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Architektenhaus oder Systemhaus?

Der Traum vom Einfamilienhaus lässt sich mit unterschiedlichen Partnern verwirklichen: Die Zusammenarbeit mit einem Architekten verspricht ein einzigartiges Gebäude. Fällt die Wahl auf ein Systemhaus, setzt man hingegen auf Bewährtes. In welchem Fall aber überwiegen die Vorteile? Wir haben zwei Spezialisten gefragt.


Manfred Gubler, Bautec
 
Welche Vorteile bietet das Bauen eines Systemhauses?
Bauherren arbeiten von Beginn weg mit einem konkreten Projekt als Grundlage, das sich als Musterhaus besichtigen und danach individualisieren lässt. In der Dokumentation ist jedes Projekt mit einem Preis und einem genauen Beschrieb versehen, so dass die Bauherren jederzeit wissen, was sie für ihr Geld erhalten. Und es ist bei der grossen Anzahl an Typen, die wir bieten, auch möglich, mal zu schauen, was denn bei einem vorgegebenen Budget und bestimmten Wünschen bezüglich Grundrissgrösse und Anzahl Räume überhaupt möglich ist.
 
Welche Nachteile verbinden Sie mit dem Bauen eines individuellen Hauses?
Der Einstieg ins Bauprojekt ist schwierig und benötigt viel Zeit, da sich Bauherren mit einer ihnen unbekannten Materie vertieft auseinandersetzen müssen. Zudem ist das Auftragsverhältnis so, dass man mit dem Architekten und allen Handwerkern je einen Vertrag abschliessen muss, was bei Garantiefällen mit viel Aufwand verbunden ist. Wir treten hingegen als Generalunternehmer auf, so dass unsere Kunden nur einen Ansprech- und Vertragspartner haben.
 
Welche Bauherren sind mit einem Architektenhaus trotzdem besser bedient?
Wer ein individuelles Gebäude sucht oder
ein sehr schwieriges Terrain hat, der ist mit einem Architektenhaus besser bedient. Wir bieten aber auch für diese Fälle die passende Lösung.
 
Was ist bei Ihnen punkto Materialwahl, Energieeffizienz und Bauökologie möglich?
Bei uns ist alles möglich. Die Materialien inkl. der Art der Fassade können frei gewählt werden, der Innenausbau erfolgt sowieso individuell. Wir bieten auch den Minergie-Standard an und realisieren gerne auch weitergehende ökologische Wünsche unserer Bauherren.
 
Wie viel muss man für ein Einfamilienhaus bei Ihnen mindestens bezahlen?
Je nach Region kostet ein Einfamilienhaus ab 330'000 bis 350'000 Franken. Land sowie Nebenkosten und Gebühren sind darin nicht inbegriffen.
  
Manfred Gubler











Zur Person
Manfred Gubler ist dipl. Architekt ETH/SIA
und Geschäftsführer des auf Systemhäuser
spezialisierten Seeländer Unternehmens Bautec. Die Firma, die 1965 von seinem Vater Fritz Gubler und Ulrich Streit gegründet wurde, hat seither ca. 4'800 Einfamilienhäuser erstellt und beschäftigt heute rund 40 Mitarbeiter. In ihrem Sortiment führt sie drei Linien mit rund 60 Haustypen, die individuell auf die Kundenwünsche angepasst werden.
Peter Schürch, Halle 58 Architekten 
 
Welche Vorteile bietet das Bauen
eines Architektenhauses?
Das Architektenhaus nimmt Mass an den Wünschen der Auftraggeber und gleichzeitig an der Lage des zu erstellenden Gebäudes: Die Besonnung, die Aussicht, die umliegenden Gebäude und deren Materialien sowie die heutigen Anforderungen an die Ressourceneffizienz fliessen alle mit ein und verorten das Projekt. Der Vorteil des Architektenhauses ist somit ein Bauwerk, welches im Kontext des Ortes und spezifisch für den Auftraggeber gebaut wird.
 
Welche Nachteile verbinden Sie mit
dem Bauen eines Systemhauses?
Das Systemhaus nimmt wenig Bezug auf die Situation, auf das Vorgefundene und die Umgebung. So bleibt es oft ein Fremdkörper mit aufgeschüttetem Umschwung und auswechselbarer Ästhetik.
 
Welche Bauherren sind mit einem
Systemhaus trotzdem besser bedient?
Eine Bauherrschaft, welche sich mit einer Bauaufgabe kaum vertieft auseinandersetzen will und nur an die (kurzfristig anfallenden) Investitionskosten denkt.
 
Was ist bei Ihnen punkto Materialwahl, Energieeffizienz und Bauökologie möglich?
Einfamilienhäuser sind per se wenig nachhaltig. Wir sollten heute mehr denn je sorgsamer mit unseren Ressourcen und der unverbauten Landfläche umgehen. Bei uns wird dieses Thema zentral thematisiert: Könnten besser zwei oder drei Familien zusammen ein zukunftsfähiges, energieeffizientes, ökologisches Gebäude bauen? Dies ergibt oft eine Win-Win-Situation, da sich gewisse Kosten teilen lassen. Ich denke, die Herausforderung liegt darin, Mehrfamilien-Gebäude so zu gestalten und zu konzipieren, dass die Vorteile des Wohnens in EFH erhalten bleiben, gute Wohnqualität entsteht und auf der anderen Seite sorgfältig mit den Ressourcen umgegangen wird. Dies beinhaltet auch die passive und aktive Nutzung der Sonnenenergie, um das Gebäude energiemässig autark zu machen, so dass man künftigen Preissteigungen der Energie gelassen entgegensehen kann.
 
Wie viel muss man für ein Einfamilienhaus bei Ihnen mindestens bezahlen?
Das ist eine gute Frage! Dies kommt auf die
Wünsche, die Grösse, die Aufgabenstellung sowie die Bauparzelle an. Wir wünschen uns Bauherrschaften mit klaren Kostenvorgaben, welche sich auf einen intensiven Planungs-Prozess einlassen und sich der gesellschaftlichen Verantwortung des Bauens stellen. Bei einem Bauwerk entstehen ja auch immaterielle Werte wie Ästhetik, Sinnlichkeit der Materialien, Tageslichtnutzung, Raumgefühl oder bauliche Kultur. Diese Aspekte sollten mehr Gewicht erhalten – auch wenn sie sich erst später auszahlen.
  
Peter SchürchZur Person
Peter Schürch ist Architekt SIA/SWB und Inhaber des Berner Architekturbüros Halle 58 Architekten, das einer nachhaltigen, grünen Bauweise mit zeitgemässer Energieeffizienz und natürlichen oder reycelbaren Materialien verpflichtet ist. Zusammen mit seinen acht Mitarbeitenden hat er in den letzten zwanzig Jahren fünf Einfamilienhäuser umgebaut, fünf Zwei- und Mehrfamilienhäuser erbaut und viele Umbauaufgaben vorgenommen. Schürch ist Professor an der Hochschule für Architektur, Holz und Bau in Burgdorf sowie mitverantwortlich für das MAS Weiterbildung in nachhaltigem Bauen.



Text: hausinfo
Bilder: zvg

Letzte Aktualisierung: 03.01.2012