Möbelmesse imm cologne 2010: Bekenntnis zur Qualität

Möbelmesse imm cologne 2010: Bekenntnis zur Qualität

An der imm cologne 2010 war vor allem eines zu sehen: Eine Rückbesinnung auf den ureigenen Wert der Handwerkskunst.

(mei) Die imm cologne ging mit einer positiven Bilanz zu Ende: Trotz der Verkürzung der Ausstellungsdauer um einen Tag besuchten wiederum gut 100'000 Besucherinnen und Besucher die Leitmesse der deutschen Möbelindustrie. «Die Aussteller haben sich mit ihrer Innovationskraft gegen die Krise gestemmt. Dafür sind sie mit guten Geschäften belohnt worden», sagt Gerald Böse, Vorsitzender der Geschäftsführung der Koelnmesse. Auf der Ausstellerseite verzeichnete die Messe mit 1053 Ausstellern sogar einen Zuwachs um rund ein Prozent. 


«At-At Walker» von LifegoodsSpiel mit Funktionen
Dass die imm cologne neue Wege geht, zeigten vier Installationen der Designerinnen Johanna Grawunder und Cecilie Manz, mit denen sie die Einrichtungstrends des Jahres umsetzten. Drei davon stellten eine Besinnung auf eher traditionelle Werte dar: «Discipline», das auf Nachhaltigkeit und Beständigkeit fokussiert, das puristische «Rehab» sowie «Comfort Zone», ein rustikal angehauchter Stil mit hohem Bequemlichkeitsfaktor. Verspielt ist einzig «Trickery», das die Doppelbödigkeit des Designs mit mehr Schein als Sein und hybriden Funktionen aufzeigt.

Ein Beispiel für den letztgenannten Trend ist die hochbeinige Stehleuchte «At-At Walker» von Lifegoods, die ein bisschen Salvador Dalí, ein bisschen Kommode und sehr viel Licht bietet. Hinter dem Label stecken drei Designer aus Lausanne, die eine Leuchte im Stile eines Holzmöbels kreieren wollten, mit dessen Limitationen sie gleichzeitig spielten. Für ihre Experimentierfreude wurden die Designer mit einer Nomination für den [D³] Contest The Young Designers Competition der imm cologne belohnt. 


«Ted» von Ligne RosetAuszumachen waren in den Installationen der beiden Designerinnen allerdings weniger wirklich neue Trends – so ist etwa der Rückzug in die Komfortzone des eigenen Daheims seit Jahren ein Thema und hat die Begriffe «Homing» und «Cocooning» geprägt – als vielmehr eine Unsicherheit des Lebensgefühls, auf welches die Designbranche unterschiedlich reagiert. Einigkeit herrscht einzig beim Qualitätsanspruch, bei dem in keinem der vier Einrichtungsstile Abstriche gemacht werden. Solide Handwerkskunst, verbunden mit hochwertigen Materialien, prägt die Neuigkeiten, die an der imm cologne präsentiert wurden. Dies trifft insbesondere auf die neuen Sofas zu, die überdies mit einer eigenständigen Formsprache auffallen.

Ein überzeugendes Beispiel stammt aus dem Hause Ligne Roset, für das Peter Maly vor 25 Jahren das erste Sofa mit herausnehm- und verstellbaren Rücken- und Armlehnen und damit komplett veränderbarer Geometrie schuf. Zum 150-jährigen Firmenjubiläum hat Ligne Roset Peter Maly wiederum mit dem Entwurf eines Sofas betraut: Das Ergebnis ist «Ted», ein Sofa, das die Multifunktionalität seines Ur-Vorgängers neu interpretiert. Der gelungene Remix wurde in Köln mit einem Interior Innovation Award ausgezeichnet. 


«Container System» von Cappellini«Container System» von Cappellini
Stauraum in allen Varianten bietet das «Container System» des italienischen Herstellers Cappellini, das in 40 Farben und verschiedenen Höhen, Breiten und Tiefen sowie mit drei unterschiedlichen Türmodellen erhältlich ist. Besonders im Trend liegt derzeit die Ausführung in einem eher zurückhaltenden Grün, der dominanten Farbe an der imm cologne. Bei so viel Wahlmöglichkeiten eignet sich das «Container System» gleichermassen für den Schlaf-, Wohn- und Bürobereich. 


«Flip Kingsize» von Seefelder«Flip Kingsize» von Seefelder
Eine Schaukelliege für zwei Personen: «Flip Kingsize» ist mit einer Breite von 105 cm die XXL-Version der mehrfach ausgezeichneten Liege «Flip» der Seefelder Möbelwerkstätten. Komplett abziehbar und mit einem mobilen Kopfkissen sowie aus Wasser abweisenden Materialien ausgestattet, eignet sich «Flip Kingsize» für drinnen und draussen. 


«Bellows Collection» von Walter Knoll«Bellows Collection» von Walter Knoll
Leder in weichen Falten: So präsentiert sich die von Toan Nguyen entworfene «Bellows Collection» von Walter Knoll. Die Kollektion, bestehend aus Hocker und Beistelltisch, ist mit nur einer Handbewegung höhenverstellbar – und schon streckt sich das Leder. Der Auslöser für die Höhenverstellung steckt ringförmig verborgen im Sitz. 


«Warp» von Kieser Spath«Warp» von Kieser Spath
Eine Spiegeltisch-Serie, für die Star Trek Pate stand: «Warp» steht für die Geschwindigkeitseinheit dieser Science-Fiction-Serien. Erreicht wird die Geschwindigkeit mit Hilfe einer Krümmung des Raums. Gewölbt ist bei «Warp» von Kieser Spath hingegen nur ein Spiegel unterhalb der gläsernen Tischplatte. Die ungewöhnlichen Perspektiven, welche so hervorgerufen werden, bilden einen Kontrast zur einfachen Gestaltung mit Esche, Stahl, Glas und Spiegelglas. 


«Eve» von Cassina«Eve» von Cassina
Piero Lissoni hat letztes Jahr für Cassina einen Stuhl in zwei Ausführungen geschaffen: in der Holzvariante wirkt «Eve» wärmer, mit einem Gestell aus Aluminium-Gusslegierung (wie im Bild) eignet er sich auch für Arbeitsräume. In beiden Fällen sind bei «Eve» Sitzfläche und Rückenlehne aus Leder gefertigt. Dank Details wie der abgerundeten Form des Sitzflächenvorderteils, welche den Stuhl sehr bequem machen, wurde «Eve» an der imm cologne mit einem Interior Innovation Award ausgezeichnet.


«Siluet» von Stephanie Estoppey«Siluet» von Stephanie Estoppey
Wohin mit der getragenen Kleidung? Die Schweizer Jungdesignerin Stephanie Estoppey hat mit «Siluet» die Antwort gefunden: In ihrem Aufbewahrungsmöbel, das ein wenig an eine Garderobe erinnert, stehen verschieden hohe, kleiderbügelähnliche Körper, auf welche die Kleidung nach dem Tragen gehängt werden kann. Und wer es noch aufgeräumter mag, entsorgt die Wäsche im abnehmbaren Wäschesack, der als Zusatzelement fungiert. Estoppey war mit «Siluet» 2009 bereits für den Berner Design Award BEDA nominiert und schaffte es dieses Jahr in den [D³] Contest The Young Designers Competition der imm cologne. 


Text: hausinfo
Bilder: zvg, T. Ambrosetti / Ormond Editions

Letzte Aktualisierung: 03.02.2010