Interview zur Komfortlüftung für Minergiebauten
Roman Hermann, HLK-Ingenieur HTL und Mitglied der Geschäftsleitung bei der Waldhauser Haustechnik AG, stand hausinfo zum Thema Komfortlüftung Red und Antwort.
Zu welcher Vorgehensweise raten Sie einem Hausbesitzer, wenn er sich für eine Komfortlüftung interessiert?Roman Hermann: Wichtig ist, dass Hauseigentümer und Hauseigentümerinnen ihr Interesse für eine Komfortlüftung möglichst früh signalisieren, damit ihre Anliegen rechtzeitig in die Planung einfliessen können. Es ist sinnvoll, sich von einem Fachplaner beraten zu lassen, der verschiedene Varianten mit Vor- und Nachteilen aufzeigen kann.
Mit welchen Kosten muss man beim Einbau einer Komfortlüftung rechnen?
Bei der Kostenfrage ist es wichtig, dass der Hauseigentümer sich nach den Gesamtkosten erkundigt. Neben den Kosten für die reine Lüftungsanlage fallen in der Regel auch noch Planerhonorare, Kosten für die elektrischen Anschlüsse und die bauseitige Leistung an. In Neubauten liegen unsere Erfahrungswerte bei ca. 14'000 bis 18'000 Franken für ein Einfamilienhaus. Bei Mehrfamilienhäusern liegen die Kosten zwischen 11'000 und 15'000 Franken, wenn Einzelgeräte pro Wohnung eingesetzt werden. Bei einer zentralen Luftaufbereitung für mehrere Wohnungen muss mit ca. 9'000 bis 13'000 Franken gerechnet werden. Für den Sanierungsbereich haben wir noch keine Erfahrungswerte.
Welches sind die häufigsten Vorurteile, die man beim Thema Minergie hört?
Das grösste Vorurteil herrscht im Zusammenhang mit der kontrollierten Lüftung. Viele meinen, diese Lüftung sei zum Energie sparen da und deshalb dürften die Fenster nicht mehr geöffnet werden. Die Leute denken, sie seien dann eingesperrt, wie bei einer Klimaanlage. Das ist natürlich falsch. Man darf und soll die Fenster weiterhin öffnen. Im Sommer ist dies besonders wichtig, um eine Nachtauskühlung zu machen.
Worauf muss man beim Einbau achten, damit später beim Betrieb der Komfortlüftung keine Probleme auftreten?Die häufigste Ursache für Reklamationen sind Schallprobleme. Es muss deshalb konsequent darauf geachtet werden, dass geräuscharme Komponenten eingesetzt werden und die Leitungen genügend gross dimensioniert werden. Weiter sehen wir die Zukunft in möglichst einfachen Luftverteilsystemen, die gut gereinigt werden können und kostengünstiger sind. Bei der Wahl des Luftaufbereitungs-Geräts sollte darauf geachtet werden, dass der Gerätehersteller im Markt etabliert ist, damit die Lieferung von Ersatzteilen und Verbrauchsmaterial auch über die nächsten 15 Jahre gewährleistet ist. Zurzeit drängen viele Gerätehersteller auf den Schweizer Markt. Hier ist der Bauherr gut beraten, nicht einfach das günstigste Gerät zu wählen.
Welche Nachteile bringt eine Komfortlüftung mit sich?
Im Winter kann die Komfortlüftung zu trockener Luft in den Wohnräumen führen, vor allem dann, wenn nur ein bis zwei Personen in einem Haushalt leben und der natürliche Feuchteanfall relativ gering ist. Hier gibt es aber bereits Geräte auf dem Markt, die neben der Wärme auch die Feuchtigkeit aus der Abluft zurückgewinnen können. Weiter kann eine nicht oder nur schlecht gewartete Lüftungsanlage zu einem Hygienerisiko werden. Deshalb muss bei der Planung auf einfache Wartungsmöglichkeiten geachtet werden. Die Nutzer müssen über den richtigen Betrieb und den Unterhalt einer kontrollierten Wohnungslüftung informiert werden.
Gibt es gesundheitliche Bedenken bei der Komfortlüftung? Verteilen sich da nicht alle Bakterien in jedem Raum des Hauses?
Die Luft, die in das Gebäudeinnere gelangt, wird gefiltert und sollte deswegen besser sein als die Aussenluft. Die Luft wird danach einem Raum zugefügt und wieder abgesogen, danach gelangt sie nicht noch einmal in den Kreislauf. Es ist also nicht wie in einem Umluftsystem, in dem die Luft von Raum zu Raum geht. Wichtig ist aber, dass die Ausführung der Lüftungsanlagen gut gemacht wird. Sie werden oft durch Leitungen, die in Beton eingelegt werden, in ein Gebäude eingebaut. Das ist falsch, denn die Leitungen müssen für die Reinigung zugänglich sein, sonst können sich dort im Laufe der Zeit Bakterien ansammeln. Staub sammelt sich gemäss unserer Erfahrung recht wenig an.
Danke für das Interview.
Text und Bilder: hausinfo
Letzte Aktualisierung:
13.12.2011
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