Gemüsebeete überwintern

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, den Gemüsegarten zu überwintern. Zwei Gartenbaulehrer zeigen, wie sie es machen.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, den Gemüsegarten zu überwintern.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, den Gemüsegarten zu überwintern.

Wintergemüse anbauen, Gründüngungen säen, mulchen, lockern oder umgraben? Der Bodentyp ist für diese Frage entscheidend. Das Ziel ist es, die Bodenstruktur zu erhalten oder zu verbessern und die Mikroorganismen, welche die Nährstoffe den Pflanzen verfügbar machen, möglichst wenig zu stören. Das Beste für die fruchtbare Erde ist es, die Beete zu bepflanzen. Die Wurzeln lockern den Boden und verhindern, dass er sich verdichtet. Nährstoffe werden weniger ausgewaschen. Im Frühling reicht es, eine dünne Schicht reifen Kompost zu streuen und mit dem Kräuel die Oberfläche zu lockern.

Im Winter Gemüse ernten

Bei Martin Kündig, Obergärtner und Gartenbaulehrer am Bildungszentrum Wallierhof in Riedholz, wachsen auf den Gemüsebeeten im Winter Rosenkohl, Winterlauch, Zuckerhut, Winterblumenkohl und Nüsslisalat. Er schütze das Gemüse nicht, das draussen bleibt. Ein Problem für die Gemüse seien nicht die tiefen Temperaturen, sondern der Wechsel zwischen Gefrieren und Auftauen. Und unter dem Schnee fangen die Blätter von Zuckerhut an zu faulen. «Da hilft ein Vlies, aber nötig ist es nicht, die äusseren Blätter werden sowieso abgerüstet.» Wichtig ist, die Wintergemüse von Anfang an in die Gartenplanung einzubeziehen und sie rechtzeitig zu säen und zu pflanzen.

Rosenkohl im Winter
Rosenkohl im Winter

Rosenkohl muss man im Mai säen und im Juni pflanzen. Ende August, wenn die untersten Röschen einen Durchmesser von einem Zentimeter haben, ist die Triebspitze auszubrechen, damit alle Rosen ausreifen. Je nach Sorte ist zwischen November und März Erntezeit. Nach dem ersten Frost gepflückt, ist Rosenkohl feiner im Geschmack.

Winterlauch wird im April gesät und im Juni/Juli tief gepflanzt. Die Schäfte anhäufeln, um sie vor der Kälte zu schützen. Ernten kann man von Oktober bis April bei ungefrorenem Boden.

Zuckerhut im Juni säen und von Mitte Juli bis Mitte August setzen. Er erträgt Fröste bis -10 °C und kann von Oktober bis Februar geerntet werden. Nach einem Frost ist er weniger bitter. Zuckerhut ist im Lager nicht lange haltbar. Deshalb ist es besser, ihn bis zur Ernte auf dem Feld zu lassen.

Nüsslisalat von Mitte September bis Mitte Oktober breitwürfig oder in Reihen säen, bis im November mit Vlies decken, um die Herbstwärme optimal zu nutzen. Später besteht unter dem Vlies die Gefahr, dass er zu faulen beginnt. Ernten nur, wenn die Blätter nicht gefroren sind, sonst welken sie schnell oder faulen.

Für den Winteranbau eignen sich auch Federkohl, Winterportulak, Winterschnittsalat und Spinat.

Überwintern für den Frühling 

Winterblumenkohl Anfang Juli säen und Ende August/Anfang September pflanzen. Er darf nicht zu klein in den Winter, sonst erfriert er. Im Herbst anhäufeln, so läuft das Wasser besser ab und er fault weniger. Winterblumenkohl erträgt kurze Fröste bis -10 °C, bei längeren Frostperioden ist ein Vlies oder eine 20 cm hohe Laubschicht vorteilhaft. Im April/Mai ist Erntezeit. Überwinterter Blumenkohl ist zarter im Geschmack und bleibt von Schädlingen verschont.

Für die frühe Frühlingsernte lassen sich auf den Beeten auch Winterkopfsalat, Winterkefen, Zichoriensalate, Zwiebeln, Knoblauch oder Krautstiel überwintern. 

