Hausinfo

Bauherrenbegleitung: Das Privatkraftwerk

Auf dem Dach ihres künftigen Hauses möchten Heidi Lutstorf und Dietrich Bögli mehr Solarstrom produzieren, als sie selber brauchen.

Dietrich Bögli und Heidi Lutstorf setzen in ihrem Projekt auf Strom von der Sonne.(msc) Der Energiebedarf eines Minergie-P-Hauses ist mit knapp einem Drittel des Energiebedarfs eines neuen Standardhauses ohnehin schon sehr tief. Heidi Lutstorf und Dietrich Bögli möchten die Energiebilanz noch weiter verbessern: Können sie realisieren, was sie sich vorstellen, wird ihr Heim in Utzenstorf zum Privatkraftwerk. Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach soll mehr Strom ins Netz einspeisen, als sie selbst brauchen.


Mit der Photovoltaikanlage wäre das Konzept hinter Böglis und Lutstorfs Haus zu Ende gedacht.

Doppelter Eigenbedarf
Für die Bauherren wäre damit ihr Konzept «zu Ende gedacht», wie Dietrich Bögli sagt: «Wir möchten die Energie, die wir brauchen, selbst herstellen.» Das betrifft neben der Wärme (s. Box unten) den Strom, den Lutstorf und Bögli auf alle Fälle benötigen – auch wenn der Verbrauch wegen der vorgeschriebenen effizienten Geräte (A-Klasse der Energieetikette) gering sein wird. Die geplante Photovoltaikanlage mit einer Fläche von 50 bis 60 m² soll die südwärts gerichtete Dachhälfte bedecken. Gemäss Offerten würde eine kleinere Anlage 5600 kWh produzieren, eine grössere rund 6800 kWh. Die Kosten liegen zwischen Fr. 50 000.- und Fr. 85 000.-. «Mit diesen Anlagen würden wir ungefähr das Doppelte unseres Eigenbedarfs an Strom produzieren», sagt Bögli.

Wohl keine kostendeckende Einspeisevergütung
Dass die Bauherren die Solaranlage auf alle Fälle realisieren möchten, haben sie nach langem Abwägen entschieden. Am 1. Mai 2008 reichten sie ein Gesuch um die kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) ein. Dieses Anreizsystem des Bundes soll dazu anregen, in erneuerbare Energiequellen wie Sonne, Wind, Wasser, Biomasse und Geothermie zu investieren. Da die verantwortliche Netzgesellschaft Swissgrid von Gesuchstellern geradezu überrannt wurde, rechnet sich Dietrich Bögli für ihre eher kleine Anlage keine grosse Chance aus. Das findet er zwar «etwas frustrierend» – trotzdem wollen die Bauherren jetzt auf Solarstrom setzen.

Auch eine Investition in die Zukunft.«Ein Stück weit steckt auch ein Sicherheitsgedanke dahinter: Die Strompreise dürften sich kaum gegen unten entwickeln», schaut Bögli in die Zukunft. Zudem glaube er an den Erfolg der Solartechnik, auch wenn eine Investition heute noch als Wagnis gelten dürfte. Und eine Investition ist es in der Tat: Rechnet der Agronom mit Zinsen, Abschreibungen und einer Betriebsdauer von 25 Jahren, kommt er auf Kosten von Fr. 6300.- pro Jahr. Das entspricht ziemlich gut der KEV von Fr. -.90 pro kWh, die Bögli und Lutstorf für ihre Anlage erhalten würden.

Ökostrom im Direktverkauf
Um nicht allzu viel Geld daraufzulegen, möchten die Bauherren den Strom nun quasi direkt «ab Hof» verkaufen. Das sollte funktionieren, soweit sich Dietrich Bögli bei Swissgrid erkundigt hat: «Durch einen Nutzungsvertrag mit der Netzgesellschaft würden wir einen Herkunftsnachweis für unseren eingespiesenen Strom erhalten.» Diesen möchten Bögli und Lutstorf an Interessierte verkaufen, indem sie ihnen jenen Strom verrechnen, den ihre Anlage ins Netz einspeist und den sie selbst nicht brauchen. Die Bezüger würden schliesslich ganz normal ihre Stromrechnung und zusätzlich einen Beitrag an die Bauherren bezahlen; einfach für jene Menge Elektrizität, die garantiert von der Sonne auf dem Haus in Utzenstorf stammt.

Als Nächstes versuchen Heidi Lutstorf und Dietrich Bögli noch mehr Abnehmer für ihren Solarstrom zu finden. «Unsere Eltern unterstützen uns sicher, wir werden zusätzlich Verwandte und Bekannte fragen, ob sie uns etwas abkaufen», sagt Bögli.


Wärme von Sonne und Holz

Neben dem Strom benötigt ein Haushalt natürlich auch Wärme. Das Passivhaus von Heidi Lutstorf und Dietrich Bögli nutzt Sonneneinstrahlung direkt, indem gespeicherte Wärme nicht wirkungslos durch schlecht isolierte Mauern wieder verpufft. 10 m² Sonnenkollektoren liefern Warmwasser. Im Stückholzofen werden die Bauherren fürs Heizen im Winter Holz aus dem Wald der Eltern von Bögli verfeuern. Und sollte in den Übergangszeiten im Frühling und im Herbst die Sonne längere Zeit nicht scheinen, kann das Brauchwasser im Notfall mit Strom aufgeheizt werden. Die genauen Typen der Kollektoranlage und des Ofens sind noch nicht bestimmt.


 

Text und Bilder: hausinfo

Aktuell im Forum diskutiert
Aktuell im Forum diskutiert
Datum: 21.05.2012
Letzte Aktualisierung: 16.05.2012
URL: http://www.hausinfo.ch/home/de/gebaeude/bau/privatkraftwerk.html