Ostern: Andere Länder, andere Bräuche

Ostern ist aus theologischer Sicht das wichtigste christliche Fest. In aller Welt feiern Christen am Ostersonntag die Auferstehung Jesu, der den Tod überwunden hat. Weltweit haben sich um das hohe Kirchenfest zahlreiche, zum Teil auch skurril anmutende Osterbräuche entwickelt.

Skandinavisches Ostermädchen
Skandinavisches Ostermädchen

(pg) Wer die Frage nach dem wichtigsten Osterbrauch der Schweiz mit «der Stau am Gotthard» beantwortet, liegt damit gar nicht so falsch. Der Ursprung des Osterfestes rückt immer mehr in den Hintergrund und für die meisten Menschen ist in erster Linie wichtig, dass sie ein paar arbeitsfreie Tage oder einen Kurzurlaub geniessen können.

Aber natürlich gibt es sie noch, die Osterbräuche, sei es das Ostereier färben, das «Eiertütschen» oder die Suche nach den vom Osterhasen gut versteckten Ostereiern respektive den mit Süssigkeiten gefüllten Osternestern. Am Karfreitag kommt Fisch auf den Tisch und viele Kirchgemeinden entfachen in der Osternacht die Osterfeuer.

Doch wie begehen die Menschen in anderen Ländern das Osterfest?

Polen: «Tag des Wassergiessens»

Bei unserem nördlichen Nachbarn in Deutschland wird das Ostern ähnlich gefeiert wie in der Schweiz. Weiter östlich, im streng katholischen Polen, nimmt Ostern hingegen eine besondere Stellung ein. Dort werden am Ostersamstag Speisen in einen Korb gelegt. Dieser wird am Ostersonntag in die Kirche gebracht und gesegnet. Und wer sich am Ostermontag durch polnische Strassen bewegt, muss damit rechnen, nass zu werden. Denn am «Tag des Wassergiessens» bespritzt man sich gegenseitig mit Wasser. Wobei spritzen in Anbetracht der mit Wasserpistolen, Wasserbeuteln und Wassereimern bewaffneten Jugendlichen vielleicht nicht der richtige Ausdruck ist...

Mythen und Traditionen in Bulgarien

Mythisch und traditionell geht es in Bulgarien zu und her. Hier ist der Gründonnerstag für das Eierfärben vorgesehen. Dabei färbt die Familienälteste das erste Ei immer rot, als Symbol für das Blut Christi. Wohl nicht ganz einfach zu bewerkstelligen ist, dass das Ei von einem schwarzen Huhn stammen und das Wasser, in dem es gefärbt wird, von einer Jungfrau am Vortag aus drei verschiedenen Wasserquellen geholt werden muss. Die gefärbten Eier werden dann am Ostersonntag zum «Eiertütschen» verwendet. Derjenige, dessen Ei nicht beschädigt wird, bleibt der Sage nach das ganze Jahr gesund.

«Schläge» mit der Birkenrute bringen Glück

Hoch im Norden, in Finnland, schlagen sich Freunde und Bekannte am Palmsonntag leicht mit einer Birkenrute. Dieses Brauchtum soll Glück bringen. Die Birkenrute soll an die Palmwedel erinnern, mit denen Jesus in Jerusalem empfangen wurde. Immer öfter trifft man in der Osterzeit aber auch auf merkwürdige Wesen: kleine Mädchen, und manchmal auch Jungs, ausgerüstet mit Kopftüchern, russgeschwärzten Gesichtern, Besen, Kaffeekanne und einem geschmückten Weidenstrauch. Als Osterhexen verkleidet ziehen sie von Tür zu Tür, sagen Reime auf und erbitten als Lohn Süssigkeiten und Geld.

Auch in Schweden sind Kinder als Osterhexen, oder auch als Osterweiber bezeichnet, unterwegs. Wie hierzulande suchen Kinder nach Ostereiern, wobei diese meistens aus Pappe sind und von den Eltern mit Süssigkeiten gefüllt werden. Übrigens - in Schweden bringt nicht der Osterhase die Ostereier, sondern das Osterküken.

Zahllose Prozessionen in südlichen Ländern

Unsere südlichen Nachbarn in Italien kennen die Eiersuche nicht. Hier erhalten die Kinder meist auch nicht Ostereier, sondern grosse Schokoladeneier, die mit Überraschungen gefüllt sind. Ostern ist in Italien vor allem die Zeit unzähliger Prozessionen. Als Erinnerung an den Leidensweg Jesu tragen am Karfreitag vielerorts dunkel gekleidete Menschen Kreuze durch die Strassen.

Mit Süssigkeiten gefüllte Glocken in Frankreich

In Frankreich bleiben die Glocken von Gründonnerstag bis Karsamstag stumm, um den Tod Jesu zu betrauern. Den Kindern wird erklärt, dass die Glocken am Gründonnerstag nach Rom reisen, um sich vom Papst segnen zu lassen. Mit Süssigkeiten gefüllt «fliegen» sie dann zurück. Dabei verlieren sie angeblich die Süssigkeiten und so suchen auch die französischen Kinder überall im Freien nach den Leckereien. Und am Sonntag läuten dann aus Freude über die Auferstehung Christi auch die Glocken wieder.

Irland: Endlich wieder Fleisch

Zu den wohl skurrilsten Osterbräuchen weltweit zählt das in vielen irischen Gemeinden zelebrierte Heringsbegräbnis. Dabei werden Heringe beerdigt, und zwar als Zeichen dafür, dass die strenge Fastenzeit - mit Heringen als einer häufigen Hauptmahlzeit - nun vorbei ist.

Fiesta in Mexiko

In Mexiko ist die Osterwoche gleichzeitig die Hauptferienzeit. Hier haben die Osterfestlichkeiten Volksfestcharakter und dauern von Palmsonntag bis zum Osterwochenende. Je nach Region und Gemeinde wird unterschiedlich gefeiert, vielerorts haben sich christliche und indianische Bräuche vermischt. Am Karfreitag wird dem Kreuzgang Jesu gedacht, hierzu finden in vielen Gemeinden spektakuläre Passionsspiele statt. Am Ostersonntag wird die Auferstehung Jesu gefeiert. Erneut gehen viele Passionsaufführungen über die Bühne und anschliessend heisst es überall: «Fiesta!»

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