An einem Bau sind unzählige Spezialisten beteiligt. Wer als Bauherr mit allen selbst verhandeln müsste, hätte viel zu tun. Bei Heidi Lutstorf und Dietrich Bögli läuft es mit einem GU-Vertrag einfacher.

(msc) Am 31. Juli 2008 war der Vertrag unter Dach und Fach. Die Bauherren Heidi Lutstorf, Dietrich Bögli und der Architekt Hansruedi Bader setzten ihre Unterschrift unter den
Generalunternehmervertrag. Damit wissen Lutstorf und Bögli, wie viel sie im Gesamten für ihr neues Haus ungefähr wann bezahlen müssen und was sie dafür erhalten – und Bader weiss, für wie viel Geld er was leisten beziehungsweise leisten lassen sollte. Mit einem GU-Vertrag erteilen Bauherren einem einzigen Ansprechpartner den Auftrag. Der
Generalunternehmer wiederum vergibt die Arbeiten weiter und ist dafür besorgt, dass die mit den Bauherren abgemachten Bedingungen eingehalten werden.
Vieles im Voraus bestimmt
Geregelt sind im Generalunternehmervertrag unter anderem der Werkpreis,
Termine, Honorare und der Zahlungsablauf sowie rechtliche Punkte wie Änderungen, Überwachung und
Garantie. Inbegriffen sind zudem ein Baubeschrieb und ein Kostenvoranschlag. Trotz detaillierter Aufschlüsselung des gesamten Projekts: «Ich habe das Fertigstellen des Vertrags als einfach empfunden – vielleicht, weil wir schon im Voraus die entscheidenden Sachen definiert hatten», sagt Dietrich Bögli.
Mühe mit roten Ziegeln Auch wenn der Agronom den Prozess nicht schwierig fand, beugten sich die Bauherren und der Architekt zusammen mehrere Stunden über den Vertrag. Beispielsweise waren bei einer Besprechung Anfang Juli die
Ziegel ein Thema: «Mit dem hätte ich jetzt Mühe, das ist mir zu ländlich», sagte Heidi Lutstorf während beim Blättern in einem der vielen
zugesandten Prospekte und wies auf die normalen rötlichen Ziegel. «Wir sind ja auf dem Land!», entgegnete Dietrich Bögli – doch kurz darauf waren sie sich schon einig, dass es eher dunklere Ziegel sein sollen.
Rohstoffpreise heben Baukosten Schliesslich wurde auch der Preis für das Gebäude im Laufe der Besprechungen höher. Die Kosten betragen gemäss Budget jetzt Fr. 570 000.-, in der ersten Ausgabe des GU-Vertrags beliefen sie sich noch auf
Fr. 550 000.-. «Wir sind ein bisschen erschrocken, als der Architekt uns sagte, dass es teurer werde als ursprünglich angenommen», sagt Dietrich Bögli. Der Hauptgrund für den Kostenanstieg sei gewesen, dass Hansruedi Bader in der ersten Vertragsversion Erfahrungswerte einsetzte und dann aufgrund der Handwerker-Offerten nach oben korrigieren musste, da sich die erhöhten Rohstoffpreise auch in der Baubranche niederschlagen.
In den oben genannten Baukosten ist nicht alles eingeschlossen. Für
Grundstück (Notar u.a.), Nebenkosten wie Baubewilligung, die Anschlüsse von Kanalisation, Wasser, Strom und Kabelfernsehen, Bank- und Versicherungskosten rechnet Dietrich Bögli zusätzlich mit ca.
Fr. 40 000.-. Hinzu kommen die Aussenarbeiten (Umgebung, Autounterstand, Terrasse), bei denen die Bauherren selbst anpacken wollen – mit Hilfe von Fachleuten. Gut Fr. 25 000.- hat Bögli dafür budgetiert, ohne Eigenleistungen käme dies teurer zu stehen. Schliesslich ist auch der grosse Brocken von Fr. 80 000.- für die Photovoltaikanlage nicht Teil des GU-Vertrags.
Günstiger dank Eigenleistungen Von den Fr. 570 000.- können Heidi Lutstorf und Dietrich Bögli aber auch etwas abziehen. Im Innenausbau möchte der Bauherr nämlich ebenfalls Hand anlegen: «Ich habe während vieler Jahre bei einem Schreiner-Kollegen gearbeitet und werde mit ihm die Wände fertigstellen.» Zusammen mit der Mithilfe beim Treppenbau, bei Gipser- und Malerarbeiten dürfte sich nach den Berechnungen des Agronomen eine Vergünstigung von gegen Fr. 16 000.- ergeben. Und Fr. 20 000.- erhalten die Bauherren als
Förderbeitrag das Kantons Bern für das
Minergie-P-Label.