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Architektur-Reportage: Voll im Wind

In Leuk steht auf einer kleinen Parzelle ein Einfamilienhaus, dessen Form an ein Segel erinnert. Zu Besuch in einem ungewöhnlichen Gebäude.

Aufgrund des ungewöhnlichen Grundrisses, das einem Viertelkreis ähnelt, sieht das Gebäude aus jedem Blickwinkel immer wieder anders aus.

























(mei) Gerade 173 m² misst die Parzelle, auf der sich der Architekt Berto Haenni in der Leuker Altstadt den Traum vom Ein-Personen-Haus erfüllt hat. Damit die Grundstücksfläche optimal ausgenutzt werden konnte, wurde so nahe wie erlaubt an die Grenze gebaut. Entstanden ist das «Casa Berto», ein dreigeschossiges Gebäude mit einer auf einer Seite stark gerundeten Fassade im «Tower-Look», die sich wie ein Segel im Wind zu bauschen scheint. Aufgrund des ungewöhnlichen Grundrisses, das einem Viertelkreis ähnelt, sieht das Gebäude aus jedem Blickwinkel immer wieder anders aus. 


Die schiebbaren Fensterläden mit schrägen und fast geraden Lamellen aus Tannenholz können die Fassade bei Bedarf vollständig zudecken.Wer sich dem Eingang nähert, wähnt sich zunächst in frühere Zeiten versetzt – der Zugang gleicht bewusst einer Höhle. Im Innern ist es jedoch alles andere als dunkel: Die grosszügige Glasfassade, die sich über alle drei Etagen erstreckt, bringt viel Licht ins Gebäude. Die durch die Glasfläche eindringende Sonneneinstrahlung wird passiv genutzt, da sie auf einen dunklen Epoxidboden fällt, der die Wärme besonders gut speichern kann. Die schiebbaren Fensterläden der Glasfassade mit schrägen und fast geraden Lamellen aus Tannenholz dienen daneben auch der Beschattung, da sie die Fassade bei Bedarf vollständig zudecken können. Das System wurde eigens von der Firma Hawa entwickelt. Meist sind die Lamellen jedoch offen, und Haenni geniesst den weiten Blick über das Rhonetal. Wetterverschlechterungen sieht er von weither kommen, was für ihn «wie
Vom Schlafzimmer geniesst man einen weiten Blick über das Rhonetal und sieht Unwetter von weitem kommen. Fernsehen» sei. «La façade libre» mit ihrem Bezug zur Umgebung ist Teil der fünf Thesen der «Architecture nouvelle» von Le Corbusier, die Haenni bei diesem Neubau alle umgesetzt hat. Sonnenkollektoren auf dem Dach sorgen dafür, dass die Sonnenenergie auch aktiv genutzt werden kann. Ein Pelletofen unterstützt die Heizung von Mitte Dezember bis Ende Januar. In dieser Zeit reichen die Sonneneinstrahlung sowie das Lüftungssystem, das mit Erdregistern die Erdwärme nutzt, nicht aus, um eine behagliche Temperatur zu schaffen. Das energieeffiziente Gebäude wurde mit dem Minergie-Label zertifiziert. 


Das Entrée mit vorgelagerter Schrankfläche (links), einer von vier tragenden Säulen und dem Treppengeländer, das als Radiator dient.Im Erdgeschoss befindet sich nebst dem Entrée auch ein WC sowie das Schlafzimmer. Im offenen Obergeschoss sind die Küche und der Wohnbereich gelegen, während das Untergeschoss einen Technikraum, ein Gästezimmer sowie einen Fitnessraum mit Küche beherbergt. Von dort gelangt man auf die Terrasse, die von einem imposanten Felsblock dominiert wird. Wegen der kleinen Grundfläche liess sich Haenni einiges
Hinter dieser Front aus MDF-Platten verbirgt sich die Küche.einfallen, damit möglichst wenig Raum verloren geht. Er versteht sein Projekt denn auch als «eine positive Beschränkung auf das eigentlich Wichtige». So beinhalten die vier Stützen nahe der gerundeten Fassade die Komfortlüftung. Das Treppengeländer ist gleichzeitig ein Radiator. Vorgesetzte Schrankfronten bieten den benötigten Stauraum, da das Haus weder unterkellert ist noch einen Estrich hat. Der Fernseher lässt sich bei Nichtgebrauch in ein Sideboard versenken, die Küche verschwindet hinter einer Schiebewand. Und ein Regal ist auch eine Watscheltreppe, die aufs Dach zu den Sonnenkollektoren führt. Dort schläft der Bauherr im Hochsommer auch gerne – auf einer Luftmatratze mit nichts als dem Sternenhimmel über sich. 


Das offene Obergeschoss mit einem Pelletsofen (blau) und der Watscheltreppe, die als Regal dient (rot). Die Pellets müssen nicht etwa vom Technikraum zwei Etagen hoch gehievt werden, sondern lassen sich ganz einfach mit dem Zentralstaubsauger nach oben transportieren.





















Text und Bilder: hausinfo

Letzte Aktualisierung: 11.01.2012

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