Als Folge der Klimaveränderung gibt es mehr und heftigere Unwetter – und damit mehr Schäden. Das bringt das heutige System der Gebäudeversicherung in Gefahr. Wie geht die Gebäudeversicherung Bern mit diesen Herausforderungen um?

(pd/msm) 2008 versicherte die
Gebäudeversicherung Bern (GVB) Häuser im Wert von 305 Milliarden Franken gegen Feuer- und Elementarschäden (Schäden durch
Stürme,
Überschwemmung,
Hagel,
Erdrutsche etc.). Die GVB ist ein Traditionsunternehmen: Bereits seit 1807 tragen die Hauseigentümer im Kanton Bern solidarisch das Schadenrisiko. Und sie profitieren von Leistungen wie unbeschränkter Deckung und vergleichsweise günstigen Prämien. In 19 Kantonen – darunter Bern – ist die Gebäudeversicherung obligatorisch und wird nur von der kantonalen Gebäudeversicherung angeboten.
Die Grundlagen wie z.B. das Gebäudeversicherungsmonopol und der Auftrag für die Geschäftstätigkeit der GVB sind im Gebäudeversicherungsgesetz festgelegt. So ist die GVB verpflichtet, alle Gebäude im Kantonsgebiet zu versichern und für die Wahrung der Brandsicherheit und die Prävention von
Feuer- und
Elementarschäden zu sorgen. Nach dem Prinzip «sichern und versichern» gehört die Prävention also zum Kerngeschäft. Schäden mit vorsorgenden Massnahmen zu vermindern oder gar zu verhindern, kommt in den meisten Fällen günstiger als die Schäden zu beheben. Die Gebäudeversicherung Bern investiert daher in Prävention und Intervention (Feuerwehr) jährlich rund 30 Millionen Franken. Zudem rief sie das Nationale Klimaforum ins Leben, gründete die
Bernische Stiftung zur Prävention von Gebäudeschäden, ist Initiantin des schweizweiten
Wetter-Alarms mit Warnungen per SMS und bietet kostenlose individuelle Objektschutz-Beratung für Hauseigentümer an.
Das System der kantonalen Gebäudeversicherungen hat sich bewährt, heisst es bei der GVB. Studien zeigten, dass die so organisierten Unternehmen 30 bis 50 % günstiger seien als die Gebäudeversicherungen in Kantonen, die kein Monopol kennen.
Doch die günstigen Prämien sind in Gefahr: In den vergangenen Jahren nahmen die Schäden durch Elementarereignisse infolge des Klimawandels überproportional zu. Die Schadensumme durch Elementarereignisse betrug bei der GVB in der Zehnjahresperiode 1971 bis 1980 200 Millionen und in den letzten neun Jahren von 2001 bis 2009 bereits 850 Millionen Franken. Allein im Jahr 2007 belief sich die Schadensumme vor allem wegen sieben verheerender Unwetter auf 252 Mio. Franken – dem stehen Prämieneinnahmen von nur 193 Mio Franken gegenüber.
Dies zeigt, welchen Herausforderungen die GVB gegenübersteht. Während die Schäden stark zunehmen, sind die Rahmenbedingungen mit dem Gebäudeversicherungsgesetz gleich wie vor 40 Jahren. Ein Vergleich als Beispiel: In Deutschland wurden in gefährdeten Gebieten Versicherungsleistungen eingeschränkt oder teilweise ganz gestrichen – Leistungen kürzen oder einfach nur Prämien erhöhen will die GVB nicht. Die aktuelle Revision des Gebäudeversicherungsgesetzes soll nun dazu beitragen, das Risiko breiter zu streuen und mehr unternehmerischen Spielraum für die GVB zu schaffen; beispielsweise mit der Möglichkeit, sachnahe Zusatzversicherungen anbieten zu können. Damit sollen die Prämien auch weiterhin möglichst konstant und auf tiefem Niveau gehalten werden können.
Text und Bild: hausinfo