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Bauherrenbegleitung: Vielfalt im Rasen

Dünger und Unkrautvertilgungsmittel haben im Rasen unserer Bauherren in Utzenstorf nichts zu suchen. Auch ein wöchentlicher Millimeterschnitt ist nicht notwendig: Der extensiv zu pflegende Naturrasen «Nara» bietet dafür eine grosse Pflanzenvielfalt.

Blumenrasen Nara.


(msc) Um stolze Besitzer grüner Rasen und Räseli zu sein, versorgen Schweizerinnen und Schweizer den Boden jährlich mit zig Tonnen Unkrautvertilgungsmittel und tausenden Tonnen Kunstdünger. Dabei ginge es in vielen Fällen auch anders: Oft wären an den selben Orten – etwa, wenn die Fläche kaum genutzt wird – auch Blumenwiesen möglich, die weniger Pflege brauchen und Bienen und Schmetterlingen eine Lebensgrundlage böten. Oder als Kompromiss könnten viel häufiger Blumenrasen angesät werden.

Schon vier Wochen nach der Aussaat ist es rund ums Haus etwas grün.Langsam wachsend heisst weniger rasenmähen
Diesen Weg haben Dietrich Bögli und Heidi Lutstorf gewählt. «Auf der Süd- und Südwestseite des Hauses haben wir am Pfingstmontag 2 kg Naturrasen «Nara» gesät», sagt Bögli. Westlich kam noch ein spezieller «Schattenrasen» dazu, der für weniger besonnte Stellen geeignet ist. Verschiedene Gründe führten dazu, dass die Bauherren den Blumen- einem properen Zier- oder Freizeitrasen vorzogen: «Der Nara ist sehr artenreich, nicht sehr anspruchsvoll und muss eigentlich nicht gedüngt werden. Dank den langsam wachsenden Gräsern muss man ihn auch nicht wöchentlich schneiden», zählt der Agronom auf. Nach vier Wochen ist der am 1. Juni angesäte Rasen schon «schön aufgelaufen», und in der ein paar Wochen zuvor gesäten Fläche malen bereits kleine Blümchen Farbtupfer ins Grün.

Der Blumenrasen vier Wochen (links) nach der Aussaat, rechts ein Stück, das bereits im Frühling angesät wurde.Des Nachteils des Blumenrasens ist sich Dietrich Bögli bewusst: Der Rasen werde wohl nicht so dicht wie die artenärmeren Varianten. Überzeugt hat ihn aber die Artenvielfalt mit über 30 verschiedenen Pflanzen und der Eindruck, dass der Rasen nicht gerade braun werde, wenn es eine Zeit lang nicht regnet und nicht bewässert wird; diese Feststellung konnte Dietrich Bögli machen, weil seine Mutter den Blumenrasen auch schon gesät hat. Schliesslich gefällt dem Lehrer und Berater an der Höheren Fachschule Inforama, dass die Mischung an der Schweizerischen Hochschule für Landwirtschaft (SHL) in Zollikofen entwickelt wurde.

Produkt aus einer Dissertation
Das bestätigt Beat Reidy, Leiter der Sparten Rasen/Begrünung und Landwirtschaft bei der Thuner Samenproduzentin Eric Schweizer AG. Der Nara sei aus einer Dissertation heraus entstanden, die von einem ETH-Student beim SHL-Dozent Peter Thomet 1995 abgeschlossen wurde. Das Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft und die Firma Schweizer hätten das Projekt mitfinanziert. Laut Reidy entspricht der Naturrasen in etwa den Weiden im Jura: «Es wurden über 30 Ökotypen – das heisst, dass die Pflanzen nicht gezüchtet wurden – an verschiedenen Orten gesammelt.» Dort habe die Natur über Jahre tritt- und tiefschnittverträgliche Ökotypen herangebildet.

Die Pflege sei zwar nicht aufwändig, aber nicht ganz einfach, um einen wirklich vielfältigen Rasen zu erhalten, sagt Reidy. So gibt die Schweizer AG in ihrem Prospekt zu Wildblumen und Begrünung auf zwei A4-Seiten viele Tipps und Hinweise zur Ansaat und Pflege. Grundsätzlich gilt – wenn der Rasen nach zwei Jahren seine Ausgestaltung erreicht hat –, dass bis Ende Juni 4- bis 5-mal geschnitten werden sollte. Im Juli und August soll der Rasen ruhen, um ein Versamen zu ermöglichen. Weitere Schnitte können schliesslich Mitte August und im Oktober folgen.


Text: hausinfo
Bilder: zvg

Datum: 21.05.2012
Letzte Aktualisierung: 16.05.2012
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