Weisse Fliegen und Co.

Weisse Fliegen, Kohlweisslings-Raupen, Kartoffelkäfer oder Bohnenläuse versetzen den Gemüsegärtner in Alarm. Was kann man gegen diese Schädlinge tun?

Frostspanner
Frostspanner

Vorbeugen ist immer besser als heilen. Schon beim Einkauf des Saatgutes robuste Sorten wählen. Die Kulturen optimal pflegen, überdüngte oder unterernährte Pflanzen erweisen sich als anfälliger. Nützlinge fördern, Doldenblütler zum Beispiel ziehen Schwebfliegen an, deren Larven Unmengen von Blattläusen vertilgen. Doch eine wichtige Rolle beim Schädlingsbefall spielt das Wetter, und das können wir nicht selber machen.

Streift man im Garten eine Kohlpflanze, hat man das Gefühl, dass eine weisse Staubwolke aufwirbelt.
Streift man im Garten eine Kohlpflanze, hat man das Gefühl, dass eine weisse Staubwolke aufwirbelt.

Weisse Fliegen

In trockenen Spätsommern und im Herbst können sie in Massen auftreten. Streift man im Garten eine Kohlpflanze, hat man das Gefühl, dass eine weisse Staubwolke aufwirbelt. Die kaum 2 mm grosse Weisse Fliege wird aber auch im Gewächshaus an Tomaten, Gurken und verschiedenen Zierpflanzen lästig. Man findet sie und die gelblichgrünen Larven auf der Blattunterseite. Schaden entsteht durch das Saugen an den Blättern und durch die Honigtauausscheidung, auf der sich Russtaupilze entwickeln und die Assimilation der Blätter reduziert.

  • Vorbeugen: Gute Erfahrungen zur Abwehr der Weissen Fliege wurden auch mit der Giftbeere (Nicandra) gemacht: Wenn man sie im Gewächshaus einmal hat, versamt sie sich selber und man muss sie im Frühjahr sogar ausjäten. Die Wucherpflanze verträgt den Rückschnitt gut. Im Sommer kann Nicandra auch aufs Kohlbeet ins Freiland gesetzt werden.
  • Bekämpfung: In Gewächshäusern gelbe Farbtafeln, die mit Leim bestrichen sind, aufhängen. Bei starkem Befall «Natural» oder ein Pyrethrum-Mittel (am besten morgens) anwenden. Pyrethrum ist nicht nützlingsschonend, deshalb nur gezielt einsetzen. Wer diese Präparate anwendet, muss unbedingt darauf achten, dass beim Ausbringen auch die Blattunterseite erreicht wird.

Die Kohlweisslings-Raupe kann bis 4,5 cm lang werden. Um die Gruppendynamik einzudämmen sollte man sie einsammeln.
Die Kohlweisslings-Raupe kann bis 4,5 cm lang werden. Um die Gruppendynamik einzudämmen sollte man sie einsammeln.

Kohlweisslings-Raupen

Der grosse Kohlweissling ist ein relativ häufiger, milchweisser Falter mit einer Flügelspannweite von 5 bis 6 cm. Die Vorderflügel haben schwarze Spitzen. Die erste Generation tritt im Frühling an wild blühenden Kreuzblütlern auf. Die zweite Generation fliegt bis im Oktober, wenn die Kohlgewächse erntereif werden.

Die Raupen, sie können bis 4,5 cm lang werden, fressen an den Blättern und lassen meistens nur die Blattrippen stehen. Unappetitlich ist auch die Verschmutzung durch Kot. Bis sich die Raupen verpuppen, fressen sie vier Wochen an ihren Futterpflanzen.

