Steuern sparen dank beruflicher Vorsorge

Wohneigentümer können mit Geldern aus der zweiten und dritten Säule Steuern sparen: Wie es geht und weshalb dies jedoch nicht in jedem Fall die beste Lösung ist, verrät Hans Jürg Steiner, Leiter Steuerabteilung Region Mittelland und Partner bei KPMG AG, im Interview.

Hans Jürg Steiner, Leiter Steuerabteilung Region Mittelland und Partner bei KPMG AG
Hans Jürg Steiner, Leiter Steuerabteilung Region Mittelland und Partner bei KPMG AG

Für den Erwerb von Wohneigentum können Pensionskassengelder und Gelder der Säule 3a verpfändet oder vorbezogen werden. Was macht steuerlich mehr Sinn?

Hans Jürg Steiner: Ich rate wenn immer möglich zur Verpfändung, weil man als Wohneigentümer damit flexibler bleibt und zusätzliche Schuldzinsabzüge machen kann. Im Unterschied zur Verpfändung muss beim Vorbezug ausserdem erst der bezogene Betrag zurückbezahlt werden, ehe man wieder einkommensmindernde Einkäufe tätigen kann. Sollte es allerdings künftig zur Abschaffung der Eigenmietwertbesteuerung und des Hypothekarschuldzinsabzugs kommen, wird die Situation anders aussehen: Ich gehe davon aus, dass Wohneigentümer dann vermehrt Eigenmittel einsetzen werden und daher eher einen Vorbezug als eine Verpfändung ins Auge fassen werden.

 

Wie ratsam sind Einkäufe in die Pensionskasse?

Dies ist – wie das Vorsorgen mit der Säule 3a – steuerlich interessant, und wer, wie Wohneigentümer, eine Vorbezugsmöglichkeit hat, hält das Geld auch nicht bis in alle Ewigkeit blockiert. Allerdings muss jeder selbst beurteilen, wie er die finanzielle Situation seiner Pensionskasse einschätzt. So ist es manchmal besser, einen Liquiditätsüberhang eher für den Abbau der Hypothekarschuld als für einen Einkauf in die Pensionskasse zu nutzen. Was natürlich nicht heissen soll, dass auf Vorsorge zu verzichten ist. Im Gegenteil: Das eine tun und das andere nicht lassen, lautet die Devise.

Worauf ist beim Bezug von Geldern der Säule 3a zu achten?

Ich empfehle, mehrere Konti zu errichten und diese beispielsweise gestaffelt mit 62, 64 und 65 Jahren aufzulösen, damit man die Progression brechen kann. Wer nämlich nur ein Konto hat, muss mit 65 Jahren bzw. mit dem Erreichen des Pensionsalters den gesamten einbezahlten Betrag beziehen – es sei denn, er ist weiterhin erwerbstätig (bis max. 70 Jahre). Abgesehen von den steuerlichen Vorteilen sind mehrere Konti für die Säule 3a auch deshalb ratsam, weil sich auf diese Weise eine gewisse Diversifikation ermöglichen lässt.

Was bringt mehr steuerliche Vorteile: Die direkte oder indirekte Amortisation?

Solange man die Schuldzinsen für die Hypothek abziehen kann, ist die indirekte Amortisation von Vorteil. So kann man den Betrag, den man jährlich in die Säule 3a einbezahlt, vollumfänglich steuerlich geltend machen, andererseits kommen die Schuldzinsen auf der Hypothek voll steuerlich abzugsfähig zum Tragen. Die mit der indirekten Amortisation auf diese Weise eingesparten Steuern belaufen sich auf ca. einen Drittel des Betrags für die Säule 3a, den Angestellte jährlich leisten können.

Wie hoch sollten die angesparten Beträge in der zweiten Säule und der Säule 3a beim Erreichen des Pensionsalters sein?

Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten, da jede Situation anders ist: Entscheidende Kriterien sind hier die Höhe des angesparten Kapitals und die Kosten der Lebenshaltung.

Welcher Teil der Hypothekarschuld sollte zu diesem Zeitpunkt beglichen sein?

Eine Faustregel besagt, dass man beim Erreichen des Pensionsalters nur noch eine erste Hypothek haben sollte, weil das Einkommen ja sinkt. Auch sollten wichtige Unterhaltsarbeiten noch in der Phase der Erwerbstätigkeit gemacht werden, damit sie sich steuerlich auch voll auswirken.

Ist die finanzielle Tragbarkeit von Wohneigentum im Pensionsalter ein Punkt, der oft unterschätzt wird?

Überhaupt nicht, sie wird im Gegenteil in den meisten Fällen in Betracht und in die Planung mit einbezogen.

Danke für das Interview.

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