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Architektur-Reportage: Wohnen in einer alten Scheune
Ein grossflächiges, mit Solarzellen ausgestattetes Dach: Das Haus der Familie Menétrey in Dompierre (VD) macht schon von weitem auf sich aufmerksam. Im Rahmen eines umfassenden Umbaus wurde eine alte Scheune aus dem 18. Jahrhundert in ein zeitgenössisches Wohnhaus verwandelt.

(rmc) Der vom Freiburger Büro Page Aloys, Geneviève & Frédéric Architectes SA realisierte Umbau ist umfassend. Beim Anblick der fleckigen Mauern des alten Stalls konnten sich die Eigentümer ihre künftige Behausung zunächst nur schwer vorstellen. «Selbst anhand der 3-D-Aufnahmen war nur mit Mühe zu erkennen, was daraus einmal entstehen würde», bestätigt Marcelline Menétrey. Da sich die Konstruktion und die ursprünglichen Stützbalken in gutem Zustand befanden, behielten sie auch im neuen Projekt ihre angestammte Funktion. Dagegen wurden die alten Innenmauern und die Decken entfernt, um einen offenen Raum zu schaffen, der sich über die ganze Höhe des Hauses erstreckt.

«Das Volumen ist wichtig und liess uns grosse Freiheiten. Man hätte sich gut auch ein vierstöckiges Gebäude vorstellen können», erklärt der Architekt Frédéric Page. Letztendlich umfasst das sehr geräumige Haus zwei Stockwerke und eine Bruttogeschossfläche von rund 270 m². Das Obergeschoss ist in zwei voneinander unabhängige Ebenen unterteilt – das Mezzanin oder Zwischengeschoss und den «Kinderbereich» –, die über zwei separate Treppen zu erreichen sind.

Da nicht das gesamte Volumen des Gebäudes genutzt wurde, sind künftige Erweiterungen möglich. Nach Auskunft des Architekten wurde der Umbau dieses historischen Gebäudes – die Scheune wurde um 1750 erbaut – durch die Tatsache begünstigt, dass das Grundstück im Kanton Waadt liegt. Im nur wenige Kilometer entfernten Kanton Fribourg wäre ein ähnliches Projekt aufgrund strengerer Denkmalschutzvorschriften wahrscheinlich nicht realisierbar gewesen.

Wohn- Essbereich
Lebensraum hat Priorität
Der über die ganze Höhe offene Wohn-Essbereich bildet den Mittelpunkt des Hauses. Auf Wunsch der Familie Menétrey sollten die Gemeinschaftsräume Priorität geniessen und deshalb viel Raum einnehmen. Die Schlaf- und Badezimmer, die nur Standardgrösse aufweisen, wirken demgegenüber eher klein. Die Ausstattung dieses geräumigen Aufenthaltsbereichs umfasst einen grossen Tisch, der aus dem Dachboden gezimmert wurde, sowie mehrere Designleuchten, die eine behagliche Atmosphäre schaffen. Grosse Vorhänge mit grafischen Motiven vervollständigen die Einrichtung. Die etwas zurückversetzte, aber gegen das Esszimmer offene Küche ist beim Betreten des Hauses nicht sofort sichtbar.

Von der Eingangshalle führt links eine Treppe ins Mezzanin, das als Erholungsraum und Fernsehecke dient. Das Elternschlafzimmer liegt direkt unter diesem Bereich im Erdgeschoss und verfügt über einen eigenen Ausgang. Rechts vom Wohnbereich befindet sich ein Gästezimmer. Über eine Treppe gelangt man zur Galerie, die als Spielbereich dient, und zu den beiden Kinderzimmern.
Sinn für Zweckmässigkeit und Ökologie
Jeder Winkel des Hauses wird optimal genutzt; geräumige Einbauschränke finden sich in den Schlafzimmern, unter den Treppen und überall dort, wo Platz ist. Das Geländer des Mezzanins ist aus Regalen zusammengesetzt. Das grosse, weisse Büchergestell im Wohnzimmer fungiert zugleich als Trennwand. Auch die drei Badezimmer wurden zweckmässig konzipiert – komfortabel, aber auf das Wesentliche reduziert.
Alle technischen Installationen sind an einem zentralen Ort untergebracht. In diesem kleinen und leicht zugänglichen Raum können die Menétreys einen Blick auf die Energieproduktion der Solarzellen, die Internet-Anschlüsse usw. werfen. Von Beginn an war es das Ziel der Familie, ein ökologisches Haus zu bauen. Nachdem zunächst eine Windkraftanlage geplant war, entschied man sich schliesslich für die Installation von Solarzellen, die fast eine ganze Dachfläche bedecken. Die Investition belief sich auf rund ein Zehntel des gesamten Projektbudgets in Höhe von über 1 Million Franken (inkl. Erwerb von Grundstück und Scheune). Diese grosszügige Oberfläche produziert mehr als genug Strom für den Betrieb der geothermischen Wärmepumpe, die das Warmwasser für die Heizung aufbereitet und das sanitäre Warmwasser vorwärmt. Der Stromüberschuss wird ins Netz eingespiesen.

Die Familie bezog ihr neues Heim Ende Juli 2007. Der Winter 2007-2008 verlief problemlos und ergab am Ende eine positive Energiebilanz, da der überschüssige Strom verkauft werden konnte. «Ein Whirlpool wäre mit einer autonomen Stromversorgung sicher nicht vereinbar, aber wir brauchen keine solche Installation», bemerkt Marcelline Menétrey.
Text: hausinfo
Bilder: zvg, hausinfo
Letzte Aktualisierung:
11.01.2012