Inneneinrichtung: Vorhänge
Vom Staubfänger zum Tüpfchen auf dem i: Vorhänge machen eine Einrichtung erst komplett.

(mei) Wer mag sich nicht mit einem Schaudern daran erinnern: Mehr oder weniger weisse Vorhänge schützten tagsüber vor neugierigen Blicken, während einem abends blickdichte Stoffe jede Sicht nach draussen wie drinnen verweigerten. Tempi passati heisst es glücklicherweise für diese Art von Einrichtung. Wer nun aber als Folge solcher Erinnerungen ganz auf Vorhänge verzichten will, läuft Gefahr, das Kind mit dem Bade auszuschütten. Denn so richtig wohnlich ist eine Einrichtung erst mit diesen textilen Schmeichlern. Gerade wenn es draussen dunkel ist, wirken Fenster je nach Grösse und Ausblick ansonsten gerne wie «schwarze Löcher», meint die auf Farbgestaltung spezialisierte Innenarchitektin Lisa Freiburghaus von Colorisa: «Vorhänge lassen einen Raum weicher scheinen.» Die Vorzüge von Vorhängen sind allerdings nicht auf ästhetische Gesichtspunkte beschränkt: Je nach Material können sie zudem die Raumakustik positiv beeinflussen und, durch die Reflektion des Sonnenlichts, als Blendschutz fungieren.
Wissen, was man will
Bei der Suche nach dem passenden Stoff hat man die Qual der Wahl: Allein der Showroom des Langenthaler Textilunternehmens Création Baumann umfasst ca. 600 verschiedene Stoffe in zig Farben. Wer sich nicht stundenlang in den Farben und Mustern der Stoffe verlustieren will, nur um sich angesichts der Fülle an Materialien dann doch nicht entscheiden zu können, sollte deshalb schon vor einem Besuch in einem Showroom eine gute Ahnung davon haben, wonach er oder sie Ausschau halten will. Auch der Beizug einer Fachperson kann sinnvoll sein. «Ich treffe für meine Kunden jeweils eine Vorauswahl an einigen Stoffen, die alle passen würden. So brauchen sie sich dann nur noch für denjenigen zu entscheiden, der ihnen am meisten zusagt», meint Freiburghaus.
Last but not least
Wichtig ist der richtige Zeitpunkt bei der Auswahl von Vorhangstoffen. Erst nachdem Boden, verbaute Materialien wie Küchenfronten oder Plättli sowie Wandfarben und Möbel bestimmt sind, ist die Reihe an den Vorhängen. Freiburghaus empfiehlt sogar, erst eine Weile im neuen Heim zu wohnen und dann erst die Vorhänge auszusuchen. Diese müssen nämlich alles Mögliche leisten: Sie sollten die Tonalität von warm/kalt aufnehmen, auf die bereits vorhandenen Farben abgestimmt sein, eine Verbindung zum Architekturstil schaffen und natürlich auch zu den Menschen passen. Sinnvollerweise wählt man für alle Räume pro Fassadenseite einen einzigen Stoff mit allenfalls verschiedenen Farbtönen: «Vorhänge sind von aussen sichtbar und sollten deshalb ein einheitliches Bild abgeben», rät Freiburghaus.
Erst testen, dann kaufen
Ein geschultes Auge trägt dazu bei, Fehlkäufe zu vermeiden. Ein neutrales Weiss beispielsweise kann je nach Licht und Sonneneinstrahlung plötzlich farbig scheinen und etwa einen Zug ins Grünliche oder Gelbliche annehmen. Um solch unangenehme Überraschungen zu vermeiden, empfiehlt Freiburghaus ihren Kunden deshalb stets, einen Musterstoff in voller Grösse einige Tage bei sich zu Hause aufzuhängen und ihn bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen und zu unterschiedlichen Tageszeiten auf sich wirken zu lassen. «Gerade bei Kunstlicht kann ein Stoff wieder ganz anders aussehen», weiss die Innenarchitektin.
Genügend Stoff einplanen
Entscheidend für eine lange Freude an Vorhängen ist die Wahl der richtigen Vorhanglänge: Einen halben bis zwei Zentimeter über den Boden sollte sie reichen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass selbst Stoffe von hoher Qualität beim ersten Waschgang um mindestens einen bis zwei Zentimeter eingehen. Wer dies nicht einplant, wird nach der ersten Reinigung mit einer Art Hochwasservorhang beglückt. Wird der Vorhang selbst genäht, ist es deshalb ratsam, sich nach dem Ausmass des Eingehens zu erkundigen und dies entsprechend zu berücksichtigen. Wer den Vorhang hingegen nähen lässt, braucht sich keine solchen Sorgen zu machen: Näherinnen waschen den Stoff vorher. Bei guter Pflege und maximal einem Waschgang pro Jahr halten Vorhänge gut sieben Jahre oder noch länger. Da ihre Kosten bei guter Qualität schnell auf 1000 Franken pro Fenster oder mehr zu stehen kommen, sollte dies auch selbstverständlich sein.
Trendige Grau- und Pudertöne

2010 im Trend liegen zarte
Farben in Grau- und Pastelltönen, vor allem Rosa und Lila. «Die Farben werden mit Weiss gebrochen und erinnern an Lipgloss», sagt Eliane Ernst, Product Manager von Création Baumann. Daneben findet man auch einige stärkere Akzentfarben in Gelb oder Meeresfarben in Grün und Blau. Die Farbe soll dabei stets Beschaffenheit und Struktur des Materials betonen. Der geschlitzte Vorhangstoff «Expanda» von Création Baumann etwa öffnet sich zu einem Netz, wodurch sich ein zufälliges Camouflagemuster ergibt. Unterstützt wird dieser Look durch einen Farbverlauf von Grau zu Weiss. Der in feinen Pudertönen erhältliche Seidenstoff «Palais Royal» von Christian Fischbacher soll hingegen an die Opulenz der Königshöfe erinnern.
Text: hausinfo
Bilder: hausinfo und zvg
Datum:
23.05.2012
Letzte Aktualisierung:
11.01.2012
URL:
http://www.hausinfo.ch/home/de/wohnen/inneneinrichtung/vorhaenge.html