Architektur-Reportage: Geradlinig wohnen

Im neu entstandenen Burgdorfer Choserfeldquartier stehen Kuben und kubenähnliche Bauten in Reih und Glied. Einer davon ist ein Winkelbau, der erst im Innern Farbe bekennt.

Im neu entstandenen Burgdorfer Choserfeldquartier stehen Kuben und kubenähnliche Bauten in Reih und Glied. Einer davon ist ein Winkelbau, der erst im Innern Farbe bekennt.
Im neu entstandenen Burgdorfer Choserfeldquartier stehen Kuben und kubenähnliche Bauten in Reih und Glied. Einer davon ist ein Winkelbau, der erst im Innern Farbe bekennt.

(mei) Im Kaleidoskop der Farben, welches das Choserfeld beherrscht, wirkt das L-förmige Einfamilienhaus auf den ersten Blick ein wenig unauffällig. Es ist weder mint, apricot, rot, blau oder orange wie seine Nachbarn, sondern in einem schlichten Graubraun gehalten. Dass dies nicht gleichbedeutend mit langweilig ist, erkennt, wer Zutritt zum Gebäudeinnern erlangt:

Elternschlafzimmer
Elternschlafzimmer

Die Innenwände zeugen von einem spielerischen Umgang mit Farbe. Im Erdgeschoss ziert ein leuchtendes Rot eine Wand im Wohnzimmer und in der Küche, und im Obergeschoss schlafen die Eltern an einer hellblauen Wand, während in den Kinderzimmern ein zartes Hellgelb je eine Wand bedeckt.

Wohnzimmer und Küche
Wohnzimmer und Küche

Alle übrigen Wände, die Einbauschränke und die Kücheneinrichtung sind in einem hellen Ton gehalten. Das ist kein Zufall: Martin Aeschlimann, der für den Bau verantwortliche Architekt, empfiehlt, Wände statt Einbauschränke mit Farbe zu gestalten, weil diese vergleichsweise einfach wieder überstrichen werden können, falls die Farbe nicht mehr gefällt. Die Decken sind aus Fichtenholz, für die Böden fiel die Wahl auf Eichenparkett mit weisser Ölung, das im Raum für eine milde Stimmung sorgt. In der Küche und in den Badezimmern wurden fugenlose Böden eingesetzt.

Kinderzimmer
Kinderzimmer
Esszimmer
Esszimmer

L-förmiger Grundriss

Der Winkelbau ist entstanden, weil die Bauherren zwar einen Kubus wollten, aber Kochen / Essen und Wohnen doch getrennt bevorzugten. Mit dem L-förmigen Grundriss kann diesem Bedürfnis Rechnung getragen werden. Dem Winkel kommt auch eine ästhetische Funktion zu: Er erzeugt eine harmonische Verbindung zur vorgelagerten letzten Häuserzeile des Choserfeld-Quartiers.

Wohnzimmer
Wohnzimmer

Der Nachteil des Winkelbaus liegt in der höheren Verkehrsfläche, die benötigt wird. Zudem vergrössert sich die Fassadenoberfläche, was den Energieverbrauch negativ beeinflusst. Das Gebäude erreicht denn auch nicht ganz den Minergiestandard, für den man Fenster mit besserer Wärmedämmung hätte wählen müssen. Als Kompensation für den höheren Wärmebedarf des Gebäudes unterstützen auf dem Dach Sonnenkollektoren die Gasheizung.

Obergeschoss
Obergeschoss
Treppenhaus
Treppenhaus

Und wie fühlt es sich an, in einem futuristisch anmutenden und in wenigen Jahren entstandenem Quartier zu wohnen, in dem Formeinheit mit Farbenvielfalt den Ton angibt? Die Bauherren geben zu bedenken, dass die Bewohner in einem bestehenden Quartier heterogener zusammengesetzt wären. Da sie aber an einer anderen Lage nicht anders gebaut und zwei Jahre erfolglos nach einem bestehenden Haus in Burgdorf gesucht hätten, sei der Entscheid für das Choserfeldquartier ausgefallen. Und die Lage, die sei toll. Der weite Blick über die Hügel kann das nur bestätigen.

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