So bleibt der Schwimmteich länger warm

Vom zeitigen Frühling bis zum späten Herbst im angenehm temperierten, sauberen und biologisch gereinigten Schwimmteich baden – welch verlockende Aussicht! Eine Solarheizung macht dies möglich.

Schwimmteiche lassen sich mit einer Solarheizung problemlos beheizen.
Schwimmteiche lassen sich mit einer Solarheizung problemlos beheizen.

Biologische Schwimmteiche sind eine Mischung zwischen Swimmingpool und Biotop: Sie sind so gross wie Schwimmbäder, aber die Aufbereitung und Reinigung des Wassers erfolgt nicht über chemische Zusatzstoffe, UV-Strahlen oder Ultraschall, sondern biologisch und mechanisch wie in einem natürlichen Gewässer. Schwimmteiche sind meist Zweikammersysteme, die aus einer tiefen Schwimmzone und einer flachen, mit Sumpf- und Wasserpflanzen angereicherten Regenerationszone (Biofilter) bestehen. Gewächse, Mikroorganismen, Umwälzung und Grobfilter (Skimmer) halten das Wasser sauber. So bleibt das künstlich angelegte Gewässer ein Biotop, das Tieren und Pflanzen Lebensraum bietet.

Problemlos heizen

Von April bis Oktober bei einer Wassertemperatur von 22 bis 24 °C im hauseigenen Schwimmteich zu baden, klingt fast zu gut, um wahr zu sein. Der Gedanke, dass biologisch unterhaltene Anlagen geheizt werden können, mag im ersten Augenblick erstaunen. Denn: Sind diese Temperaturen für Wasserpflanzen überhaupt erträglich? Ist nicht anzunehmen, dass sich Bakterien bei diesen Voraussetzungen vermehren? Und woher stammt die Energie, mit welcher man den Teich nach ökologischen Gesichtspunkten heizen will? Der begeisterte Bioteichbauer Hans Graf weiss auf diese Fragen Antworten: «Schwimmteiche zu beheizen ist absolut unproblematisch», sagt er. «Fast alle Pflanzen, die verwendet werden, kommen auch in wärmeren Klimazonen vor. Möglicherweise wachsen sie dann üppiger, doch da hätte gewiss niemand etwas dagegen.»

Und was ist mit den Bakterien? In Deutschland und Österreich darf Badewasser wegen potenzieller Verkeimung nicht über Wärmekreisläufe geführt werden. «Dies ist eine rein theoretische Annahme und konnte bislang nicht nachgewiesen werden. In der Schweiz bestehen keine entsprechenden Vorschriften», so Graf. Trotzdem empfiehlt er, die Kreisläufe voneinander zu trennen und das Wasser im Badeteich über einen Plattenwärmetauscher oder mit im Boden eingebauten Wärmeschlangen zu heizen.

Freie Wärme

Freilich kann es bei einem Schwimmteich kein Anliegen sein, fossile oder Kernenergie zu nutzen. Geheizt wird mit Sonnenkraft. «Entscheidend ist der Höhenunterschied zwischen Teich und Sonnenkollektoren beziehungsweise Wärmetauscher», sagt Hans Graf. Diese Differenz bestimmt, welches System zum Einsatz kommt und ob ein oder zwei Kreisläufe möglich sind.

Auch die Kombination mit der Aufbereitung von Warmwasser für den Haushalt ist ökologisch sinnvoll. «Da in der Übergangszeit, also April/Mai und September/Oktober, die Erwärmung des Boilerwassers nur noch ­einen Bruchteil der eingefangenen Solarenergie in Anspruch nimmt, steht für den Schwimmteich bereits Wärme zur Verfügung», merkt Hans Graf an. Als weitere Quelle bieten sich Erdsondenheizungen an: «Mit deren Leistungsfähigkeit haben wir noch keine Erfahrung, aber technisch wären die Kreisläufe gleich», sagt Hans Graf.

Haus am See

Einst ragte in Lauterbrunnen ein viel zu kleiner Balkon in einen vernachlässigten Flecken Erde hinaus. «Uns blieb für den Unterhalt des Gartens einfach keine Zeit», erinnern sich Andrea und Beat von Allmen, Eltern dreier Buben und Inhaber des Hotels Silberhorn. Statt des Balkons liess das Ehepaar im vergangenen Jahr einen Schwimmteich einbauen. Die Konstruktion ist aussergewöhnlich: Das Becken wurde nicht wie üblich in den Boden versenkt, sondern darauf errichtet und ummauert.

Dies hat Vorteile: Der Teich ist ohne Höhenunterschied vom ersten Stock aus über eine Holzterrasse zugänglich. Von der Strasse sieht man nur eine Mauer – die Privatsphäre der Badenden ist gewahrt. «Es ist, als würden wir am See wohnen», schwärmt Andrea von Allmen. Im Frühling wurden Solarzellen aufs Hausdach montiert. Beat von Allmen ist begeistert: «Dies ermöglicht es uns, auch noch im Herbst zu baden.» Und seine Frau, die schon frühmorgens gerne schwimmt und Aquafitness betreibt, ist glücklich: «Dank der Heizung kann ich dies noch öfter tun.»

Familienmittelpunkt

Bei Swimmingpools werden solarthermische Heizungsanlagen bereits standardmässig eingesetzt. Auf Schwimmteiche muss das System allerdings angepasst werden. Familie von Allmen hat sich für zwei Kreisläufe entschieden. Scheint die Sonne, wird die Pumpe des Warmwasserkreislaufs automatisch eingeschaltet. Das Wasser wird zu den Sonnenkollektoren auf dem Hausdach und anschliessend durch die kupfernen Wärmeschlangen im Teichboden geleitet. Hier wird die Wärme ans Badewasser abgegeben, welches sich an einem vollsonnigen Tag um 2 bis 3 °C aufheizen lässt. «Nachts kühlt es um ­1 °C wieder ab», erklärt Hans Graf. Im Gegensatz zum Wasser im Teich wird jenes des gesonderten Kreislaufs jeden Winter entleert, da sonst die Kollektoren bei eisigen Temperaturen Schaden nehmen würden.

Die Söhne Florian, Julian und Noa erleben die Jahreszeiten dank des Badeteichs hautnah: «Im Sommer gehen wir mit ihnen baden, im Herbst lassen wir Schiffchen fahren und im Winter beobachten wir die Bildung und Schmelze des Eises», berichten die Eltern. «Der Badeteich ist zum Mittelpunkt unseres Familienlebens geworden.»

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