Umgraben

Die Arbeit mit dem Spaten durchmischt die Bodenschichten, das heisst, die unfruchtbare mineralische Schicht kommt an die Oberfläche und überdeckt den fruchtbaren Humus, die Bodenlebewesen werden gestört. Die Schollen nach dem Umstechen haben die grössere Oberfläche als das flache Beet, der Regen wäscht deshalb mehr Nährstoffe aus. «Das Umgraben hat viele Nachteile. Ich empfehle es nur bei Lehmböden. Diese eignen sich wegen der Staunässe nicht gut für den Anbau von Wintergemüse», sagt Martin Kündig. Mit Umgraben lässt sich die Struktur dieser schweren Böden verbessern. Einerseits sprengt das in den Bodenporen gefrorene Wasser die groben Schollen, andererseits lässt sich Sand einarbeiten, und Mist oder Frischkompost fördert die Aktivität der Mikroorganismen. Bis im Frühling sind die Bodenverbesserer abgebaut; der Stickstoff, der dafür nötig ist, wird nicht den Pflanzen weggenommen. Ein weiterer Vorteil ist, dass Schneckeneier und andere Schädlinge an die Oberfläche kommen, wo sie erfrieren oder von Vögeln gefressen werden.

Vor dem Umstechen verteilt Martin Kündig drei Schaufeln Kompost oder drei Gabeln Mist pro Quadratmeter, sofern es nicht noch Erntereste auf dem Beet hat. Dann sticht er mit dem Spaten Stück für Stück ab und wendet es. Im Frühling lockert er die umgegrabenen Beete oberflächlich mit dem Kräuel.

Gründüngung 

Im Herbst bauen die Bodenlebewesen in den noch warmen Böden die Pflanzenreste ab. Der Regen wäscht über den Winter die Nährstoffe, die dabei entstehen, aus, wenn Pflanzen sie nicht aufnehmen. Eine Gründüngung reduziert deshalb den Nährstoffverlust. Urs Streuli, Gärtner, Lehrer und Berater an der hauswirtschaftlichen Fachschule Ebenrain in Sissach, verwendet Wickhafer, eine Mischung aus Sommerwicke und Sommerhafer, und Phacelia als Gründüngung. Sie sind nicht winterhart, gefrieren ab, was im Frühling die Bearbeitung der Beete erleichtert. Urs Streuli sät Ende August bis Mitte Oktober auf die abgeernteten Beete. Vor dem ersten Schnee oder Frost ist früh gesäte Gründüngung mit der Sense oder einer Grasschere zu mähen. «Wenn die Pflanzen hoch sind, ziehen sie Mäuse und Schnecken an.» Das Schnittmaterial kommt als Mulch auf leere Flächen. Mit dieser Decke verschlammt der Boden nicht, wenn es regnet. Auch Ernterückstände, Stroh, Gras oder Rasen dienen als Mulchdecke. Rasenschnitt darf nur dünn auf der Erde liegen, da er sonst verklebt und zuwenig Luft durchlässt. Laub hat den Nachteil, dass der Wind es fortbläst und es bis im Frühling nicht abgebaut ist.

Tief lockern

Im Herbst ist entweder noch Gemüse oder eine Gründüngung auf den Beeten oder der Boden ist mit Mulch bedeckt. Deshalb lockert Urs Streuli erst ab Januar mit der Grabgabel, wenn das Gemüse geerntet ist, die Gründüngung abgefroren und die Mulchschicht zum grössten Teil abgebaut ist. Für die tiefe Lockerung stösst Urs Streuli die Grabgabel ganz in den Boden, hebt die Erde leicht an und bewegt die Gabel von sich weg. Dieses Lockern durchlüftet, ohne die Bodenschichten zu mischen oder die Kleinstlebewesen zu stören. Erst im Frühjahr wird kurz vor der Saat oder Pflanzung von Mittel- bis Starkzehrern ein bis zwei Schaufeln Kompost pro Quadratmeter verteilt und mit dem Kräuel leicht eingearbeitet.

Zusätzliche Informationen

ImagePoint (John E. Cubly) und istockphoto Artikel drucken