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ES-Prävention: «Nie wieder!»
Im August 2005 setzte die Emme das Schachenquartier von Bätterkinden unter Wasser. Die Zeit im Ausnahmezustand setzte Ruth und Urs Siegenthaler zu. Um so etwas nicht nochmals erleben zu müssen, ergriff das Ehepaar Schutzmassnahmen für sein Einfamilienhaus.
(mei) Gepflegt und liebevoll dekoriert – so präsentieren sich Garten und Haus von Ruth und Urs Siegenthaler an der Schachenstrasse in Bätterkinden. Auf den ersten Blick deutet nichts darauf hin, dass es hier vor wenigen Jahren «Land unter» hiess. Doch als die beiden von dieser Zeit erzählen, wird deutlich, wie belastend für sie diese Erinnerung immer noch ist. «Spät abends am 21. August 2005 hörte ich den Knall, den ich noch aus meiner Kindheit kannte», sagt Ruth Siegenthaler. Der Knall, das ist das laute Geräusch, welches das Anlaufen der Emme ankündigt. «Das Wasser kam so schnell, dass kaum noch Zeit zum Handeln blieb», erinnert sie sich. Innert kurzer Zeit waren nicht nur der Garten überschwemmt, sondern auch der Keller bis zur Decke gefüllt. Selbst im Parterre stand das Wasser bis zu fünf cm hoch.
Die nächsten Monate verbrachten Ruth und Urs Siegenthaler mit viel Aufräum- und Putzarbeit. «Am schlimmsten war der Verlust der immateriellen Werte», ist sich das Ehepaar einig. Etwa des Klaviers, das Ruth Siegenthaler seit ihrer Kindheit besass und auf dem ihre Kinder spielen lernten. Oder der Unterrichtsmaterialien der ehemaligen Religionslehrerin, die von einem langen Arbeitsleben zeugten. Daneben wissen die beiden jedoch auch Anekdotisches zu berichten: «Als die Leute vom Zivilschutz unsere Weinflaschen zum Reinigen abspritzen, ging auch das verloren, was von den Etiketten noch übrig gewesen war. In der Folge wussten wir nicht, welchen Wein wir jeweils öffneten». Um die Erlebnisse besser verarbeiten zu können, schrieb Ruth Siegenthaler ihre Erinnerungen in einer Mundarterzählung nieder.
Schwachstellen entschärfen

Als der letzte Handwerker kurz vor Weihnachten das Haus verliess, wusste Urs Siegenthaler, dass er eine solche Zeit «nie wieder» erleben wollte. Da er die Schwachstellen des Gebäudes kannte, durch die das Wasser ins Haus gelangt war, beauftragte er den örtlichen Baumeister mit der Ausführung einfacher
Schutzmassnahmen. Das Kellerfenster, das durch die Wassermassen eingedrückt worden war, liess Siegenthaler zumauern. Bei einem zweiten Kellerfenster, zu dem hin ein Bord abfiel, erfolgte eine Einebnung des Geländes auf Parterrehöhe. Zusätzlich wurde das Gelände mit einer Schutzmauer versehen. Auch die Kellertreppe wurde mit einer Schutzmauer gesichert.
Überdies sorgen je ein Holzschieber oben an der Treppe sowie bei der Kellertür für einen zusätzlichen Schutz. All diese Massnahmen kosteten um die 25'000 Franken, wovon ein Teil von der
Bernischen Stiftung zur Prävention von Gebäudeschäden übernommen wurde. Nicht eingerechnet ist dabei der Ersatz der Heizung: Da die
Ölzentralheizung im Keller durch die
Überschwemmung zerstört wurde, nutzte das Ehepaar die Gelegenheit, um auf eine
Luft-Wärmepumpe umzusteigen – die überdies den Vorteil hat, dass sie nicht im Keller, sondern draussen steht und deshalb im Falle einer weiteren Überschwemmung besser geschützt ist.
Bewährungsprobe teilweise bestanden

Als 2007, zwei Jahre nach dem vermeintlichen Jahrhunderthochwasser, das Schachenquartier wieder überschwemmt wurde, waren Siegenthalers gewappnet. Obwohl das Wasser im Garten noch höher stand als bei der ersten Überschwemmung, konnten die ergriffenen Massnahmen das Schlimmste verhindern. Im Keller stand das Wasser nur noch einen Meter hoch, das Parterre blieb sogar ganz trocken. Dafür wurde eine weitere Schwachstelle am Einfamilienhaus offensichtlich: Durch die ebenerdige Öffnung für die Zuluft zum Cheminée drang Wasser ein. Urs Siegenthaler liess deshalb die Öffnung erhöhen. Um für eine nochmalige Überschwemmung gerüstet zu sein, besorgte er sich zudem eine Pumpe und einen Stromgenerator. Ruth Siegenthaler setzte sich zudem für eine Erhöhung des Dammes ein, der ihr Grundstück von einem Kanal trennt, der weiter unten in die Emme einmündet. Die Aufstockung des Dammes wurde in der Folge durchgeführt. Seither ist es vorbei mit der schönen Aussicht auf den Kanal, welche das Ehepaar einst von seinem Garten aus genoss. Dafür sind Siegenthalers der Erfüllung ihres Wunsches, von weiteren
Überschwemmungen verschont zu bleiben, ein weiteres Stück näher gekommen.
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Text und Bilder: hausinfo
Letzte Aktualisierung:
17.08.2011