Liebhaberobjekt kaufen

Wer ein Liebhaberobjekt besitzt, darf sich freuen: Die Nachfrage nach solchen Gebäuden ist hoch – nicht zuletzt wegen ihrer meist bevorzugten Lage. Die Folge sind hohe Preise.

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Teuer ist der Erwerb eines Liebhaberobjekts an gesuchter Lage.

(mei) Was genau unter einem Liebhaberobjekt ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. Eine Definition fehlt nämlich. «Jedes Objekt kann ein Liebhaberobjekt sein», sagt Thomas Graf, Sekretär der Berner Sektion des Schweizerischen Verbandes der Immobilienwirtschaft (SVIT). Ähnlich klingt es bei Heinz Lehmann, selbstständiger Immobilienvermittler und RE/MAX-Experte in Interlaken: «Ein Gebäude kann für einige ein Liebhaberobjekt sein, andere sehen in ihm ein ganz normales Haus.» Aus diesem Grund verzichtet Lehmann bei Ausschreibungen denn auch auf den Begriff, wenn er für ein solches Objekt einen neuen Eigentümer finden soll

Grosse Nachfrage

Die Antwort auf die Frage, ob es sich bei einer Immobilie um ein Liebhaberobjekt handelt, liefert der Markt: Liebhaberobjekte sind in geringer Zahl vorhanden, dafür aber sehr begehrt. Dies ist in den meisten Fällen auf ein und denselben Faktor zurückzuführen, sagt Graf: «Die Diskrepanz zwischen dem technischen Wert und dem Marktpreis ergibt sich aus der Lage.» Und die ist bei Liebhaberobjekten meist erstklassig. In der Stadt Bern sind es etwa Reihenhäuser im Kirchenfeld oder in der Länggasse, im Berner Oberland sind es der direkte See- oder Flussanstoss und abgelegene, freistehende Gebäude mit guten Zufahrmöglichkeiten, wonach alle suchen.

Auch ein ungewöhnlicher Baustil oder andere Besonderheiten können aus einer Immobilie ein Liebhaberobjekt machen. Im Gegensatz zur Lage wirken sich diese Faktoren jedoch weniger stark preistreibend aus, meint Graf. Als Beispiel fügt er die Werke des Architekturbüros Atelier 5 an, das u.a. mit der Halensiedlung in Herrenschwanden Geschichte schrieb: «Die Wohnungen sind sehr speziell und ziehen eine bestimmte Klientel an. Weil es sich hier aber um ein normales Angebot mit einer zielgerichteten Nachfrage handelt, kommt der Liebhaberobjekt-Faktor nicht stark zum Tragen, so dass die Preise nicht in die Höhe schnellen.» Geradezu verkaufshinderlich sind laut Lehmann denkmalschützerische Auflagen, insbesondere bei stark vernachlässigten Gebäuden. Hier müssten die neuen Eigentümer viel Geld ausgeben – und dürften ihre Wünsche dann doch nicht umsetzen.

Verkauf an den Meistbietenden

Teuer ist auch der Erwerb eines Liebhaberobjekts an gesuchter Lage: Für eine solche Liegenschaft muss der neue Besitzer meist tief ins Portemonnaie greifen. Nicht selten kommt es sogar vor, dass ein Verkäufer die Interessenten darüber informiert, was die andern bieten, um einen möglichst hohen Verkaufspreis zu erzielen. Ein Preisfindungsprozess, der böses Blut schaffen kann und deshalb von Thomas Graf nicht goutiert wird. Stattdessen folgt er bei Privera einem festgelegten, transparenten Prozedere: «Wir machen eine erste Besichtigung und vergleichen die Angebote. Mit den besten Anbietern erfolgen daraufhin eine zweite Besichtigung und eine zweite Angebotsrunde. Wer hier am meisten bietet, erhält den Zuschlag.» Von einem Verkauf unter der Hand rät Graf ab: Wird das Objekt ausgeschrieben, erreicht es mehr potenzielle Käufer, was sich positiv auf den Preis auswirkt.

Schwierig zu finden

Weil vergleichsweise wenige Liebhaberobjekte existieren, haben es diejenigen schwer, die zwar eins möchten, aber keines haben. Durch Privera werden in Bern jährlich nur um die fünf Liebhaberobjekte verkauft, schätzt Graf. Noch weniger sind es bei Remax Interlaken: «Es gelangen fast keine Liebhaberobjekte auf den Markt», sagt Lehmann. Interessenten müssen deshalb oft lange suchen. Und sind am Ende oft enttäuscht: «Nicht jeder kann sich ein Liebhaberobjekt auch leisten. Hier gilt es realistisch zu sein», dämpft Lehmann die Erwartungen. Auch Graf rät, nicht nur mit dem Bauch, sondern auch mit dem Kopf zu denken.

Kurioses

Das ungewöhnlichste Erlebnis in Sachen Liebhaberobjekt hatte Graf mit einem Interessenten, der unbedingt ein Gebäude an einer bestimmten Strasse erstehen wollte. Dies nicht etwa wegen des Hauses an sich, sondern weil er denselben Namen wie die Strasse trug. Ebenso begehrt trotz lärmiger Lage und Sicht auf die Autobahn war ein anderes Einfamilienhaus mit viel Umschwung, das sich zur Kleintierhaltung empfahl. «Weil wir hier eine bestimmte Zielgruppe gut ansprechen konnten, kam es trotz der Lage zu sehr guten Angeboten», sagt Graf. Eine ganze Alp samt Bauernhof und Scheunen gab es dafür einmal bei Lehmann im Angebot. Dieses sprach zwar nur zwei Interessenten an, doch einer davon war so begeistert, dass er die Chance nutzte.

ImagePoint (Kai Koehler) Artikel drucken