Architektur-Reportage: Ökologisch ästhetisch

In einem Mehrfamilienhausquartier in Köniz zeigt das erste zertifizierte Minergie-P-Eco-Haus, dass Energieeffizienz, Ökologie, Ästhetik und Komfort sich gut vereinen lassen.

Das erste zertifizierte Minergie-P-Eco-Haus der Schweiz steht in Liebefeld bei Köniz.
Das erste zertifizierte Minergie-P-Eco-Haus der Schweiz steht in Liebefeld bei Köniz.

(msc) Etwas fremd und doch passend erhebt sich in einem Mehrfamilienhausquartier in Liebefeld ein dreistöckiges Haus. Um eine leicht abgerundete Ecke verläuft eine Verkleidung mit waagrechten Holzleisten, die restliche Aussenverkleidung der zwei Schattseiten besteht aus grauen Holzzementplatten. Zur Sonnenseite hin öffnet sich das Haus mit raumhohen Fenstern, denen durchgehend ein Balkon beziehungsweise eine Terrasse vorgelagert ist.

Minimaler Energieverbrauch

Der Architekt Peter Schürch von Halle 58 Architekten wollte mit dem Hochparterre als unterster Etage und der abgerundeten Ecke den Nachbarhäusern eine Referenz erweisen. Zugleich soll sich das Haus klar modern zeigen. Doch die wichtigste Besonderheit liegt nicht in der Form: Das Dreifamilienhaus ist schweizweit das erste als Minergie-P-Eco zertifizierte Gebäude. Der neuste Zusatz Eco erfordert über den Minergie- oder Minergie-P-Standard hinaus eine gesunde und ökologische Bauweise.

Hinter der Holzverschalung liegt das Treppenhaus aus Beton, ein Lift ist später einbaubar.
Hinter der Holzverschalung liegt das Treppenhaus aus Beton, ein Lift ist später einbaubar.

Das Mehrfamilienhaus von Peter Schürch sieht trotz Eco nicht aus wie ein Ökohaus. «Wichtig war zu zeigen, dass keine Abstriche bezüglich Ästhetik gemacht werden müssen», sagt der Architekt. Nach dem Aufstieg im hinter der Holzverschalung liegenden Treppenhaus aus Beton – ein Lift ist später einbaubar – öffnet sich hinter der Haustür eine helle und offene Wohnung. Die Unterteilung der Wohnfläche konnte jede Partei frei wählen. Bei Schürchs tritt man in einen Flur, der in Richtung Schattseite Zugang zu drei Zimmern und dem Bad gewährleistet. Zur Südwestseite hin öffnet sich ein grosser Koch-, Ess- und Wohnbereich mit gedeckter Terrasse.

Die Küchenzeile mit Kochherd läuft als Arbeitsfläche langgezogen unter einem Fenster hindurch und wird nach einer kleinen Stufe vor dem zweiten Fenster zum Schreibtisch.
Die Küchenzeile mit Kochherd läuft als Arbeitsfläche langgezogen unter einem Fenster hindurch und wird nach einer kleinen Stufe vor dem zweiten Fenster zum Schreibtisch.

Speziell fällt die Verbindung von Küche und Schreibtisch ins Auge: Die Küchenzeile mit Kochherd läuft als Arbeitsfläche langgezogen unter einem Fenster hindurch und wird nach einer kleinen Stufe vor dem zweiten Fenster zum Schreibtisch.

Ein raumhohes Bücherregal belegt die Wand zum ersten Zimmer.
Ein raumhohes Bücherregal belegt die Wand zum ersten Zimmer.

Hohe Schränke gibt es nicht: Alles ist unter der Arbeitsfläche oder im Sideboard am tiefen Raumtrenner zwischen Ess- und Wohnbereich verstaut. Einzig ein raumhohes Bücherregal nimmt die Wand zum ersten Zimmer ein.

Parkettboden aus deutscher Eiche
Parkettboden aus deutscher Eiche

Der Parkettboden aus deutscher Eiche, die Fensterrahmen aus Douglasie, Balkon und Storen aus Lärche und die Wände zwischen den Zimmern bestehen alle aus FSC-zertifiziertem Holz.

Zellulose und biologische Farben

Als Decken zwischen den Wohnungen dienen 50 Zentimeter dicke Holz-Konstruktionen, die teilweise mit Split gefüllt sind. Zellulose und Dreifachverglasungen isolieren das Haus gegen aussen, biologische Farben zieren die Wände innen. Eine Bodenheizung führt im Winter die nötige Wärme von der Pelletsheizung oder den Sonnenkollektoren zu, eine Komfortlüftung sorgt permanent und lautlos – ohne Wärmeverluste durch das Öffnen von Fenstern – für frische Luft.

Jede Wohnung weist eine Fläche von 140 Quadratmetern auf. Gemeinsam genutzt werden kann die Dachterrasse. Peter Schürch rechnet mit Energiekosten von rund 800 Franken pro Jahr (inklusive Strom); da das Haus erst im Oktober fertig gestellt wurde, gibt es noch keine Erfahrungswerte. Die Bauzeit betrug sieben Monate, eine Einstellhalle mit total zehn Plätzen inbegriffen. Sie musste als Ersatz für die abgebrochene Garage des Landbesitzers erstellt werden, der jetzt sechs Plätze beansprucht.

Peter Schürch
Peter Schürch

Realisation

Peter Schürch, Inhaber des Berner Architekturbüros Halle 58 Architekten, ist Architekt und zusammen mit seiner und zwei weiteren Familien Bauherr des Hauses. Die Abstimmung auf den Aussenraum und die Umwelt gehört zu den Leitmotiven seiner Arbeit. Er definiert Bauen als ein ökonomisches, ökologisches und kulturelles Projekt mit ästhetischen Dimensionen.

Zusätzliche Informationen

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