Pflegefehler bei Topfpflanzen

Des Guten zu viel oder zu wenig – Pflanzen reagieren empfindlich, und zwar sowohl auf Staunässe als auch auf Trockenheit. Was tun bei Übersättigung oder nach einer verheerenden Durststrecke?

Pflanzen reagieren empfindlich, sowohl auf Staunässe als auch auf Trockenheit.
Pflanzen reagieren empfindlich, sowohl auf Staunässe als auch auf Trockenheit.

Der Topfpflanzengärtner hat es gut gemeint und seine Schützlinge regelrecht mit Wasser überschüttet, bis sich die Gefässe in kleine Sümpfe verwandelt haben! Für einige Gewächse ist dies zu viel vom kühlen Nass. Lässt eine Pflanze ihre Blätter hängen, so sollte immer zuerst die Erde kontrolliert werden. Denn es kommt vor, dass die Pflanze vor zuviel Nässe welkt und nicht, weil sie zu trocken steht. Dann nämlich ersticken die Wurzeln unter der vielen Flüssigkeit. In diesem Zustand kann die Pflanze keine neuen Wurzeln mehr bilden, sodass der extremen Nässe oft nach einer Weile der totale Zusammenbruch folgt. Ein Beispiel dafür sind Margeritenbüsche an heissen, vollsonnigen Plätzen. Unter der Hitze beginnt ihr Laub zu welken, obwohl der Wurzelballen immer noch gut genässt ist. Werden solche Exemplare erneut gegossen, könnten schon bald Staunässe-Schäden sichtbar werden.

Abgesoffen

Was ist zu tun? Überflüssiges, stehendes Wasser aus Töpfen, Kübeln und Untertellern entfernen. Die betroffenen Exemplare trockenlegen und so lange nicht giessen, bis der Wurzelballen abgetrocknet ist. Zu diesem Zeitpunkt sind bereits die verfaulten Blätter, Sprosse oder Blüten sichtbar. Die betroffenen Teile färben sich erst schwarz, dann braun – dieses Material zurückschneiden. Sind aber auch Wurzeln in Mitleidenschaft gezogen worden, könnte die Pflanze gar eingehen. Falls nicht, wird sie wieder frisch austreiben und nachwachsen.

Wüstenreif

Hat der Topfpflanzengärtner aber an heissen Tagen durch Abwesenheit geglänzt, so kann auch in diesem Fall die eine oder andere Pflanze an der erzwungenen Durststrecke zugrunde gehen. Schlapp hängen Blüten und Blätter herab, der Wurzelballen ist ausgetrocknet und zerfällt. Solchen Exemplaren ist ein ausgiebiges Wasserbad zu gönnen. Dazu die Pflanze vom verdorrten Material säubern und die verwelkten Blüten entfernen. Wurzelballen mitsamt Topf – sofern von der Grösse her möglich – in einen mit Wasser gefüllten Eimer oder eine Wanne eintauchen, bis sich die Erde vollgesogen hat und keine Luftblasen mehr aufsteigen.

Ferner die durstigen Patienten während ihrer Erholungsphase vor starker Sonneneinstrahlung schützen. Sobald die Blätter wieder aufrecht stehen, nochmals sorgfältig giessen. Schon bald wird sich zeigen, welche Pflanzenteile sich erholen und welche nicht. Totes Material entfernen, um möglichst keinen Folgekrankheiten oder Schädlingen Einlass zu gewähren.

Überbrücken

Bis sich derart strapazierte Pflanzen wieder erholen, sind sie unattraktiv, teilweise laublos und blütenleer. Jetzt brauchen wir etwas Geduld. Wer diese Phase nicht erträgt, sollte die ausgezehrten Geschöpfe besser gleich durch neue Pflanzen ersetzen. Auch jetzt, mitten im Sommer, gibt es noch attraktive Blüher im Angebot. Handelt es sich um mehrjährige Topfstauden, so erholen sich diese meist bis in den Herbst und blühen im folgenden Jahr wieder in alter Frische.

Vorbeugende Tipps

  • Pflanzen mit ähnlichen Pflegeansprüchen zusammenstellen, dies erleichtert die Giessarbeit. Dabei extreme Standorte meiden. Die meisten Balkon- und Terrassenpflanzen gedeihen auch im Halbschatten, z.  B. bei  vorübergehender Abwesenheit. Dort benötigen sie weniger Giesswasser.
Drainageschicht aus Blähton (Lecca)
Drainageschicht aus Blähton (Lecca)
  • Bereits beim Eintopfen Vorkehrungen gegen Staunässe treffen: Eine Tonscherbe aufs Abflussloch legen, damit die Öffnung nicht verstopft, sondern durchlässig bleibt. Am Boden des Gefässes eine Drainageschicht aus Blähton (Lecca) oder Kies einfüllen und diese mit Vlies vom Substrat trennen.

  • Pflanzen mit hohem Wasserbedarf benötigen unbedingt einen Giessrand und einen genügend grossen Unterteller. Erhältlich sind auch Gefässe mit eingebautem Wasserspeicher oder Reservoir. Ein integrierter Wasserstandanzeiger orientiert jederzeit über den aktuellen Stand.
  • Genügsame Zimmerpflanzen wie Dracaena, Ficus oder Yucca können gut mit einer Pet-Flasche versorgt werden. Dazu den Hals der gefüllten Wasserflasche ohne Deckel in die Erde stecken oder einen Flaschenadapter verwerden. Besser dosierbar sind die im Gartenfachhandel erhältlichen porösen Tonkegel, bei dem die Erde selbst Wasser aus einem Vorratsgefäss heraussaugt.
Genügsame Zimmerpflanzen können mit einer Pet-Flasche versorgt werden.  Besser dosierbar sind die im Gartenfachhandel erhältlichen porösen Tonkegel, bei dem die Erde selbst Wasser aus einem Vorratsgefäss heraussaugt.
Genügsame Zimmerpflanzen können mit einer Pet-Flasche versorgt werden. Besser dosierbar sind die im Gartenfachhandel erhältlichen porösen Tonkegel, bei dem die Erde selbst Wasser aus einem Vorratsgefäss heraussaugt.

Zusätzliche Informationen

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