Architektur-Reportage: Spuren der Berner Geschichte

Im Berner Mattequartier ist nach einem schonenden Umbau aus einem rund 450-jährigen Haus günstiger Wohnraum entstanden.

Der Grundstein für das Wohnhaus an der Schifflaube wurde Mitte des 16. Jahrhunderts gelegt.
Der Grundstein für das Wohnhaus an der Schifflaube wurde Mitte des 16. Jahrhunderts gelegt.

(ves) Der Grundstein für das Wohnhaus an der Schifflaube wurde Mitte des 16. Jahrhunderts gelegt. Seit 1960 befand sich das Haus, das die älteste Sandsteinfassade in der Matte hat, im Besitz der Stadt. Für den Umbau des Wohnhauses, das seit Jahrzehnten kaum mehr unterhalten wurde, suchte die Stadt gemeinsam mit der Berner Denkmalpflege nach Interessenten, die das Gebäude im Baurecht übernehmen wollten.

Im November 2004 erwarben zwei Parteien im Stockwerkeigentum das Haus an der Aare. Für den Umbau war das Architekturbüro Schenker Stuber von Tscharner verantwortlich. Ziel von Bauherrschaft, Architekt und Denkmalpflege war eine kostengünstige und schonende Totalrenovation.

Für rund 700 000 Franken entstanden eine 3-Zimmer-Wohnung im ersten Stockwerk und eine 4-Zimmer-Wohnung in der zweiten und dritten Etage. Die beiden Wohnungen zeichnen sich durch eine spezielle Raumaufteilung aus: Der Wohn- und Kochbereich befinden sich jeweils im vorderen Teil des Hauses, während Schlafzimmer und Bad im rückwärtigen Teil sind. Der Innenhof verbindet die beiden Teile des Hauses: Wer nun beispielsweise vom Schlafzimmer in die Küche gehen will, muss den Weg über das gemeinsame Treppenhaus und den Innenhof nehmen. So treffen die Bewohner der zwei Wohnungen immer wieder aufeinander.

Schachtartiger Innenhof
Schachtartiger Innenhof

Schachtartiger Innenhof

Im Innenhof befanden sich vor dem Umbau Etagentoiletten und das Treppenhaus. Durch die dem Innenhof zugewandten Fenster blicken die Bewohner in den schachtartigen Zwischenraum.

Schachtartiger Innenhof
Schachtartiger Innenhof

Von der Toilette zur Abstellkammer

Der Innenhof erfüllt mehrere Funktionen: Er ermöglicht nicht nur den Zugang zu den Wohnungen, sondern dient auch als Verbindung zwischen den Wohnungsteilen im Vorder- und Hinterhaus und kann als Innen-Sitzplatz genutzt werden. Die ehemaligen Etagen-Toiletten erhielten einen neuen, gelben Anstrich und werden heute als Abstellkammern benutzt.

Der Architekt nahm so weit als möglich Rücksicht auf die Gegebenheiten des Gebäudes: So blieb das mit neuem Glas versehene Fenster, das Küche und Wohnzimmer trennt, erhalten.
Der Architekt nahm so weit als möglich Rücksicht auf die Gegebenheiten des Gebäudes: So blieb das mit neuem Glas versehene Fenster, das Küche und Wohnzimmer trennt, erhalten.

Fenster vom Wohnzimmer zur Küche

Vor allem die Küchen sowie die Sanitärräume mussten einer grosszügigen Sanierung unterzogen werden. Der Architekt nahm so weit als möglich Rücksicht auf die Gegebenheiten des Gebäudes: So blieb das mit neuem Glas versehene Fenster, das Küche und Wohnzimmer trennt, erhalten.

Schiefe Böden

Der in einem alten Haus fast naturgemäss schiefe Boden stellte die Handwerker vor besondere Herausforderungen. Sie mussten den teilweise neuen Bodenbelag auf einer schrägen Oberfläche verlegen. Da die Masse im Haus nicht normiert sind, wurden verschiedene Innenausbauten und Möbel – zum Beispiel zwei steile und schmale Innentreppen – extra angefertigt.

Die alten Dachbalken aus früheren Ausbaustadien des Gebäudes blieben erhalten.
Die alten Dachbalken aus früheren Ausbaustadien des Gebäudes blieben erhalten.

Estrich mit Sitzgelegenheit

Um den Innenhof mit Tageslicht zu erhellen und um die Brandschutzanforderungen zu erfüllen, integrierte Architekt Christoph Stuber ein grosses Oblicht im neu erstellten Dachstuhl. Die alten Dachbalken aus früheren Ausbaustadien des Gebäudes blieben erhalten. In der Dachetage befinden sich neu die Waschküche, Stauraum und auch eine Sitzecke.

Auf der Rückseite des Gebäudes befinden sich eine gemeinsame genutzte Terrasse und ein kleines Gärtchen auf zwei Ebenen.
Auf der Rückseite des Gebäudes befinden sich eine gemeinsame genutzte Terrasse und ein kleines Gärtchen auf zwei Ebenen.

Blick auf das Münster

Wer schon immer wissen wollte, was sich hinter einem Altstadthaus in der Matte verbirgt: Auf der Rückseite des Gebäudes befinden sich eine gemeinsame genutzte Terrasse und ein kleines Gärtchen auf zwei Ebenen. Von hier sieht man die Nachbargärten, das Münster und die Berner Altstadt.

Schenker Stuber von Tscharner und hausinfo Artikel drucken