Hypotheken mit 10 Jahren Laufzeit für unter 1 Prozent

Die Nationalbank hat die Zinsen gesenkt, um Anlagen in Franken weniger attraktiv zu machen. Die Hypothekarzinsen sind historisch tief – und werden wohl noch eine Weile tief bleiben. Wohneigentümer in spe freuen sich, weil sie günstig zu Fremdkapital kommen. Und Wohneigentümer, weil ihr Haus oder ihre Wohnung an Wert gewinnen sollte.

Dank der Aufhebung des Euro-Mindestkurses sparen auch Immobilienbesitzer Geld.
Dank der Aufhebung des Euro-Mindestkurses sparen auch Immobilienbesitzer Geld.

(rh) Den 15. Januar 2015 werden die Devisen-, Aktien- und Obligationenhändler nicht so schnell vergessen. An diesem Donnerstag gab die Schweizerische Nationalbank den Euro-Mindestkurs von 1.20 Franken frei – und der Euro war zeitweise weniger als einen Franken wert. Diese Entscheidung hat Konsequenzen für die Exportwirtschaft und den Tourismus. Schweizer Produkte sind in der Europäischen Union auf einen Schlag einen Fünftel teurer geworden, genauso wie Ferien in der Schweiz für Ausländer. Diese Franken-Aufwertung stellt die Schweiz, die Wirtschaft und die Firmen vor anspruchsvolle Herausforderungen.

Einkaufstouristen und Wohneigentümer profitieren

Wo Schatten ist, ist Licht. Herr und Frau Schweizer profitieren vom starken Franken, wenn sie im Ausland (online) einkaufen oder Ferien machen. Neben diesen offensichtlichen Gewinnerinnen und Gewinnern gibt es noch andere, die dank der Aufhebung des Euro-Mindestkurses Geld sparen: Immobilienbesitzer. Und alle, die sich ein Haus oder eine Wohnung kaufen wollen. Die SNB hat die Zinsen gesenkt und verlangt von den Banken höhere Negativzinsen, um den Franken zu schwächen. In der Folge sind die Zinsen für Hypotheken unter Druck geraten.

Die Schweizer Hypothekarzinsen waren schon vor dem 15. Januar so tief wie noch nie. Am Tag der SNB-Entscheidung spielten die Zinsen regelrecht verrückt. Am stärksten gerieten die Zinsen für Hypotheken mit langen Laufzeiten unter Druck. Vor dem 15. Januar kosteten beispielsweise Hypotheken mit zehn Jahren Laufzeit rund 1,5 Prozentpunkte mehr als Hypotheken mit zwei Jahren Laufzeit. Danach nur noch knapp 0,5 Prozentpunkte mehr. Kunden mit sehr guten Karten können Ende Januar immer noch Festhypotheken mit zehn Jahren Laufzeit für weniger als ein Prozent abschliessen.

Trotz tiefer Zinsen mit fünf Prozent Zins kalkulieren

Die Bedingungen sind günstig für alle, die eine Hypothek aufnehmen oder refinanzieren. Solange die Schweizerische Nationalbank alles tut, um den Franken zu schwächen, werden die Hypothekarzinsen wohl auf tiefem Niveau verharren. Das wird den einen oder anderen zum Hauskauf verleiten, der sich das vielleicht nicht leisten kann. Deshalb ist die Berechnung der Tragbarkeit noch wichtiger als bisher. Die Kosten für die Hypothek (fünf Prozent kalkulatorischer Hypothekarzins, Amortisation für die 2. Hypothek, Unterhalts- und Nebenkosten) sollten ein Drittel des Bruttoeinkommens nicht übersteigen.

Die SNB-Entscheidung hat Konsequenzen für den Immobilienmarkt. Die Nachfrage wird wohl steigen. Für Wohneigentum, weil die Zinsen so tief sind. Und für Mehrfamilienhäuser, Geschäftsliegenschaften oder gemischt genutzte Immobilien, weil Anlagealternativen fehlen. Steigende Nachfrage und Preise erhöhen die Gefahr, dass der Immobilienmarkt überhitzt. Deshalb werden SNB und Finanzmarktaufsicht den Markt beobachten und allenfalls regulieren. Denkbar sind Grenzen für die Bruttorenditen von Renditeliegenschaften, höhere Eigenkapitalanforderungen oder verschärfte Amortisationspflichten.

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