Architektur-Reportage: Komfortabel sparen

Grosse helle Räume, einheimische Steine und Hölzer, warme Wintertage ohne zu heizen: In einem Minergie-P-Haus in Heimiswil sind Komfort und Ökologie vereint.

Mit einer schiffsbugartig ins Tal hinaus gezogenen Ecke fällt der Balkon, der im oberen der zwei Geschosse halb ums Haus führt, ins Auge.
Mit einer schiffsbugartig ins Tal hinaus gezogenen Ecke fällt der Balkon, der im oberen der zwei Geschosse halb ums Haus führt, ins Auge.

(msc) Wenige Kilometer von Burgdorf steht im ländlichen Dorf Heimiswil ein Einfamilienhaus, das eigentlich ziemlich normal aussieht: Ein Schrägdach mit Ziegeln, eine Fassade aus roher Holzverschalung, einige grossflächige Fenster, ein Garten rundherum. Mit einer schiffsbugartig ins Tal hinaus gezogenen Ecke fällt der Balkon, der im oberen der zwei Geschosse halb ums Haus führt, ins Auge.

Minimaler Energiebedarf

Das Haus mit insgesamt 150 Quadratmeter Wohnraum hat es aber in sich. Der Minergie-P-Standard lässt die Nebenkosten der Bewohner schrumpfen. Eine Bodenisolation aus Schaumglas (Foamglas), eine rund 40 Zentimeter dicke Isolationsschicht in den Wänden, Komfortlüftung, dreifach verglaste Fenster, Sonnenkollektoren und Stückholzheizung für Warmwasserproduktion und Heizung sowie Haushaltgeräte der Energieklasse A senken den Energiebedarf auf ein Minimum. Als Zugabe speisen Sonnenzellen (Photovoltaikanlage) auf dem Dach Strom ins Netz ein.

Holz und Stein im Essbereich: Der Granit stammt aus dem Tessiner Onsernonetal.
Holz und Stein im Essbereich: Der Granit stammt aus dem Tessiner Onsernonetal.

Baumaterial aus der nahen Natur

Das Anliegen der Bauherrschaft war, mit möglichst natürlichen und einheimischen Materialien den Minergie-P-Standard zu erreichen. Vieles stammt deshalb aus der näheren oder weiteren Umgebung: Handwerker aus dem Emmental verarbeiteten Holz aus dem Emmental, Mergel aus dem Berner Oberland, Sandstein vom Bodensee, Granit aus dem Tessin.

Birnbaum im Büro: Das Holz zeigt schöne Maserungen und einen rot-braunen Farbton.
Birnbaum im Büro: Das Holz zeigt schöne Maserungen und einen rot-braunen Farbton.

Die Küche fertigte ein Schreiner aus Kirschenholz, der Parkett im Wohnzimmer ist in hellem Ahorn gehalten, im Büroraum /Gästezimmer im Untergeschoss bewegt man sich auf einem seltenen Birnbaumparkett; alles massiv und mit Öl behandelt. Die Wände sind mit Sumpfkalk verputzt: Gebrannter Kalkstein mit Wasser wurde von Hand aufgetragen, was optisch eine interessante Struktur und dank der Fähigkeit des Materials, Feuchtigkeit aufzunehmen, ein angenehmes Klima ergibt.

Die Heizung im Zentrum: Mit modernem Ofenbänkli zum Wohnraum und viel Stauraum in Schränken zur Küche hin.
Die Heizung im Zentrum: Mit modernem Ofenbänkli zum Wohnraum und viel Stauraum in Schränken zur Küche hin.

Zentrale Holzheizung

Zum angenehmen Klima verhilft auch der grosse Stückholzofen in der Mitte des Hauses. Er unterteilt das ganze obere Geschoss. Dieses besteht – abgesehen von einer kleinen Toilette – aus einem einzigen grossen Raum mit hoher Decke. Der Ofen selber ist auf drei Seiten von einer Mauer umgeben, auf einer Seite ist der Zugang frei zum Befeuern. Zum Eingang hin sind Einbauschränke und die Garderobe an der Mauer installiert, zur Küche ebenfalls Schränke und Geräte. Auf der Seite zum Wohnzimmer schliesslich gibt es eine fest angebaute Bank und eine grosse Specksteinfläche.

Die Wärme des Ofens wird einerseits direkt an den Erdgeschossraum abgegeben, anderseits über ein Fussbodenregister im Untergeschoss verteilt. Die Restwärme heizt den zentralen Speicher auf. Nach der Erfahrung der Bewohner genügt es im Winter, alle zwei bis drei Tage mit gegen acht Kilogramm Holz einzuheizen. Bei kaltem, aber sonnigem Wetter sei nicht einmal das nötig. Da bei der Verbrennung eine Temperatur von 800 °C erreicht wird, setzt der Ofen deutlich weniger Feinstaub frei als etwa Cheminées. Pro Jahr brauchen die Bewohner bloss zwei bis drei Ster Holz für Heizung und Warmwasser.

Roger Weber und Christoph E. Schneider
Roger Weber und Christoph E. Schneider

Realisation

Für den Architekten Christoph E. Schneider (rechts im Bild) war es eine Herausforderung, die natürlichen Materialien so einzusetzen, dass sie funktionieren und der Minergie-P-Standard erreicht wird. Das in Halbelementbauweise konstruierte Haus wurde 2004 in sechs Monaten erstellt und kostete 800 000 Franken. Das Burgdorfer Architekturbüro Schneider Partner AG hat schon über ein Dutzend Minergie-Projekte realisiert. Roger Weber (links) und seine Partnerin sind die Bauherrschaft.

Zusätzliche Informationen

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