Architektur-Reportage: Kompakter Kupfer

Auf einem Grundstück in einem Einfamilienhausquartier in der Region Bern haben Covas Hunkeler Wyss Architekten ein überraschendes Haus gebaut: Durch die Kupferblechfassade erhält der einfache Baukörper eine poetische Ausstrahlung.

Die Hülle des kompakten Hauses ist mit Kupferblech in einem traditionellen Winkelfalzsystem ausgeführt.
Die Hülle des kompakten Hauses ist mit Kupferblech in einem traditionellen Winkelfalzsystem ausgeführt.

In Jegenstorf haben die Architekten Christine Covas, Pascal Hunkeler und David Wyss inmitten eines heterogen gewachsenen Einfamilienhausquartiers ein ungewöhnlich einfaches Haus geplant. Ein üppiger Heckengürtel umgab das zwei Parzellen umfassende, grosse Grundstück. Die spezielle Lage am Ende der Quartierstrasse bedurfte einer besonderen Ausformulierung des Baukörpers. Er sollte eine Präsenz im Quartier markieren, ohne mit einem prunkvollen Volumen aufzufallen.

Die Suche nach der Hülle

Hier galt es, eine angemessene Lösung für zwei Personen zu finden, die den Alltag ausblenden und das Leben geniessen wollen. Die Bauherren traten mit präzisen Vorstellungen an Covas Hunkeler Wyss heran. Neben einer klaren Funktionstrennung im Hausinnern hatte die Diskussion über das Fassadenmaterial hohe Priorität. Das Ehepaar wünschte sich einen dauerhaften, unterhaltsarmen Baustoff. Holz kam dadurch nicht infrage. Auch Sichtbeton schlossen die zukünftigen Bewohner aus. Backstein passte für die Architekten nicht in den Kontext des Quartiers. So begann eine intensive Suche nach der geeigneten Hülle.

Einfaches System, hochwertiges Metall

Der Einsatz einer herkömmlichen Metallbaufassade musste, da diese bei den eher kleinen Flächen nicht erschwinglich war, verworfen werden. Dies führte zu Gesprächen mit einem unkonventionellen Spengler und zu einem traditionellen Winkelfalzsystem als Konstruktion. Diese ist so effizient, dass in der Gesamtrechnung ein edles Material wie Kupfer gewählt werden konnte. Nach dem Entscheid, das Kupferblech über das ganze Haus zu ziehen, entwickelte das Projekt eine Eigendynamik. Für die Architekten war klar, dass der Baukörper möglichst einfach zu halten war, um sich nicht in komplizierten Konstruktionen zu verlieren.

So wurde die Garage, wie zu Beginn von der Bauherrschaft gewünscht, nicht ins Haus integriert, sondern ausgelagert. Heute steht am Rand des Grundstücks ein eingeschossiges, klar geschnittenes Volumen, das einerseits Carport und andererseits ein kleiner Abstellraum ist. In dessen Verlängerung befindet sich der schmale, lang gestreckte Pool. Sowohl Schwimmbad wie auch Garage sind aus Sichtbeton und bilden einen farblich angenehmen Gegensatz zur grünen Wiese und der dunkel patinierten Haut des dreigeschossigen Hauses.

Offener Lebensraum

Tritt ein Besucher über die Schwelle des Hauses, erwartet ihn ein kreuzförmiger, nach allen vier Seiten offener Lebensraum mit Küche, Ess- und Wohnbereich.
Tritt ein Besucher über die Schwelle des Hauses, erwartet ihn ein kreuzförmiger, nach allen vier Seiten offener Lebensraum mit Küche, Ess- und Wohnbereich.

Umrahmt von Wiese, hohen Bäumen und dicht gewachsenen Büschen, strahlt der schlichte Baukörper mit Giebeldach eine ruhige Selbstverständlichkeit aus. «Das Zusammenspiel von Baukörper, Fassade und Heckenbepflanzung macht die Präsenz des Hauses aus», umschreiben die Architekten ihren Entwurfsansatz. Tritt ein Besucher über die Schwelle des Hauses, erwartet ihn ein kreuzförmiger, nach allen vier Seiten offener Lebensraum mit Küche, Ess- und Wohnbereich. Die Nebenräume wie Garderobe, Toilette, Réduit für die Küche und der Abgang in den Keller befinden sich in geschlossenen Kuben in den Ecken des Erdgeschosses. Wenn die hinter die Fassade verschiebbaren Fenster vollständig geöffnet sind, fühlt man sich wie in einem Unterstand im Wald. Über eine von der Decke hängende Treppe tritt man hinauf in die privaten Räume des Ehepaars.

Blickt man durch die grossen Übereckfenster im Obergeschoss, wähnt man sich in einer Baumhütte.
Blickt man durch die grossen Übereckfenster im Obergeschoss, wähnt man sich in einer Baumhütte.

Über dem zentralen Erschliessungsbereich im Obergeschoss gelangt man in vier gleich grosse Zimmer. Zwei werden als Arbeitsbereich, eines als grosszügiges Wellnessbad und das vierte als Schlafzimmer genutzt. Blickt man durch die grossen Übereckfenster, wähnt man sich in einer Baumhütte. Der grüne Blätterwald scheint zum Greifen nah. Unter dem Dach schliesslich findet man die dritte Raumwelt: Den offenen Bereich mit punktuell gesetzten Öffnungen nutzt der Bauherr als Fotostudio. Tritt man auf den gefassten Balkon, wird die nahe Umgebung ausgeblendet. Der Blick schweift über die Baumkronen hin zu den eindrücklichen Gipfeln des Berner Alpenpanoramas.

Zusätzliche Informationen

Roger Frei Artikel drucken