Hagelereignisse nehmen deutlich zu. Ein Produkteregister für widerstandsfähige Baumaterialien soll dem Gebäudebesitzer helfen, grosse Schäden zu verhindern.

(knü) Der Klimawandel bringt vieles durcheinander. Speziell in der Deutschschweiz muss mit häufigeren und heftigeren
Hagelereignissen gerechnet werden. Bereits jetzt haben die kantonalen Gebäudeversicherer für Schäden an Ackerkulturen, Autos und Gebäuden aufzukommen, die jedes Jahr bis zu 100 Millionen Franken betragen. Das unberechenbare Wetter ist nur das eine. Auch die moderne Bauweise trägt ihren Teil dazu bei: Verglaste
Fassaden,
Sonnenkollektoren und Bauteile aus Metall oder Kunststoff sind besonders verletzlich. Zu denjenigen Materialien, die den harten Eiskörnern bisweilen wenig entgegenzusetzen haben, gehören ebenso verputzte Wände,
Flachdächer und leichte
Sonnenschutzelemente.
Stoss- und schlagfeste Gläser Ein grosser Teil dieser Schäden könnte verhindert werden, ist Pius Hunold von Eternit Schweiz AG überzeugt. Denn: «Ein Dach hat eine Nutzdauer von mindestens 40 Jahren», sagt Hunold. Baumaterialien sollten deshalb so gewählt werden, dass sie auch starkem Hagel standhalten. «Sonst überlebt ein Dach nicht einmal die Hälfte seiner vorgesehenen Nutzzeit.»
Bei Neubauten und Renovationen auf eine hagelfeste
Gebäudehülle zu achten, ist ebenso für Olivier Lateltin, Geschäftsbereichsleiter Elementarschaden-Prävention der VKF, wichtig. Die Vereinigung kantonaler Gebäudeversicherungen (VKF) arbeitet daran, Bauteile und Materialien nach ihrer Hagelfestigkeit zu beurteilen. Zum Beispiel Wintergärten und
Dachverglasungen: Diese sind zwar besonders anfällig, dank so genannten Einscheiben-Sicherheitsgläsern (ESG) können sie vor mechanischen Einwirkungen aber geschützt werden.
Register für widerstandsfähige Materialien Ein neuartiges Serviceangebot soll Hauseigentümern und Planern helfen, sich besser zurechtfinden. Der Gebäudeversicherungsdachverband hat die Webseite Hagelregister.ch aufgeschaltet, auf welcher die Hagelwiderstandfähigkeit von Produkten verschiedener Hersteller deklariert werden. Die Angaben über den Hagelwiderstand beziehen sich auf Tests der eidgenössischen Materialprüfungsanstalt (Empa), mit welchen vor wenigen Jahren begonnen wurde. Auch die Firma Eternit hat ihre Dach- und Fassadensysteme aus Faserzement prüfen lassen. «Sämtliche Platten hielten Hagelkörnern mit 40 und 50 Millimeter Durchmesser stand», sagt Hunold.
Das VKF-Elementarschutzregister Hagel definiert fünf Hagelwiderstandsklassen (HW). Die Einstufung erfolgt von 1 (sehr schwach) bis 5 (sehr hoher Widerstand) und bezieht sich auf die Grösse eines Hagelkorns, bei welcher ein Bauelement schadlos bleibt. Zu den schwächsten Materialien gehören Rollladen und Raffstoren. Nicht hochgezogene
Lamellenstoren werden schon bei geringen Hagelkorngrössen beschädigt, während ein Dach aus dicken Faserzementplatten auch noch sehr grossem Hagel standhält. Eine hagelfeste Sonnenschutzvariante bieten dagegen Läden aus Holz oder Metall.
Häufig sichtbare Spuren Bei Kunststoffen nimmt der Hagelwiderstand mit zunehmender Alterung ab. Blechfassungen auf dem
Dach und Holzfassaden sind zwar weitgehend immun gegen Hagel. Die Eiskörner hinterlassen jedoch Dellen oder andere sichtbare Spuren, die von Hauseigentümern nicht gerne gesehen werden. Bislang listet das Hagelregister Produkte auf, die für Dach oder Wand benötigt werden: Neben Eternit- und Kunststoffplatten sind es Tonziegel, Gläser und Dämmputze. Weitere Materialien kommen demnächst dazu. Das Suchangebot der Gebäudeversicherer soll auch Sonnenkollektoren, Sonnenstoren und weitere Fassadenbauteile umfassen. «2010 wird offiziell gestartet», so VKF-Bereichsleiter Lateltin.
«Das Hagelregister ist vorläufig als freiwillige Informationsplattform gedacht», sagt Olivier Lateltin von der Vereinigung der kantonalen Gebäudeversicherungen. Doch geplant ist, die Materialtests für verbindliche Empfehlungen zu nutzen. In etwa drei Jahren wollen die kantonalen Gebäudeversicherer soweit sein, dass Hauseigentümer beim Beheben von Hagelschäden den Katalog zu berücksichtigen haben und widerstandsfähige Baumaterialien mit geringeren Prämien belohnt werden könnten.
Text: hausinfo
Bild: ImagePoint (Rüdiger Rebmann)