Architektur-Reportage: Zwei in Eins

Im luzernischen Pfaffnau wurde ein Haus gebaut, das dem Matrjoschka-Prinzip nachempfunden ist: Ein Haus mit Giebeldach bildet die Hülle für ein Haus mit Flachdach.

Was von weitem wie eine grosse Scheune aussieht, entpuppt sich beim Näherkommen als ungewöhnliches Wohnhaus, das gleich zwei Fassaden hat.
Was von weitem wie eine grosse Scheune aussieht, entpuppt sich beim Näherkommen als ungewöhnliches Wohnhaus, das gleich zwei Fassaden hat.

(mei) Was von weitem wie eine grosse Scheune aussieht, entpuppt sich beim Näherkommen als ungewöhnliches Wohnhaus, das gleich zwei Fassaden hat. Eine Aussenfassade mit frei verschiebbaren Elementen, die als Sonnen-, Sicht- und Wetterschutz dient, und eine Innenfassade. Weil das Gebäude kein Vordach aufweist, ist die Aussenfassade seit der Fertigstellung des Hauses 2006 in einem einheitlichen Farbton verwittert. Die Innenfassade, ebenfalls aus einheimischer Weisstanne gefertigt, wird von der Aussenfassade so gut geschützt, dass sie noch ihren ursprünglichen Farbton aufweist.

Im luzernischen Pfaffnau wurde ein Haus gebaut, das dem Matrjoschka-Prinzip nachempfunden ist: Ein Haus mit Giebeldach bildet die Hülle für ein Haus mit Flachdach.
Im luzernischen Pfaffnau wurde ein Haus gebaut, das dem Matrjoschka-Prinzip nachempfunden ist: Ein Haus mit Giebeldach bildet die Hülle für ein Haus mit Flachdach.

Das Matrjoschka-Prinzip

Weil für den Wiederaufbau des alten Bauernhauses, an dessen Stelle das neue Gebäude errichtet wurde, ein Giebeldach vorgeschrieben war, die Bauherren Kilian und Annemarie Blum jedoch ein kubisches Gebäude wünschten, mussten sich die Architekten des Langenthaler Büros Blum und Grossenbacher Architekten etwas einfallen lassen.

Beide Fassaden sind aus einheimischer Weisstanne gefertigt. Die unterschiedliche Patina ist die Folge der ungleich verlaufenden Verwitterung.
Beide Fassaden sind aus einheimischer Weisstanne gefertigt. Die unterschiedliche Patina ist die Folge der ungleich verlaufenden Verwitterung.

Statt einen Kompromiss fanden sie zusammen mit der Schaerholzbau AG eine Lösung, die Vorschrift und Wunsch miteinander verband und sich unter dem Strich mit geringen Mehrkosten überdies als günstig erwies: Das Haus mit einer zweiten Haut oder, wie Architekt Marcel Blum sagt, ein «ganz normales Haus mit Lauben». Diese führen auf allen drei Stockwerken an drei Seiten um das Gebäude herum. Das sei unter anderem sehr praktisch zum Trocknen von Kräutern und Wäsche, findet Annemarie Blum.

Die Lauben führen auf drei Seiten um das Gebäude herum.
Die Lauben führen auf drei Seiten um das Gebäude herum.

Die vierte Seite grenzt an die alte Scheune an, die nicht abgerissen wurde und den Bauherren heute als Abstellfläche dient: Ihr Haus ist nämlich nicht unterkellert und der Dachstock ist voll ausgebaut.

Mobile Landschaftsbilder

Die Aussenhaut mit den verschiebbaren Elementen erfüllt nicht nur für den Betrachter oder die Betrachterin von aussen eine ästhetische Funktion. Aus dem Innern ergeben sich «mobile Landschaftsbilder», wie Kilian Blum erläutert. Abhängig von der Perspektive des Betrachters und der Anordnung der Elemente ist die Landschaft des ländlichen Luzernbiets im Wechsel der Jahreszeiten immer wieder neu eingerahmt, sei es der Flieder vor der Tür oder das Ackerfeld nebenan. Haus und Umgebung fügen sich so zum Kunstwerk zusammen.

Für den Innenbereich wurden nach einem Konzept der Bauherrin Annemarie Blum und der Frau des Architekten Blum insgesamt sechs Farben verwendet.
Für den Innenbereich wurden nach einem Konzept der Bauherrin Annemarie Blum und der Frau des Architekten Blum insgesamt sechs Farben verwendet.

Weil nicht bekannt ist, ob ein ähnliches Haus mit Aussenhaut bereits existiert, musste das Ehepaar Blum den Architekten viel Vertrauen entgegen bringen. «Wir befürchteten erst, dass die zweite Fassade dem Inneren zu viel Licht nehmen würde», meint Kilian Blum. Tatsächlich wirkt das Innere ziemlich dunkel, wenn man von aussen hereinschaut. Im Gebäude selbst ergibt sich jedoch ein völlig anderes Bild. Hier fällt von drei Seiten so viel Tageslicht hinein, dass sich Blums Befürchtungen als unbegründet erwiesen. Dass der Schallschutz gering ist, hat bei nur zwei Bewohnern keine negativen Auswirkungen. Auch die offene Raumaufteilung wäre für eine Familie weniger geeignet; insgesamt ist das Gebäude auf die beiden Eigentümer zugeschnitten.

Zusätzliche Informationen

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