Gemeinschaftliche Wohnformen

Nicht jede Immobilie ist für ein Wohnen im Alter geeignet. Gemeinschaftliche Wohnformen werden zunehmend geschätzt. Auch bestehendes Wohneigentum lässt sich dahingehend weiterentwickeln.

01_kauf_und_verkauf_seniorengerechtes_wohnen_gemeinschaftliche_wohnformen_quer

(knü) Die «Golden Agers» sind auf dem Immobilienmarkt präsent: Das Interesse an neuem Wohneigentum steigt in der zweiten Lebensphase deutlich an. Mittelfristig wächst der Bevölkerungsanteil der über 60-jährigen auf einen Drittel. Und viele Menschen sind nach dem Auszug ihrer Kinder wieder mobil. Da heisst es zum einen, auf die baulichen Voraussetzungen für ein selbstständiges und hindernisfreies Wohnen bis ins hohe Alter zu achten. Zum anderen werden im Alter zunehmend soziale Aspekte und gemeinschaftliche Lebensformen wieder entdeckt. «Befragungen zeigen, dass rund ein Zehntel der älteren Menschen an gemeinschaftlichen Wohnformen interessiert ist», bestätigt Antonia Jann, Geschäftsführerin der Age-Stiftung für gutes Wohnen im Alter. Autonom bleiben und zugleich Teil einer Gemeinschaft sein: Diese beiden Kriterien schliessen sich nicht aus, sondern werden tatsächlich bereits umgesetzt. Als ideal wird etwa «Leben mit Freunden unter einem Dach oder in unmittelbarer Nachbarschaft» genannt, so Jann. Daneben werden eigenständige Wohnformen gewünscht, die bewusst mit partizipativen und gemeinschaftsfördernden Elementen bereichert sind. In Zürich wurde vor drei Jahren eine Hausgemeinschaft «55+» innerhalb einer Genossenschaftssiedlung gegründet. Diese wird seither mit «viel Elan und grosser Zufriedenheit» bewohnt, wie eine Befragung der rund 50 Personen im Frühjahr 2011 ergab.

Nachbarschaftshilfe ist geregelt

Das Zürcher Gemeinschaftsmodell ist auf gegenseitige Unterstützung und auf Bewohnerpflichten angewiesen. Unter anderem sind bis zu vier Stunden pro Woche für Botengänge oder andere Nachbarschaftshilfen vorgesehen. Im Gegenzug erhalten die Bewohner von der Genossenschaft mehrere Gemeinschafts-, Fitness- oder Computerräume zur Verfügung gestellt. Dass ein Leben mit geregelter Nachbarschaftsstruktur auch unter Eigentümern funktionieren kann, wird derweil seit rund einem Jahr in Kreuzlingen erprobt. Neun Wohnparteien haben ein Haus an urbaner und gut erschlossener Lage umgebaut und mit einem Neubau ergänzt; neben den Eigentumswohnungen ist ebenfalls gemeinsam nutzbare Infrastruktur – darunter ein grosser Garten, eine Werkstatt, ein Gästezimmer und ein Mehrzweckraum – eingerichtet worden. Das Alter ist auf «44+» beschränkt und die Kinder müssen zwingend ausgezogen sein. Ein umfangreiches Vertragswerk regelt die Selbstverwaltung in dieser neu gegründeten Stockwerk- und Lebensgemeinschaft, wobei der Unterhalt der Liegenschaft mit Pflichtstunden geregelt wird.

Bestehendes weiterbauen

Das altersgerechte Motto «gemeinsam statt einsam» kann auch im angestammten Umfeld umgesetzt werden. Voraussetzung ist meistens aber, das bestehende Haus- oder Wohneigentum umzubauen und zu erweitern. Gestalterisch sind kreative Ideen gefragt, um zusätzlichen Raum für ein innerfamiliäres generationenübergreifendes Wohnen zu schaffen. Eine anschauliche Auswahl zum «Weiterbauen für Wohneigentum im Alter» hat die freischaffende ETH-Architektin Mariette Beyeler gesammelt: Grosse und kleine Einfamilienhäuser können nach oben oder unten und sogar seitlich ergänzt werden, damit die Kinder mit ihren eigenen Familien wieder in die Nähe der Eltern ziehen können. Technisch, rechtlich oder auch finanziell sind solche Umbauten nicht überall möglich. Doch für Eigenheimbesitzer gilt, sich zum einen frühzeitig und grundsätzlich Gedanken zur Entwicklung des Wohneigentums und der weiteren Lebensplanung zu machen. Zum anderen zeigen die bereits umgesetzten Gemeinschaftslösungen, dass Wohnen im Alter sowohl durch passende Gebäude als auch durch eine flexible ältere Generation ermöglicht wird.

ImagePoint (Rainer Weisflog) Artikel drucken