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Bauherrenbegleitung: Das Haus unter Druck gesetzt
Für ein Passivhaus ist eine luftdichte Gebäudehülle das A und O. Im Blower-Door-Test für den Nachweis der Dichtigkeit schnitt das Haus in Utzenstorf sehr gut ab. Und beim Trocknen des Gussbodens zeigte sie sich deutlich.

(msc) Die Hauptsache des Blower-Door-Tests, der Luftdichtigkeitsprüfung, ist ein in verschieden grosse Öffnungen einpassbarer Rahmen mit einer luftdichten Plane und einem Loch für einen grossen Ventilator – und natürlich das Messgerät und der angeschlossene Laptop. «Im Hausinnern werden nacheinander ein Unterdruck und ein Überdruck erzeugt, so dass der Unterschied zwischen draussen und drinnen jeweils 50 Pascal beträgt», erklärt Architekt Hansruedi Bader das Vorgehen. Der Effekt dieses Druckunterschieds entspricht ungefähr einem Druck von 5 kg auf einer Fläche von einem Quadratmeter.
Eine Qualitätsprüfung
Der Luftwechsel bzw. das Resultat der Messung darf in einem Minergie-P-Haus nicht grösser sein als 0,6 h-1;. «Das heisst: In einem Raum mit 1000 m³ Volumen dürfen in einer Stunde nicht mehr als 600 m³ Luft ausgetauscht werden», sagt Bader. Er findet den Test gut, nicht nur, um den Nachweis für das Minergie-P-Label erbringen zu können, sondern auch «einfach als Qualitätsprüfung.» Der Architekt lässt ihn bereits im Rohbau machen. So sind die Anforderungen zwar ein bisschen schwieriger zu erreichen, als wenn das Haus ganz fertig ist. Dafür wäre es im Falle eines oder mehrerer Lecks einfacher, die undichten Stellen zu eliminieren.
«Das muss so sein»
Das bestätigt auch Gerold Lehmann von der Gartenmann Engineering AG, der die Messungen beim Einfamilienhaus von Heidi Lutstorf und Dietrich Bögli vornimmt. Bevor er den Ventilator einschalten kann, müssen aber alle Ritzen und Löcher abgedichtet werden, die im Rohbau noch vorhanden sind: Wasserleitungen ohne Hahnen, Kabelführungen, die Löcher in Fensterrahmen, wo noch die Griffe fehlen. Dann erst wird der Ventilator im Rahmen der Eingangstüre gestartet, schaufelt Luft aus dem Hausinnern nach draussen. Der Unterdruck ist nicht spürbar – aber Löcher wären es, sagt Lehmann: «Man spürt es oft schon von Hand, wenn es irgendwo durchzieht. Und mit Strömungsprüfern, einer Art Rauchstäbchen, kann man undichte Stellen präzise orten.» Die Druckdifferenz von 50 Pa ist bald erreicht, und nur kurze Zeit später zeigt der Laptop das hochgerechnete Resultat an: 0,44 h-1;. «Das ist sehr gut», sagt Gerold Lehmann. «Das freut mich, tipptopp, das muss so sein», meint Hansruedi Bader lächelnd.
Am Ende hängt es am Architekten
Und wer wäre verantwortlich, wenn es nicht «tipptopp» wäre? Das sei nicht ganz einfach, sagt der Architekt Bader: «Wenn es in einer Ecke des Elementbaus wäre: der Zimmermann, bei den Fenstern der Fensterbauer. Aber schliesslich ist es jener, der das Dichtungskonzept gemacht hat – also der Architekt.» Doch in diesem Fall hat er nichts zu befürchten: Auch die Messung bei Überdruck im Hausinnern fällt mit 0,47 h-1; hervorragend aus. Solche Resultate gebe es nicht sehr häufig bei den ersten Messungen, sagt der Energie-Ingenieur Lehmann. «Und wenn man Lecks suchen muss, geht es viel länger; ich bin oft einen ganzen Vormittag dran.» In Utzenstorf kann er schon kurz nach 9 Uhr wieder zusammenpacken.
Dass die Gebäudehülle ziemlich dicht ist, hat der Bauherr Dietrich Bögli bereits gemerkt. Zwei Tage nach dem Einbringen des gegossenen Bodens «war es wirklich tropisch», erzählt Bögli. Die Fenster seien geschlossen gewesen, und nach dem Einschalten der Lüftung habe sich durch den hohen Temperaturunterschied so viel Kondenswasser gebildet, dass es im Technikraum nur so tropfte – «Es gab eine ziemliche Sauerei.» Doch mit etwas Heizen und Lüften sei das Haus bald wieder trocken gewesen.
Text und Bilder: hausinfo
Letzte Aktualisierung:
22.03.2011