Möbelmesse Mailand 2010: Retro ist in

Möbelmesse Mailand 2010: Retro ist in

Die diesjährige Mailänder Möbelmesse spielt wieder mit Farben und Formen. 2010 besonders angesagt sind Retro-Look, erdnahe Töne und ausladende Sessel.

«Suita» von Vitra(mei) Agieren oder reagieren, das ist die derzeit wichtigste Frage der Hersteller von Designmöbeln. Von beidem ein bisschen, scheint die Devise zu lauten. So paart sich Orientierung an bewährten Formen mit Innovationen im Materialbereich, und die in Zeiten der Krise vollzogene Rückbesinnung auf einfache Linien und die alten Werte der Handwerkskunst weichen zuweilen bereits einer grossen Portion Verspieltheit.


«Kloss» von FornasarigFarbe bekennen allerdings die wenigsten Stücke: Hinlänglich von den Sofalandschaften der letzten Jahre bekannte Erdtöne in Braun und Grau machen dieses Jahr das Rennen. Und wenns mal ein wenig bunter sein darf, dann feiern die Orange- und Grüntöne der 70er-Jahre ein Revival. Was – wie der Sessel «Kloss» von Fornasarig exemplarisch beweist – besser aussieht, als es klingt.


«Klara» von Moroso, «Network» von Arco, «Boarding» von LapalmaTraditionell elegant
Wie Produkte von 2010 wirken sie nicht, die neuen Möbel der Stardesigner. Das von Antonio Citterio für Vitra entworfene Sofa «Suita», was auf Rätoromanisch so viel wie Suite oder Ensemble heisst, erinnert an das vom Dänen Finn Juhl im Jahre 1951 konzipierte Sofa «Baker». Das sichtbar gelassene Untergestell der Sofa-Familie vermittelt einen Hauch von Leichtigkeit, der auch der mit Textil oder Leder bezogene Korpus mit seiner gurtbespannten Stahlkonstruktion nichts anhaben kann. Auch Morosos Holzstuhl «Klara», der auf Patricia Urquiola zurückgeht, verdankt die Eleganz seiner runden Formen nicht zuletzt bewährten Vorgängern: Die Struktur des Stuhls mit seiner klaren, einfachen Ästhetik scheint den Anfängen des 20. Jahrhunderts entlehnt.

Doch nicht alles, was sich in den dem diesjährigen Retro-Look eigenen Grau- und Brauntönen zeigt, basiert auf Altbewährtem. Die Innovation aus dem Haus Arco etwa, ein in der Autoindustrie und in der medizinischen Pflege eingesetzter Stoff, der das Markenzeichen des Stuhls «Network» von Bertjan Pot bildet, setzt ebenfalls auf die derzeit angesagte farbliche Zurückhaltung. Der Stoff vereint die klassische Innenauskleidung aus Schaum und einen Bezug aus Leder oder Textil. Diese Konstruktion erlaubt eine effizientere Herstellung und eine bessere Recycelbarkeit. Der Einfachheit verschrieben hat sich auch das erste Sofa des italienischen Herstellers Lapalma, für das Patrick Norguet verantwortlich zeigte: «Boarding» ist mit feuerfestem Schaum ausgestattet und gibt sich zumindest farblich ganz erdnah. 


Einladend ausladend

«Antoinette» von Blå Station, «Paper Planes» von Moroso, «EC03 Eugene» von E15
Schlicht pompös und seinem Namen alle Ehre machend erweist sich der Sessel «Antoinette» von Blå Station, den Cate & Nelson entworfen haben. Er eignet sich als Raumteiler ebenso wie als Oase der Ruhe. Seine korsettartige Struktur ist mit einem durchschimmernden Stoff überzogen, der durch einen Gürtel zusammengehalten wird. Und falls «Antoinette» dann doch zu mächtig erscheint, lässt sie sich ganz einfach auseinander nehmen und beiseite stellen. Ein glänzender Stoff ist auch die Besonderheit des Sessels «Paper Planes» von Moroso. Der Glanzeffekt geht auf eine Reihe von Swarovski Kristallen zurück, welche auf den feinen schwarzen und weissen Linien des Stoffes angebracht sind und zu funkeln beginnen, wenn Licht auf sie fällt. Entworfen wurde der Sessel von Nipa Doshi und Jonathan Levien. Der aus Schichtholz gefertigte Sessel «EC03 Eugene» von E15, der Formelemente des Stuhls «CH04 Houdini» aufnimmt, ist vor allem eines: grosszügig dimensioniert. Trotz seiner hohen Rückenlehne und seinem breiten Sitz wirkt der Sessel jedoch erstaunlich leicht. Auffällig ist auch sein Komfort, denn «EC03 Eugene» ist – für einen Sessel unüblich – auch ohne Polsterung erhältlich. 


Praktisch verspielt

«Strip» von Karl Andersson & Söner, «Aster» von Zanotta, «Hook me up» von Fredericia
Den Kleiderständer «Strip» von Karl Andersson & Söner hat der Designer Ulf N. Jevin aus ganz praktischen Gründen entworfen: Er brauchte bei sich mehr Platz. Wird der Kleiderständer nicht benutzt, nimmt er denn auch fast keinen Raum ein. Erhältlich ist er in einer Version für Wandmontage und freistehend sowie in den Farben Schwarz und Weiss. Bewusst mehr Raum beansprucht sein Pendant «Aster» aus dem Haus Zanotta, den Alessandro Dubini konzipiert hat. Ihm schwebte eine zarte Struktur vor, die auch für sich alleine stehen kann. Noch auffälliger gibt sich der Kleiderbügel «Hook me up», der aus einer Zusammenarbeit des dänischen Designstudios Furnid mit dem ebenfalls in Dänemark ansässigen Hersteller Fredericia entstand. Der Kleiderbügel besteht aus einem einzelnen Element, das beliebig oft wiederholt und damit zu einer Kette gebildet werden kann, wobei der Boden frei gehalten wird. Seiner Einfachheit zum Trotz erzielt es aufgrund seiner auffälligen Form dennoch eine starke Wirkung im Raum.

Wettbewerb «Retro-Revival» 
Haben Sie vielleicht ein original Möbelstück aus den 70ern bei sich zu Hause stehen? Dann können Sie sich glücklich schätzen, denn mit etwas Glück gewinnen Sie damit einen Einkaufsgutschein von Ikea im Wert von 100 Franken und erhalten erst noch Einrichtungstipps eines Wohnexperten.

Und so einfach sind Sie dabei: Zeigen Sie uns ein Bild Ihres Retro-Stückes im Hausinfo-Forum oder auf www.facebook.com (Fangruppe "Unzertrennlich"). Ein Experte wählt drei Objekte aus und gibt Tipps, wie Sie Ihr Retro-Möbel am besten in Szene setzen. Teilnahmeschluss ist der 31. Mai 2010. Der Beitrag mit den Einrichtungstipps und den Gewinner-Möbeln wird Anfang Juli im Hausinfo-Newsletter veröffentlicht.  



Text: hausinfo
Bilder: zvg

Aktuell im Forum diskutiert
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Letzte Aktualisierung: 05.05.2010