Biologisch düngen

Wer dem Garten Nährstoffe entzieht, tut gut daran, sie in organischer Form wieder einzubringen. Nur so bleibt die natürliche Fruchtbarkeit erhalten und der Boden langfristig lebendig. Doch was ist besser: Kompost, Mist oder Hornspäne?

Eine Nährstoffzufuhr ist nur dann von Nutzen, wenn die Beschaffenheit des Bodens bekannt ist.
Eine Nährstoffzufuhr ist nur dann von Nutzen, wenn die Beschaffenheit des Bodens bekannt ist.

Baut man Gemüse in Fruchtfolge an, ist ein erster Schritt zur Bodenregeneration getan. Dazu wird das Gemüse in drei Kategorien eingeteilt: Stark-, Mittel- und Schwachzehrer. Die Gruppen belegen die Beete im Jahresturnus, wodurch der Boden gleichmässig genutzt wird. Eine Fruchtfolge macht aber nur dann Sinn, wenn dosiert Mist ausgebracht wurde. Wird kein Mist verabreicht, leistet ein Fruchtwechsel nach Familien, mit angepassten Kompostgaben, deutlich bessere Ergebnisse. Dabei beachtet man, dass verwandte Gemüsearten nicht wiederholt auf dem gleichen Beet kultiviert werden, sondern erst nach mindestens vier Jahren. Man muss allerdings wissen, welche Gemüse welchen Familien zugeordnet werden (Merkblatt «Fruchtwechsel» als PDF bei urs.streuli@bl.ch bestellbar). Dadurch kann man die Einflüsse der vorangehenden Kultur positiv nützen. Kartoffeln, Gurken oder Zucchetti profitieren von Leguminosen wie Erbsen, Bohnen oder Lupinen, welche mit ihren Wurzeln (Knöllchenbakterien) Stickstoff binden und im Boden in pflanzenverfügbarer Form hinterlassen.

Robust dank Mikroben

Nicht nur die Pflanzen, auch deren Standort und die Struktur der Erde beeinflussen den Nährstoffhaushalt des Bodens. Die Luftzufuhr durch regelmässiges Lockern und leichtes Hacken sowie eine gleichmässige Feuchte unterstützen die Mikrobentätigkeit. Diese ist wichtig, da sie für die Umsetzung der organischen Stoffe (Kompost, Mist) sorgt. Die Lebensgrundlage der Mikroorganismen ist Wärme, weshalb es sich lohnt, Frühkulturen mit Vlies zu schützen. Biologisch zu düngen bedeutet das Bodenleben zu fördern. In einem gesunden Boden wachsende Pflanzen sind widerstandsfähiger gegenüber Krankheiten und Schädlingen.

Bodenanalyse

Eine Nährstoffzufuhr ist nur dann von Nutzen, wenn die Beschaffenheit des Bodens bekannt ist. Aufnahme- und Speicherfähigkeit von Erdstrukturen sind unterschiedlich. Sandige Böden zum Beispiel trocknen schnell ab und erwärmen sich in Kürze. Dafür besteht die Gefahr der Nährstoffauswaschung. Aus einem solchen Untergrund können Pflanzen nur leichtlösliche, direkt verfügbare Nährmittel ziehen. Lehmige, schwere Böden erwärmen sich hingegen langsam, eine Mineralisierung braucht Zeit. Hier sollte organisches Material oberflächlich eingearbeitet werden, damit Luft in die Erde kommt. Leichte, humose Böden erwärmen sich rasch, zugeführte Nährstoffe sind schnell mineralisiert und verfügbar. Hohe Stickstoffreserven finden sich in anmoorigen Böden. Hier sollte die Mineralisierung nicht gefördert werden, sonst besteht ein Nährstoffüberschuss. Eine Laboranalyse des Bodens gibt Aufschluss über dessen Humus- und Nährstoffgehalt.

Düngemassnahmen

Sich im Boden zersetzendes organisches Material fördert den Anteil an Mikroorganismen, sprich: das Bodenleben. Doch wie viel Kompost oder Mist ist vertretbar? Bei normaler Gartenerde (leicht, humos) genügt im Normalfall schon pro m² eine Schaufel gut ausgereiften Komposts. Viele Hausgärtner bringen jährlich Mist auf die Beete. Urs Streuli vom Landwirtschaftlichen Zentrum Ebenrain warnt: «Mist ist ein Volldünger, der neben allen Hauptnährstoffen auch Spurenelemente enthält. In grossen Mengen werden diese zu Schwermetallen.» Werde in einem Garten, der eine negative Stickstoffbilanz aufweise, Mist ausgebracht, so sei dies auch im übertragenen Sinne «Mist». Da seien Hornmehl oder -späne, gemischt mit eigenem Kompost, die viel geeignetere Variante. Auf diese Weise wird verhindert, dass sich der Boden mit schädlichen Mineralstoffen und Schwermetallen anreichert, da sich diese nicht mehr entfernen lassen.

Wer über keinen eigenen reifen Kompost verfügt, kann jährlich im Spätherbst frischen, strohigen Pferdemist zu einer Kompostmiete aufsetzen. Um darin keine Werren zu züchten, den Walm im April umschichten und bis Juli verteilen. «Alten» Kompost kann man in einem Fass überwintern. «Pferdemist hat den ausgeglichensten Nährstoffgehalt», so Streuli. «Schaf- und Ziegenmist mit hohem Strohanteil lässt sich ebenfalls verwenden. Kaninchen- oder Hühnermist jedoch nur in kleinen Mengen beimischen.» Von Schweine- oder Hühnermist, aber auch von nicht stallfrischem, stroharmem Kuhmist rät er ab: «Vorgelagerter Kuhmist ist nicht mehr kompostierbar.»

Zeitschrift «Schweizer Garten» (Ruth Schläppi) Artikel drucken