Vor- und Nachteile der variablen Hypothek

Wenn die Zinsen tief sind, schliessen viele Wohneigentümer ihre Hypotheken gerne fest und langfristig ab. Doch es gibt auch gute Gründe, sich nicht festzulegen und eine variable Hypothek abzuschliessen.

Eine variable Hypothek hat keine Laufzeit und ist jederzeit auf den Kündigungstermin kündbar.
Eine variable Hypothek hat keine Laufzeit und ist jederzeit auf den Kündigungstermin kündbar.

(rh) Vor 20 Jahren wurden die meisten Hypotheken in der Schweiz variabel abgeschlossen. In der aktuellen Tiefzinsphase schliessen Herr und Frau Schweizer lieber fest ab, um sich die historisch tiefen Zinsen – im Moment für alle Laufzeiten bis zu zehn Jahren unter 2 % – möglichst lange zu sichern. Trotzdem sind variable Hypotheken nach wie vor sehr beliebt. Warum: Was sind ihre wichtigsten Vor- und Nachteile, für wen eignen sie sich?

Die wichtigsten Vorteile

Wohneigentümer, die eine variable statt einer festen Hypothek abgeschlossen haben, profitieren, wenn die Zinsen an den Geld- und Kapitalmärkten sinken. Ausserdem sind sie flexibel, weil eine variable Hypothek keine Laufzeit hat, jederzeit auf den Kündigungstermin kündbar ist und in eine Festhypothek umgewandelt werden kann. Das ist dann wichtig, wenn der Zinstrend dreht und der Kreditnehmer mit steigenden Zinsen rechnet.

Sichern Sie Ihre Investition sinnvoll ab

infobox_produktewerbung_gvb_terra_haende_mittel

Wer sein ganzes Vermögen in ein Haus anlegt, sollte diese Investition mit einer Erdbebenversicherung sorgfältig absichern.

Mehr erfahren

Die wichtigsten Nachteile

Die Banken passen die Zinsen der variablen Hypotheken den Entwicklungen an den Geld- und Kapitalmärkten an. Und zwar nach unten und nach oben! Der Wohneigentümer muss die Märkte beobachten, um nicht von steigenden Zinsen überrascht zu werden. Das kann schnell gehen. Ein Beispiel: In den 1990er-Jahren verdoppelten sich in Grossbritannien die Hypothekarzinsen in wenigen Monaten, was viele Briten das Dach über dem Kopf gekostet hat – sie mussten ihr Haus oder ihre Wohnung unter Wert verkaufen und der britische Immobilienmarkt brach ein. Ausserdem sind variable Hypotheken teurer als feste. Verhältnismässig gross ist der Aufschlag in Tiefzinsphasen. Bei vielen Banken ist der Zins für variable Hypotheken im Moment doppelt so hoch wie für feste mit zwei oder drei Jahren Laufzeit, selbst zehnjährige Festhypotheken sind günstiger als variable Hypotheken.

Tipp: vorsichtig kalkulieren

Erwarten Sie – oder Ihr Bankberater – konstante oder gar sinkende Zinsen? Wollen Sie Ihr Haus oder Ihre Wohnung in absehbarer Zeit verkaufen. Dann ist die variable Hypothek, trotz ihrer Nachteile, etwas für Sie. Zwei Tipps, wenn Sie sich dafür entscheiden:

  1. Kalkulieren Sie die Tragbarkeit vorsichtig mit 5 % des Kreditbetrages statt mit den momentan tiefen Hypothekarzinsen. Dazu kommen 1 % des Kaufpreises für die Nebenkosten und 1 % für die Amortisation. So haben Sie mehr Luft, falls die Zinsen steigen, und müssen nicht überstürzt reagieren, weil Sie an Ihre finanziellen Grenzen stossen. Die Belastung sollte nicht mehr als einen Drittel Ihres jährlichen Bruttoeinkommens ausmachen.
  2. Informieren Sie sich in den Medien oder bei Ihrem Bankberater regelmässig über die Entwicklung an den Geld- und Kapitalmärkten. Wenn die Zinsen anfangen zu steigen, kündigen Sie die variable Hypothek auf den nächstmöglichen Termin und schliessen eine Festhypothek ab.
Zusätzliche Informationen

ImagePoint (ImagePoint) Artikel drucken