Architektur-Reportage: Mediterranes Ambiente

Die Gemeinde Fully bei Martigny erlebt einen beträchtlichen Bauboom: Seit 2003 werden jedes Jahr mehr als 50 Villen gebaut. Im östlichen Dorfteil, unterhalb des Schutzgebiets La Châtaigneraie, fällt der Blick auf eine eingeschossiges Gebäude mit einer dominanten Lärchenholz-Pergola.

Die entlang der gesamten Fassade verlaufende Zyklopenmauer ist ein wichtiges formgebendes Element der Villa Ricchi-Willemin.
Die entlang der gesamten Fassade verlaufende Zyklopenmauer ist ein wichtiges formgebendes Element der Villa Ricchi-Willemin.

Nach dem Bruch einer Wasserleitung am Petit-Lac-Stausee wurde das Grundstück, auf dem sich dieses eingeschossige Gebäude befindet, im Oktober 2000 von einer Schlammlawine verwüstet. Seither hat die Gemeinde Vorkehrungen zur Sicherung des Gebiets getroffen, namentlich durch eine Umlenkung des Bachbetts. Mit Felsblöcken, welche die Naturgewalten herangetragen hatten, baute man eine imposante Zyklopenmauer, die entlang der gesamten Fassade des Gebäudes verläuft, dem 3. Projekt des Architekten Niels Carron.

Das an einem Südhang am Fuss des Chavalard erbaute Einfamilienhaus ermöglicht eine optimale Nutzung der Licht- und Platzverhältnisse. Alle Bereiche – Küche, Wohnzimmer und drei helle Schlafzimmer – grenzen an die Terrasse. Der durchgehende Korridor erstreckt sich von den Gemeinschaftsbereichen – Küche, Wohnzimmer und Eingang – der nordseitigen Wand entlang. Da es keinen Keller gibt, ist die Luft-Wärmepumpe, die das Gebäude versorgt, in einem separaten Technikraum untergebracht.

Als überdachter Aussenraum ermöglicht der Patio eine windgeschützte Nutzung der Terrasse.
Als überdachter Aussenraum ermöglicht der Patio eine windgeschützte Nutzung der Terrasse.

Patio

Die Eigentümerin Pascale Ricchi hat wesentlich zum Charakter des Hauses beigetragen, indem sie zwei Ideen umsetzen liess, die ihr besonders am Herzen lagen: einen Patio und eine Schlafgelegenheit für Gäste. Die Villa ist um einen 12 m² grossen, terrassenseitig offenen Patio angeordnet; der quaderförmig in den Innenraum zwischen Küche und Wohnzimmer ragt. Mit den langen Bänken, den orientalischen Lampen und den von einer Marokkoreise stammenden Kissen eignet sich dieser geschützte Bereich ideal für ungezwungenes Beisammensein oder süsses Nichtstun, und beim Aperitif kann der Blick ungehindert über das Pierre-Avoi-Massiv (von den Einheimischen auch «Pierre-à-Voir» genannt) schweifen.

Petrus, der Hund des Hauses, im Korridor, in dem sich eine Schlafgelegenheit befindet, wo Freunde und Besucher übernachten können.
Petrus, der Hund des Hauses, im Korridor, in dem sich eine Schlafgelegenheit befindet, wo Freunde und Besucher übernachten können.

Schlafstelle

Zur Unterbringung von Freunden und Besuchern existiert kein besonderes Zimmer, sondern eine Schlafstelle in einer Ecke des Korridors. Der Stauraum unter den Schlafplätzen erinnert an eine Bootskabine. Als Boden wurde für das ganze Gebäude ein dunkler, eingefärbter Fliessestrich gewählt, der mit den weissen Wänden kontrastiert. Das bringt allerdings auch Nachteile: «Man muss unbearbeitetes Material mögen», meint Niels Carron. Allfällige Fehler können nach dem Verfliessen der Masse nicht mehr behoben werden. Pascale Ricchi ist denn auch mit dem Ergebnis in ihrem Wohnzimmer nicht ganz zufrieden: «Die Maschine hat Spuren hinterlassen», stellt sie mit Bedauern fest und zeigt auf einige gut sichtbare Kratzer.

Eine Wand der luxuriös ausgestatteten Küche wird von einer Magnettafel bedeckt.
Eine Wand der luxuriös ausgestatteten Küche wird von einer Magnettafel bedeckt.

Materialien aus der Region

Der Architekt hat soweit möglich Baumaterialien aus der Region verwendet, dazu gehören Stein, Beton und Holz. Wegen seiner guten Feuchtigkeitsresistenz wurde unter anderem Lärchenholz aus der Umgebung von Sion ausgewählt. Die Oberfläche des Holzes wurde aus ästhetischen Gründen behandelt, um eine Ausbleichung zu verhindern. Die ökonomisch angeordneten Dachbalken eröffneten interessante Gestaltungsmöglichkeiten für die Platzierung der Zimmertrennwände; die Last wird vollständig auf die Betonschicht verteilt.

Die einzigen luxuriösen Ausstattungsmerkmale sind die Sanitäreinrichtungen im Designstil und die Küche mit eingebautem Dampfgarer, selbstreinigendem Pyrolyseofen, Tepaniaki-Kochplatte und Tellerwärmer. «Ich koche zwar gern, aber meine Tochter tut dies noch lieber», erklärt Pascale Ricchi. «Weil wir gerne auch Gäste bewirten, musste die Kücheneinrichtung erstklassig sein.» Alles in allem hat die Villa inklusive Grundstück fast Fr. 900 000 gekostet (ca. Fr. 700 000 für das Gebäude mit 980 m³).

Nach einer Bauzeit von sieben Monaten konnte die Familie im Dezember 2007 einziehen. Bislang hatte die Vegetation keine Zeit, sich zu entfalten, weshalb die Pergola noch etwas kahl wirkt. Im Sommer müssen zweifelsohne noch Markisen angebracht werden, um die Zimmer vor der Sonneneinstrahlung  zu schützen. Aber schon bald wird das Haus mitten im Grünen stehen.

Zusätzliche Informationen

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