Anzahlungen beim Hauskauf absichern

Anzahlungen oder Reservationsgebühren sind beim Kauf von Wohneigentum üblich. Eine hundertprozentige Sicherheit für das angezahlte Geld gibt es nicht. Aber mit offenen Augen ist das Risiko zu vermindern.

Anzahlungen oder Reservationsgebühren sind beim Kauf von Wohneigentum üblich.
Anzahlungen oder Reservationsgebühren sind beim Kauf von Wohneigentum üblich.

(msc) Die Summen sind nicht klein, und während eines Baus kann viel passieren: Beim Besitzerwechsel von Wohneigentum haben sowohl Verkäuferinnen als auch Käufer gewichtige finanzielle Interessen. Es ist daher für beide Seiten von Vorteil, wenn der Käufer zu Beginn des Ablaufs eine Anzahlung oder Reservationsgebühr entrichtet. Damit bekundet der Käufer sein Ernst gemeintes Interesse und lässt die Verkäuferin wissen, dass er von ihr eine Leistung erwartet. Die andere Seite wiederum kann insbesondere im Fall von Überbauungen mit mehreren Eigentümern die Käufer stärker einbinden als ohne Anzahlung und weiss, dass ein gewisses Minimum der zu erstellenden Wohneinheiten auch innert nützlicher Frist verkauft werden kann. Leichtfertige Zusagen und später ebensolche Rückzüge erfolgen weniger häufig.

Sichern Sie Ihr Eigenheim sinnvoll ab

infobox_produktewerbung_gvb_terra_haende_mittel

Wer sein ganzes Vermögen in ein Haus anlegt, sollte diese Investition mit einer Erdbebenversicherung sinnvoll absichern.

Mehr erfahren

Zieht sich der Käufer trotzdem zurück, darf er zwar mit einer Rückzahlung rechnen. Doch den vollen Betrag seiner Anzahlung wird er nicht wieder erhalten. Das bestätigt Lukas Manuel Herren, Notar beim Hauseigentümer Verband Bern und Umgebung: «Für Aufwendungen und Umtriebe, die der Verkäufer erwiesenermassen hatte, darf er im Sinne der «culpa in contrahendo» einen Anteil anrechnen.» Dieser beträgt im Normalfall gemäss Herren zwischen ein paar hundert bis maximal wenigen tausend Franken.

Anzahlung nicht 100-prozentig abgesichert

Doch wie kann der Käufer sicher gehen, dass er für sein Geld etwas erhält und die Verkäuferin sich nicht einfach mit der Anzahlung aus dem Staub macht? Gar nicht, lautet das Fazit aus den Tipps von Lukas Manuel Herren: «Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht.» Wenn die Verkäuferin nach einer Reservationsgebühr Konkurs geht oder das Geld anderweitig verwendet, ohne eine Gegenleistung zu erbringen, ist meist (wenn überhaupt) nur über langwierige Wege wieder etwas zurückzuholen.

Kaum rechtlich bindende Vorvertäge

Es gibt auch keine volle Sicherheit, weil der Normalfall nicht abgesichert ist. Ein Vorvertrag wird laut Herren bei Überbauungen häufig, bei Einzelobjekten über einen Makler immer und unter Privaten oft abgeschlossen – und zwar in einfach-schriftlicher Form, d.h. mit Unterschrift der beiden Parteien. Rechtlich bindend wäre hingegen nur ein öffentlich beurkundeter, also notariell beglaubigter Vertrag. Aber: «Als Notar mache ich sehr selten Vorverträge. Die meisten scheuen diesen Aufwand an Zeit und Geld.»

Abwägen der Machtverhältnisse

Eine andere Möglichkeit wäre, die üblicherweise etwa 10'000 bis 15'000 Franken Anzahlung auf ein Sperrkonto bei einer Bank oder bei einem Notar zu überweisen. So bräuchte es die Zustimmung beider Parteien, das Geld auszulösen. Das Problem in diesem Fall: «Die Frage ist, ob der Verkäufer mitmacht. Der Käufer kann zwar ein Sperrkonto verlangen, aber es ist ein Abwägen, wer in welcher Position steht», sagt Lukas Manuel Herren. Sollte nämlich der Verkäufer kein Problem haben, einen anderen Käufer zu finden, dürfte er schnell den Weg des geringsten Widerstandes bzw. Aufwandes gehen und sich anderweitig orientieren.

Gesunden Menschenverstand nutzen

Als «Sicherheit» für den Kaufinteressenten, der eine Anzahlung leistet, bleibt schliesslich der gesunde Menschenverstand. Oder mit den Worten des Notars Herren: «Man sollte den Verkäufer gut anschauen. Ist es beispielsweise eine bekannte, grosse Generalunternehmung, besteht eine geringere Gefahr fürs angezahlte Geld als bei kleinen, unbekannten Partnern, über die kaum Informationen erhältlich sind. In diesem Fall sollte man Referenzen verlangen.»

Zusätzliche Informationen

ImagePoint (karpi.ch) Artikel drucken