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«Ein Sturm ist pure Physik»

In der kalten Jahreszeit fegen wieder vermehrt starke Winde über unser Land. Weshalb das so ist und andere Fragen zum Thema Sturm beantwortet Christoph Siegrist von SF Meteo. 

Christoph Siegrist von SF Meteo(ted) Herr Siegrist, weshalb treten Stürme bei uns (in unseren Breitengraden) vor allem im Winterhalbjahr auf?
Es gibt die so genannte Polarfront, das ist die Grenze zwischen arktischer Kaltluft und milder Luft aus den Subtropen. An dieser Grenze entstehen die Tiefdruckgebiete. Diese Grenze ist im Sommer nördlich von uns, im Winter ist sie über uns und manchmal sogar südlich von uns. D.h. im Winter ziehen die Tiefdruckgebiete und damit die Stürme in der Nähe von uns durch.

Ab welcher Geschwindigkeit wird Wind als Sturm bezeichnet? Und ab wann sind Schäden an Gebäuden und Umwelt zu erwarten?
In der Meteorologie bezeichnet man einen Wind mit einer mittleren Windstärke ab 75 km/h als Sturm. Bereits ab einer mittleren Windgeschwindigkeit von 65 km/h können z.B. kleinere Äste abgebrochen werden. Schäden entstehen aber nicht nur durch den mittleren Wind sondern auch durch Böen. Ab wann Schäden an Gebäuden entstehen, hängt natürlich von der Bauweise ab. In der Regel ist ab Böenspitzen von 100 km/h mit ersten Schäden zu rechnen.

Wie entsteht ein Sturm (meteorologische Erklärung)?
Ein Sturm ist ein Wind und Wind ist bewegte Luft. Damit sich Luft bewegt, braucht es einen Druckunterschied, also ein Hoch und ein Tief. Die Luft versucht diesen Unterschied immer auszugleichen, indem die Luft vom Hoch zum Tief fliesst. Je grösser nun der Druckunterschied, desto stärker der Wind. Auf den Wetterkarten wird der Druck mit Isobaren (Linien gleichen Luftdrucks) dargestellt. Je näher diese Isobaren zusammen sind, desto grösser der Druckunterschied und desto stärker der Wind.

Auch nach zehn Jahren sind die Folgen von Lothar vor allem in den betroffenen Wäldern noch gut sichtbar. Hat man aus diesem Ereignis etwas lernen können?
Zehn Jahre sind eine lange Zeit in der Entwicklung der Meteorologie und der Prognosemodelle. Die heutigen Prognosemodelle lassen sich nur schwer mit den damaligen vergleichen, da sind inzwischen ganz viele Forschungsergebnisse eingeflossen, unter anderen auch jene aus der Analyse von Lothar. Und im Warnwesen hat sich auch viel verändert: Zu Zeiten von Lothar hatten wir ausserhalb der Sendezeiten der Wettersendungen keine Möglichkeit, an die Bevölkerung zu gelangen. Heute haben wir mit Wetteralarm ein effektives Instrument für die Warnung.

Als Folge des Klimawandels werden in Zukunft mehr und heftigere Elementarereignisse auf uns zukommen. Müssen wir vermehrt auch mit starken Stürmen rechnen?  
Da gibt es keine eindeutige Antwort: Einerseits werden die Stürme durch den Klimawandel zwar stärker, aber die Zugbahn der Sturmtiefs verschiebt sich etwas weiter in den Norden. Wir erleben in der Schweiz damit seltener Stürme, aber wenn einer kommt, ist er heftiger.

Was raten Sie Menschen, die unterwegs sind, wenn ein Sturmwind aufkommt?
Die grösste Gefahr geht von umstürzenden Bäumen, herunterfallenden Ästen oder umher wirbelnden Gegenständen aus. Daher: Schutz in Gebäuden suchen. Wenn man im freien Gelände überrascht wird, sollte man in Mulden Schutz suchen und wichtig: Raus aus dem Wald.

Was bedeutet das für Sie, wenn die Satellitenbilder das Aufkommen eines Sturmes ankündigen?
Das gibt einen schönen Kick. Endlich kann man das anwenden, was man in der Ausbildung gelernt hat. Ein Sturm ist pure Physik. Und wenn man dann das Sturmsystem verstanden hat und weiss, wie es sich entwickeln wird, geht es an die Warnung. Wenn der Sturm schliesslich über uns fegt, beginnt bereits die Nachbearbeitung: Medienanfragen müssen beantwortet werden, Einschätzungen werden gemacht, Vergleiche auch zu anderen Stürmen gezogen. Und am Tag danach folgt noch die Analyse. Aus jedem Unwetterereignis wollen wir auch Lehren ziehen für spätere Ereignisse.

So schützen Sie sich und Ihr Haus:
Vor dem Sturm
  • Fenster und Fensterläden schliessen
  • Storen ein- oder hochziehen
  • Gartenmöbel anbinden oder ins Haus nehmen
  • Blumentöpfe ins Haus stellen
  • lose Gegenstände (z.B. Velos, Gartenutensilien, Abfallsäcke) ins Haus, in die Garage oder in einen anderen geschützten Bereich stellen
Während dem Sturm
  • im Haus bleiben
  • keine Reparaturen während des Sturms vornehmen
  • Bäume und Wälder meiden (auch nach dem Sturm)
Nach dem Sturm
Überprüfen Sie Ihr Gebäude mindestens einmal pro Jahr bzw. nach einem Sturm auf allfällige Schäden. So beugen Sie auch zukünftigen Sturmschäden an Ihrem Eigenheim vor.
  • Befestigung der Antenne, Solaranlage und Satellitenschüssel, Stabilität von Vordächern und Vorbauten überprüfen
  • Kamin periodisch (mindestens alle zwei Jahre) durch den Kreiskaminfeger kontrollieren lassen 
  • Abgelöste Putzschichten an Fassaden flicken, beschädigte Verkleidungen und Befestigungen ersetzen lassen 
  • Die Befestigungen von Storen und Läden überprüfen sowie alte und spröde Materialien (Stoffe, Lamellen) ersetzen lassen
  • Den Baumbestand in der näheren Umgebung Ihres Hauses überprüfen, Bäume und Äste zurückschneiden lassen, schadhafte oder abgestorbene Äste oder Bäume entfernen



Text: hausinfo und Kommission für Elementarschäden der Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen
Bild: zvg

Datum: 23.05.2012
Letzte Aktualisierung: 17.08.2011
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