Architektur-Reportage: Gelungenes Experiment

Im Quartier Choserfeld der Gemeinde Burgdorf ist in den letzten vier Jahren eine aussergewöhnliche und dabei ausgesprochen familienfreundliche Einfamilienhaus-Siedlung entstanden.

Entstanden ist eine von weitem gesehen homogene, in der Ausgestaltung der einzelnen Gebäude aber doch heterogene Überbauung.

(stö) Die Burgergemeinde Burgdorf hat im Choserfeld 74 Einfamilienhaus-Parzellen im Baurecht abgegeben. Entstanden ist eine von weitem gesehen homogene, in der Ausgestaltung der einzelnen Gebäude aber doch heterogene Überbauung. Dies fernab eines Retortenquartiers, zumal praktisch jedes Haus individuell gebaut worden ist. Mit dem Ergebnis zeigt sich die Burgergemeinde sehr zufrieden, wie Domänenverwalter Werner Kugler auf Anfrage bestätigt. Auch werde diese Einschätzung vom überwiegenden Teil der Anwohner und Anwohnerinnen geteilt. Gleichzeitig freut es die Burgergemeinde Burgdorf, dass die Gesamtüberbauung – von der Landerschliessung bis zur Fertigstellung der letzten Häuser – in verhältnismässig kurzer Zeit erfolgen konnte.

Das Reglement sah eine seitlich verdichtete Bauweise vor.

Verdichtete Bauweise

Bis zu einem gewissen Grad bedingte die Überbauungsordnung eine Vereinheitlichung der Formen, zumal die Anzahl der Geschosse auf zwei festgelegt worden war und Flach- oder Pultdächer mit einer Neigung von maximal acht Grad vorgeschrieben wurden. Zudem sah das Reglement eine seitlich verdichtete Bauweise vor. Der Grenzabstand von rund 5 Metern und die zum Teil grosszügigen Vorgärten bieten den Bewohnern aber dennoch reichlich Umschwung.

Während die einen gegen Süden - und damit in Richtung der Vorgärten - raumhohe Verglasungen ausgelesen und die Kuben seitlich zum Teil ganz geschlossen erstellt haben, entschieden sich andere für traditionellere Fassadengestaltungen mit harmonisch verteilten Fensterflächen.

Spiel mit Glas und Licht

Unterschiede treten jedoch bei der Umsetzung dieser Vorgaben zu Tage. Vor allem bei den Fassadenformen haben die jeweiligen Bauherrschaften und Planer verschiedene Ansätze gewählt. Während die einen gegen Süden – und damit in Richtung der Vorgärten – raumhohe Verglasungen ausgelesen und die Kuben seitlich zum Teil ganz geschlossen erstellt haben, entschieden sich andere für traditionellere Fassadengestaltungen mit harmonisch verteilten Fensterflächen. Eine weitere Auflage der Überbauungsordnung lautete, dass die Garagen den Häusern entsprechend im gleichen Stil gehalten sind. Auch sind die im Quartier angelegten Strassen für Motorfahrzeuge nicht durchgehend, die Zufahrt zu den Häusern erfolgt vielmehr über Tangenten um das Choserfeld herum.

Praktisch allen Liegenschaften liegt ein minimalistischer, schnörkelloser Ansatz mit klaren, einfachen Formen zu Grunde.

Minimalistischer Ansatz

Praktisch allen Liegenschaften liegt ein minimalistischer Ansatz mit klaren Formen zu Grunde. Entsprechend fühlt sich der Betrachter an Avantgarde-Bauten aus dem vergangenen Jahrhundert dies- und jenseits des Atlantiks erinnert. Und während viele der Häuser von beeindruckender Schönheit sind, reflektieren andere Bauten im Choserfeld dann doch eher persönliche Vorlieben.

Die farblichen Kontraste zwischen einigen der Bauten könnten nicht grösser sein.

Buntes Quartier

Als grosse Waldbesitzerin ist die Burgergemeinde erfreut über den hohen Anteil an Holzhäusern: «Das Choserfeld illustriert in anschaulicher Weise Gestaltungsmöglichkeiten des zeitgemässen Holzbaus im Bereich der Einfamilienhäuser», erläutert Werner Kugler. Die farblichen Kontraste zwischen einigen der Bauten könnten allerdings nicht grösser sein. So korrespondieren einzelne Häuser farblich weniger miteinander als sie kollidieren. Gesamthaft entsteht durch die Farbgebungen im Quartier ein skandinavischer Eindruck.

Die grosse Anzahl von Sonnenkollektoren auf den Dächern weist auf einen zeitgemässen Umgang mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen hin.

Zeitgemässer Umgang mit Ressourcen

In Bezug auf die Energienutzung und Wärmedämmung hat die Gemeinde keine besonderen Vorschriften erlassen. Laut Burgergemeinde sind die Häuser aber mehrheitlich im Minergie-Standard errichtet worden und die grosse Anzahl von Sonnenkollektoren auf den Dächern weist zudem auf einen zeitgemässen Umgang mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen hin. Dies bestätigt auch Werner Kugler: «Im Choserfeld haben vor allem jüngere Leute mit vielen Kindern gebaut, und diese Generation ist fürs Energiesparen vermehrt sensibilisiert.»

Mit der Zeit dürften aus den jetzigen Quartierwegen kleine Alleen entstehen.

Kleine Alleen

Mittlerweile ist auch ein Quartierkindergarten hinzugekommen. Daneben besteht ein Gemeinschaftsraum, der gemäss kantonaler Bauordnung erstellt wurde. Derzeit suche die Burgergemeinde noch nach einem geeigneten Konzept, um diesen Raum künftig einer Trägerschaft übergeben zu können, sagt Domänenverwalter Kugler. Eine weitere Aufwertung erfährt das Choserfeld durch die letzten Baumbepflanzungen, die nun vorgenommen werden. Mit der Zeit dürften so aus den jetzigen Quartierwegen kleine Alleen entstehen, welche die reizvolle Lage und die gelungene Ambiance des Quartiers zusätzlich unterstreichen.

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