Handelsübliche Urinale benötigen pro Spülung bis zu vier oder sogar mehr Liter Frischwasser. Dabei geht es auch ganz ohne Wasser, Chemie oder Strom – und die Schweizer haben's erst noch erfunden.

(stö) Wasserlose Urinale bedienen sich lediglich der Schwerkraft, um Urin abzuleiten und benötigen kein
Wasser, um nachzuspülen. In erster Linie kommen Urinale ohne Spülung im gewerblichen oder öffentlichen Bereich zum Einsatz (Restaurants, öffentliche Toiletten, Stadien etc.) oder dort, wo fliessendes Wasser fehlt. Im Zuge des steigenden Umweltbewusstseins finden wasserlose
Urinale aber auch in Privatwohnungen immer mehr Anklang.
Nebst den Bestrebungen der Hersteller, den Wasserverbrauch von Spülungen via Spartaste oder ausgefeilten Mechanismen möglichst gering zu halten, werden auf dem Markt aktuell zwei Systeme angeboten, die beide gänzlich ohne Wasserspülung auskommen:
Mit Sperrflüssigkeit…
Die von Waterless zu Beginn der 1990er-Jahre in den USA entwickelte «No-Flush»-Generation, trennt den Urin unterhalb des Beckenabflusses mit einer Sperrflüssigkeit. Diese Flüssigkeit, die lediglich sporadisch ersetzt werden muss, ist leichter als Urin und schwimmt daher im Abflussmechanismus über dem Urin, welcher bei einem Toilettengang einfach durch die Sperrflüssigkeit hindurch in das Abflussrohr sickert. Selbstverständlich sind die heute eingesetzten Sperrflüssigkeiten biologisch abbaubar.
…oder ohne Eine Schweizer Erfindung hingegen ist das System, wie es seit etwa 10 Jahren von Urimat angeboten wird: Mittels eines hydrostatischen Auftriebskörpers, der sich ebenfalls im Abflussmechanismus befindet, wird das Ablaufen des Urins und das Wiederverschliessen des Siphons garantiert. Dabei wird der Auftriebskörper durch den im Becken abfliessenden Urin nach unten gedrückt und schwimmt nach Beendigung des Vorgangs wieder nach oben. Der im Siphon befindliche Urin wird ohne nachzuspülen durch die Auslassöffnung in die Kanalisation geleitet. Diese Variante kommt vollständig ohne Sperrflüssigkeiten oder andere chemische Substanzen aus.
Keine schlechten Gerüche Aber wie steht es um den Geruch? Hier kann entwarnt werden. Sowohl bei den Urinalen mit Sperrflüssigkeit als auch bei jenen, die ganz ohne Zusatzflüssigkeiten auskommen, entstehen dank entsprechenden Verschlussmechanismen keine unangenehmen Gerüche. Hinzu kommt, dass für Geruchsemissionen unter anderem auch Bakterien verantwortlich sind, welche organisches Material zersetzen. Hierfür benötigen diese Bakterien jedoch Wasser. Fehlt dieses, wird ihnen die Lebensgrundlage entzogen. Da bei beiden wasserlosen Systemen der Urin, der an sich steril und frei von Keimen ist, nicht mit Wasser in Berührung kommt, entstehen auf diesem Wege auch keine Gerüche.
Hygiene ohne Einsatz von Wasser? Auch hinsichtlich der Hygiene sind wasserlose Urinale vorbildlich. Entgegen unserem Bewusstsein, dass nur der Einsatz von genügend Frischwasser für reinliche Verhältnisse sorgt, verhält es sich aber genau umgekehrt. Denn auch die Entstehung von Schimmelkulturen geht nicht ohne Wasser vonstatten. Fehlt das Wasser, können sich weniger Bakterien und
Schimmelpilze bilden. Das gleiche gilt auch für den Urinstein, der nur in Verbindung von Urin mit Salzen und Stoffen aus Wasser entstehen kann. Zu guter Letzt funktionieren wasserlose Urinale berührungslos, was einen zusätzlichen Beitrag zur Hygiene leistet und dies ganz ohne Einsatz elektronischer Sensoren.
Lohnende Investition
Wasserlose Urinale sind etwas teurer als Modelle mit Wasserspülung (Richtpreise ab ca. CHF 600.- ohne Montage). Da aber keine Wasserzuleitungen montiert werden müssen und der Wasserverbrauch gänzlich entfällt, amortisiert sich der Aufpreis innerhalb kurzer Zeit.