standortgemeinde weiterverkaufen. So kann im ungünstigsten Fall überschüssiger Strom im Sommer nur zum Mindesttarif zurückgespiesen und muss im Winter Atomstrom bezogen werden, falls die Gemeinde ihren Konsumenten keinen Ökostrom zur Wahl anbietet. Alles andere, so auch das Farbkonzept, das in einigen Räumen jeweils eine knallige Farbe vorsieht, würden sie noch einmal so umsetzen, meint Ernstberger.


Das Farbkonzept, das in einigen Räumen jeweils eine knallige Farbe vorsieht, würden sie noch einmal so umsetzen, meint Ernstberger.
























Text und Bilder: hausinfo

Letzte Aktualisierung: 11.01.2012