Biologischer Pflanzenschutz mit Jauchen

Jauchen wirken wachstumsfördernd und vitalisierend, aber auch krankheitshemmend und schädlingsabwehrend. Aus Pflanzenteilen und Wasser lassen sie sich ohne grossen Aufwand selber herstellen. Erfahren Sie, welche Jauchen-Rezepte wie wirken!

Vor der Anwendung muss die Jauche in der Regel mit Wasser verdünnt werden.
Vor der Anwendung muss die Jauche in der Regel mit Wasser verdünnt werden.

(sku) Nach Rezept hergestellte Jauchen und Spritzbrühen sind biologische Pflanzenbehandlungsmittel. Sie wirken vielfältig und können auch bei akutem Befall eingesetzt werden. Die aus zerkleinerten Pflanzenteilen und Wasser hergestellten Jauchen sind billig und ausserdem biologisch völlig abbaubar.

Für Jauchen und Spritzbrühenwerden verschiedene Pflanzen verwendet. Die entsprechend verdünnten Jauchen können je nach Situation zusammengemischt und gemeinsam ausgebracht werden. Dadurch werden die Wirkungen verstärkt oder mehrere gewünschte Wirkungen erzeugt. Wichtig ist, dass die für Jauchen verwendeten Pflanzenteile vor der Blüte gesammelt werden, weil sie dann die meisten Inhaltsstoffe enthalten.

Viele häufig vorkommende Pflanzen eignen sich für das Herstellen von Jauchen und Brühen. Ihnen werden unterschiedliche Wirkungen zugesprochen:

  • Wachstumsfördernd: Brennnessel, Beinwell, Fenchel, Ochsenzunge, Tomatentriebe, Kohl.
  • Krankheitshemmend: Ackerschachtelhalm, Birkenblätter, Wurmfarn, Adlerfarn, Zwiebeln, Lauch, Knoblauch.
  • Schädlingsabwehrend: Eichenblätter, Rhabarber, Rainfarn, Holunder, Liebstöckel, Wermut.

Jauchen selber herstellen

Die Jauche wird in Kunststoffbehältern, Holzfässern oder in Ton- und Steingutgefässen angesetzt. Im kleinen Hausgarten reicht ein Behälter mit 10 l Fassungsvermögen aus. Metallbehälter eignen sich nicht, weil sie rosten und dies die Wirkung der Jauche schädigt.

Jauchefässer sollten in der Sonne stehen, weil höhere Temperaturen die Gärung beschleunigen. Beim Platzieren der Gefässe ist darauf zu achten, dass Nachbarn nicht durch den Geruch gestört werden. Steinmehl oder Baldrian helfen, üble Gerüche zu vermindern. Die Fässer werden mit einem Gitter abgedeckt. Eine geschlossene Bedeckung führt zu Luftabschluss und beeinträchtigt den Gärungsprozess.

Regenwasser besser als Leitungswasser

Die Pflanzenteile werden zerkleinert und in das Gefäss eingefüllt. Durch das Zerkleinern werden die Zellen beschädigt, der Zellsaft kann so besser austreten. Die Mischung kann zudem besser umgerührt werden. Die Menge der Pflanzen ist abhängig von der Art. Danach wird so viel Wasser darüber gegossen, bis die Pflanzen bedeckt sind. Abgestandenes Regenwasser eignet sich besser als Leitungswasser. Das Gefäss nicht vollständig auffüllen, weil sich während der Gärung ein Schaum bildet.

Der Gärprozess beginnt bereits nach 2 bis 3 Tagen. Dann wird der Inhalt täglich gerührt, damit immer genügend Sauerstoff in die Jauchemischung gelangt. Je nach Witterung ist die Jauche nach 2 bis 3 Wochen fertig. Die Jauche lässt sich anwenden, wenn sie nicht mehr schäumt und die Pflanzenteile auf den Boden gesunken sind.

Pflanzen spritzen oder giessen

Vor der Anwendung muss die Jauche in der Regel mit Wasser verdünnt werden. Je nach Rezept mischt man einen Teil Brühe mit neun Teilen Wasser (Verhältnis 1:10).

Krankheitshemmende und schädlingsabwehrende Jauchen werden auf das Blattwerk gespritzt, die wachstumsfördernden und düngenden Jauchen werden vorzugsweise an bewölkten Tagen, frühmorgens oder am späten Abend auf die Erde ausgebracht. Man sollte darauf achten, dass letztere nicht auf die Blätter gelangen, weil es sonst zu Verbrennungen führen kann. Der Boden sollte feucht sein, bei Bedarf also vorher giessen, sonst kann es auch an den Pflanzenwurzeln zu Verbrennungen kommen. Wird nicht sofort die gesamte Jauche aufgebraucht, kann der Rest in geeigneten Behältnissen aufbewahrt werden.

Rezepte für Jauchen und Spritzbrühen:

Pflanze

Rezept

Anwendung

Wirkung

Ackerschachtelhalm

1 kg frisches oder

150 g getrocknetes Kraut, 10 l Wasser

1:10 verdünnt auf Pflanzen und Boden spritzen

kieselsäurereich, gegen Pilzerkrankungen, vor allem vorbeugend

Beinwell

1 kg frisches oder

150 g getrocknetes Kraut, 10 l Wasser

1:10 verdünnt auf den Boden giessen

Pflanzen stärkend

Brennnessel
(grosse und kleine)

2 kg frisches oder

200 - 500 g getrocknetes Kraut

10 l Wasser

1:10 verdünnt auf den Boden giessen
1:50 verdünnt über die Pflanzen sprühen

Dünger und zur Aktivierung des Bodenlebens
Insekten abwehrend und
stärkend

Knoblauch

500 g gehackte Knollen
10 l Wasser

unverdünnt auf Pflanzen spritzen

gegen Erdbeermilben und Pilzerkrankungen

Kohl

3 kg frische Blätter
10 l Wasser

unverdünnt auf den Boden giessen

düngend, stärkend

Rainfarn

300 g frisches oder

30 g getrocknetes Kraut
10 l Wasser

im Winter unverdünnt, im Sommer bis 1:3 verdünnt auf Pflanzen spritzen

gegen Milben, Mehltau, Rost

Rhabarber

1 kg frische Blätter
10 l Wasser

unverdünnt auf die Pflanzen spritzen

gegen Blattläuse

Schwarzer Holunder

1 kg frische Blätter
10 l Wasser

unverdünnt auf den Boden giessen

gegen Wühlmäuse

Wermut

300 g frisches oder

30 g getrocknetes Kraut
10 l Wasser

unverdünnt oder bis 1:3 verdünnt über Pflanzen spritzen

gegen Läuse, Ameisen, Raupen, Apfelwickler, Brombeermilben

Wurmfarn, Adlerfarn

1 kg frisches oder 100 g getrocknetes Kraut
10 l Wasser

1:10 verdünnt auf Gemüse und Bäume sprühen

gegen Läuse

Zwiebel

75 -100 g Schalen
10 l Wasser

unverdünnt spritzen

Abwehr der Möhrenfliege

Zusätzliche Informationen

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