Wohnen auf dem Land oder in der Stadt?

Die einen leben lieber mitten in der Stadt, die anderen möglichst weit weg. Was für den einen die Traumlage ist, ist für den anderen ein Albtraum. Wo fühlen Sie sich am wohlsten und zuhause?

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Die Entscheidung «Stadt oder Land?» hat oft finanzielle Gründe.

(rh) Der deutsche Dichter Christian Morgenstern (1871 bis 1914) hat in «Stufen» die Bedeutung des Wohnortes relativiert: «Nicht da ist man daheim, wo man seinen Wohnsitz hat, sondern da, wo man verstanden wird.» Wer sich irgendwo zuhause und gut aufgehoben fühlen will, muss also den Ort finden, wo Menschen leben, die ihn verstehen. Doch wo ist das? Das muss jede und jeder selbst herausfinden, weil jede und jeder anders ist. Zum Glück. Sonst würden wir alle am selben Ort wohnen.

Grossstädte wachsen und wachsen

Ende 2010 lebten knapp 7,9 Millionen Menschen* in der Schweiz. 26 % wohnten in ländlichen und 74 % in städtischen Gebieten. Am meisten in den Agglomerationen Zürich (1'188'600), Genf (526'400), Basel (497'700), Bern (353'300) sowie Lausanne (336'400). Seit 1998 wachsen unsere Städte und Agglomerationen schneller, weil mehr Menschen vom Land in die Stadt ziehen als umgekehrt. Das gilt besonders für die drei Metropolen Zürich, Genf und Lausanne sowie die meisten Städte im Grossraum Zürich. Winterthur ist seit 1990 von 88'100 auf 105'100 Einwohner** (plus 19,3 %) gewachsen und heute eine Grossstadt.

Familien aufs Land, Singles in die Stadt

Die wichtigsten Gründe für das Wachstum der Städte sind unsere Arbeit und unser Lebensstil. Einerseits ziehen immer mehr Firmen – und damit Arbeitsplätze – in Städte oder die Gemeinden darum herum, andererseits wollen vor allem junge oder kulturell interessierte Menschen urban leben. Doch es gibt auch eine Gegenbewegung: Familien oder Menschen, die nach der Arbeit richtig abschalten wollen, ziehen vermehrt aufs Land. Dort finden sie genügend Raum und Ruhe.

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Wie viel ist Ihnen Ihre Zeit wirklich wert?

Die Entscheidung «Stadt oder Land?» hat oft finanzielle Gründe. Auf dem Land kostet Wohneigentum weniger als in der Stadt oder Agglomeration. Viele vergessen aber, dass sie ein zweites Auto brauchen, weil der idyllische Weiler abgelegen ist und weder Schule noch Tante-Emma-Laden besitzt. Dafür fahren sie Tag für Tag zwei Stunden zur Arbeit. Die Zürcher Kantonalbank hat 2010 die Pendlerkosten – Zeit plus ÖV-Abo oder Auto – kapitalisiert. Ergebnis: Weite Arbeitswege lohnen sich nicht, weil die hohen Pendlerkosten die tieferen Kaufpreise mehr als ausgleichen. Und die Steuervorteile, die in der Regel mit höheren Bodenpreisen erkauft werden, zahlen sich erst ab einem steuerbaren Einkommen von Fr. 120'000.- aus. Ob Sie auf dem Land wirklich günstiger wohnen, müssen Sie selber herausfinden und (ehrlich) berechnen.

Stadt oder Land?

Die Lage ist nicht nur für den Kaufpreis entscheidend, sondern auch dafür, ob Sie sich in Ihrem Zuhause wirklich zuhause fühlen. Denken Sie daran: Den Teppich im Schlafzimmer oder den Backofen können Sie wechseln, wenn er Ihnen nicht mehr gefällt, die Lage nicht! Darum lohnt es sich, sich vor dem Kauf einige Gedanken zu machen. Die Antworten auf diese Fragen helfen Ihnen weiter:

  • Wie lange ist mein Arbeitsweg von Tür zu Tür?
  • Kann ich mit dem ÖV oder muss ich mit dem Auto zur Arbeit fahren?
  • Wie weit sind Kindergarten und Schule entfernt?
  • Wie sicher ist der Schulweg für die Kinder?
  • Können die Kinder allein – zu Fuss, Velo, ÖV – zur Schule?
  • Gibt es Kinderbetreuung, zum Beispiel Spielgruppe oder Hort?
  • Gibt es einen Tante-Emma-Laden oder einen Supermarkt im Ort – oder muss ich Auto fahren?
  • Gibt es Apotheken, Ärzte und Spitäler in der Nähe?
  • Wie gut ist der ÖV tagsüber, nachts und am Wochenende?
  • Wie gut ist das kulturelle Angebot in der Nähe?
  • Gibt es Vereine für die Kinder und mich in der Nähe?

Am besten reden Sie mit Leuten, die dort wohnen, wo Sie wohnen wollen – sie kennen die Vor- und die Nachteile am besten.

* Bundesamt für Statistik (www.bfs.admin.ch)

** Stadt Winterthur (www.statistik.winterthur.ch)

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