Architektur-Reportage: Erweiterte Geschichte

Eine bereichernde Zusammenarbeit von Architekten und Denkmalpflege: Im dicht bebauten Berner Kirchenfeldquartier ist ein altes Haus erweitert worden.

Begrüntes Flachdach
Begrüntes Flachdach

(msc) Ein Doppeleinfamilienhaus fällt im Berner Kirchenfeldquartier mit würdevollen alten Häusern durch einen neuen Anbau auf – oder fällt eben nicht auf: Zwar hebt sich der an die schmuck verglaste Laube des alten Hauses angebaute Gebäudekörper durch seine Hülle aus Glas und Aluminium ab. Doch er ist so niedrig gebaut, dass man vom parallel verlaufenden Trottoir hinter dem Zaun wörtlich darüber hinweg sieht.

Direkt ans Nachbarhaus schliesst der Erweiterungsbau mit begrüntem Flachdach an, der Zugangskorridor verbindet – durch die Tieferlegung gegenüber der Strasse ziemlich unscheinbar gemacht – den neuen Teil mit der alten Laube.

In die L-Form des Anbaus eingebettet liegt ein hofartiger Raum mit grosszügigem Sitzplatz und Grünfläche.
In die L-Form des Anbaus eingebettet liegt ein hofartiger Raum mit grosszügigem Sitzplatz und Grünfläche.

Erweiterung trotz Denkmalschutz

Hinter diesem Ende 2004 fertig gestellten Erweiterungsbau steckt eine intensive Planungsgeschichte. Während Jahren bewohnte die Besitzerfamilie mit ihren Kindern das dreistöckige Doppeleinfamilienhaus aus dem Jahr 1897. Sowohl das Haus als auch der Aussenraum sind denkmalgeschützt. Nachdem die Kinder ausgeflogen waren, wurde das Haus dem Ehepaar zu gross – aber um zwei Wohnungen daraus zu machen, boten die vorhandenen Räume zu wenig Platz. Deshalb musste das Erdgeschoss erweitert werden.

Die Verglasung der Laube ist als eine der letzten in Bern so erhalten geblieben.
Die Verglasung der Laube ist als eine der letzten in Bern so erhalten geblieben.
Stufen führen in den tiefer gelegenen Anbau hinunter - dadurch fällt er von der Strasse her noch weniger auf.
Stufen führen in den tiefer gelegenen Anbau hinunter - dadurch fällt er von der Strasse her noch weniger auf.

Damit der neue Teil nicht zu mächtig würde, planten die Architekten Andreas Herzog und Andreas Wenger vom Berner Büro W2H Architekten tief und flach: Ein eingeschossiger Anbau mit Flachdach sollte auf eine Höhe zwischen Parterre und Keller des alten Hauses zu liegen kommen – das entsprach auch dem Gelände im Garten gut.

Bücher als Sichtbarriere

Der Zugangskorridor ist vollständig verglast, durch die fest eingebauten Tablare bietet sich aber auf der Seite zur Strasse die Möglichkeit, die Einsicht ins Private durch Bücher und Gegenstände beliebig zu reduzieren. Mit der regelmässigen Teilung im hohen Format wurde die Gestaltung der Laube aufgenommen. Der als Büro genutzte Wohnraum und der Schlafraum sind zum hofartigen Garten und Sitzplatz und zur Strasse hin ebenfalls verglast, die schmale Seite im Schlafzimmer und die Rückwand haben kein Fenster.

Das Badezimmer mit Dusche und Oberlicht wird zum Raumtrenner zwischen Büro und Schlafzimmer.
Das Badezimmer mit Dusche und Oberlicht wird zum Raumtrenner zwischen Büro und Schlafzimmer.

Obwohl Aluminium und Glas den Erweiterungsbau von aussen prägen, ist es im Grunde ein Holzbau. Doch auch im Innern ist der Holzcharakter durch eine graue Lasur zurückgenommen. Die äussere Metall-Verkleidung wählten Herzog und Wenger, damit der neue zum alten Bau einen Kontrast bildet – und weil sie sehr dauerhaft ist.

Hofartiger Garten dank Näherbaurecht

Zwei Spezialfälle prägten die Planung: Die Denkmalpflege und der Grenzabstand. Die Zusammenarbeit mit der städtischen Denkmalpflege bezeichnen die Architekten als bereichernd. Sie habe gut mitgeholfen, die Verbindung von Altem und Neuem zu schaffen. Der hofartige Garten konnte dank dem so genannten Näherbaurecht entstehen. Da der Nachbar vor langer Zeit die Erlaubnis erhalten hatte, bis auf die Grenze zu bauen, durfte die Besitzerfamilie dies bei ihrem Erweiterungsbau jetzt ebenfalls tun.

Andreas Herzog und Andreas Wenger von W2H Architekten
Andreas Herzog und Andreas Wenger von W2H Architekten

Andreas Herzog (links) und Andreas Wenger sind seit 2001 als selbstständige Architekten tätig, seit 2004 zusammen mit Adrian Habegger als W2H Architekten.

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