  • Vorbeugen: Natürliche Feinde sind Schlupfwespenarten, welche in die Raupen ihre Eier ablegen. Auch für Vögel sind es Leckerbissen. Kohl in Mischkulturen mit Sellerie oder Tomaten pflanzen. Tomatenblätter auf Kohl legen oder den Auszug von Geiztrieben zur Geruchsüberdeckung verspritzen. Algenkalk stäuben. Kulturen mit Netzen schützen. Brennesseljauche zieht den Kohlweissling an. Sie wirkt aber Pflanzenstärkend und aktiviert das Bodenleben.
  • Bekämpfung: Kohlgewächse immer wieder kontrollieren. Die Eier, Puppen und Jungraupen einsammeln. «Delfin» (Andermatt Biogarten) ausbringen. Der in diesem Mittel enthaltene Bacillus-thuringiensis-Stamm zeigt nur gegen Raupen eine Wirkung. Innert Stunden hören sie auf zu fressen und sterben ab. Bei starkem Befall kann auch ein Rotenon-Pyrethrum-Mittel eingesetzt werden (abends).
Die Kartoffelkäfer überwintern 25 bis 50 cm tief im Boden, ab Mai beginnen sie ihren Reifungsfrass an den jungen Blättern, und im Juni legen die Weibchen an den Blattunterseiten paketweise ihre Eier ab.
Die Kartoffelkäfer überwintern 25 bis 50 cm tief im Boden, ab Mai beginnen sie ihren Reifungsfrass an den jungen Blättern, und im Juni legen die Weibchen an den Blattunterseiten paketweise ihre Eier ab.

Kartoffelkäfer

Wie die Kartoffel kam auch der Käfer ursprünglich aus Amerika. In Europa wird dieser Schädling erstmals 1877 in den Hafenanlagen von Liverpool gesichtet, von wo er sich dann über den ganzen Kontinent ausbreitete. Die Kartoffelkäfer überwintern 25 bis 50 cm tief im Boden, ab Mai beginnen sie ihren Reifungsfrass an den jungen Blättern, und im Juni legen die Weibchen an den Blattunterseiten paketweise ihre Eier ab. Sie können bis 400 Stück davon verteilen. Aus ihnen schlüpfen die Larven, die sich dreimal häuten. Da sich Käfer und Larven vom Kartoffelkraut ernähren, kommt es bei starkem Auftreten zu Ernteausfällen. Im gleichen Jahr kann sogar eine zweite Generation auftreten.

  • Vorbeugen: Leichtlösliche Mineraldünger vermeiden. Kartoffeln mit angerottetem Mist und Kompost düngen. Steinmehl oder Algenmehl je nach Boden einarbeiten. Junge Blätter mit Gesteinsmehl überstäuben, um den Kieselgehalt des Krautes zu erhöhen.
  • Bekämpfen: Pflanzen regelmässig kontrollieren und erste Käfer und Larven ablesen. Larven mehrmals mit Algen- oder Gesteinsmehl bestäuben. Bei grossen Flächen und starkem Auftreten Rotenon-Pyrethrum-Mittel spritzen oder stäuben. Nachbehandlung nach zwei Tagen. Andermatt Biogarten AG empfiehlt zur Bekämpfung von Kartoffelkäferlarven «Novodor 3FC». Dieses Mittel enthält einen spezifischen Bacillus-thuringiensis-Stamm, der bei den Larven des Kartoffelkäfers einen sofortigen Frassstop bewirkt. Die Behandlung ist nach 14 Tagen zu wiederholen. Der Kartoffelkäfer kann auch an anderen Nachtschattengewächsen wie Auberginen auftreten.
Blattläuse stechen Pflanzenzellen an und saugen diese aus.
Blattläuse stechen Pflanzenzellen an und saugen diese aus.

Bohnenblattlaus

Blattläuse stechen Pflanzenzellen an und saugen diese aus. Tritt die Schwarze Bohnenblattlaus an jungen Bohnen auf, verkümmern die Triebe, der Fruchtansatz wird verhindert.

  • Vorbeugen: Frühe Saaten werden kaum befallen. Bei Trockenheit giessen.
  • Bekämpfen: Erste Kolonien zerdrücken und darauf achten, ob nicht bereits Nützlinge am Werk sind.

Bei geringem Befall kann auch Rhabarbertee gespritzt werden. Bei starkem Befall «Natural» spritzen. Es enthält als Wirkstoff 51% Kaliumsalze natürlicher Fettsäuren. Diese Spezialseife zerstört die Wachsschicht auf der Insekten- und Milbenhaut. Weichhäutige Insekten verlieren so ihre wichtigste Schutzschicht. «Natural» schont im Gegensatz zu Pyrethrum-Mitteln Nützlinge wie Bienen, Marienkäfer und Florfliegen, nicht aber Raubmilben.

 

Zusätzliche Informationen

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