Architektur-Reportage: Bescheiden und modern

Im solothurnischen Härkingen hat der Architekt Markus Oegerli für sich und seine Familie ein Einfamilienhaus gebaut, das über vergleichsweise wenig Platz verfügt, diesen jedoch sehr intelligent nutzt.

(mei) 2011 ging bei Familie Oegerli alles Schlag auf Schlag: Innerhalb von nur gerade sieben Monaten fand das Bauherrenpaar ein Stück Bauland, plante den Entwurf seiner Vision und realisierte sie. Das Minergie-P-zertifizierte, in Massivbauweise erstellte Haus wurde mit einer Luft-Wasser-Wärmepumpe und einer Komfortlüftung ausgestattet, welche die Beheizung der Räume wie auch die Warmwasseraufbereitung besorgt.

Optimierter Grundriss

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Wo der Platz nicht gebraucht wird, wie beim Vorplatz im Obergeschoss, wurde Raum eingespart.

Das kubische Einfamilienhaus sieht mit seiner hellblauen Fassade von aussen zwar sehr modern aus, aber auch recht klein. Ein Blick auf die Hauptnutz- und Verkehrsflächen zeigt, dass der Eindruck durchaus berechtigt ist: Das Haus umfasst lediglich rund 165 Quadratmeter Nettowohnfläche, ohne den Keller sind es sogar nur gerade 130 Quadratmeter. Knapp bemessen sind vor allem die Räume im Obergeschoss: Für das Eltern-Schlafzimmer sowie die drei Kinderzimmer stehen je 13,5 Quadratmeter Nettowohnfläche zur Verfügung.

Geschickte Raumnutzung

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Der offene Wohnbereich ist grosszügig dimensioniert.

Nichtsdestotrotz wirkt das Einfamilienhaus nirgends klein oder eng. Eine intelligente Grundrissplanung und viel Stauraum sorgen dafür, dass der zur Verfügung stehende Raum optimal genutzt wird. Wer etwa die Treppe zum Obergeschoss hochsteigt, steht auf einem kleinen, quadratischen Vorplatz, von dem aus man die vier Zimmer wie auch ein Bad betritt: Hier, wo man den Raum nicht benötigt, hat Markus Oegerli viel eingespart. Trotz seiner geringen Grösse bietet der Vorraum allerdings noch Platz für Einbauschränke, in denen sich alles Mögliche verstauen lässt. Einbauschränke finden sich ebenfalls in den Wänden zwischen den jeweiligen Schlafzimmern. Das Raumkonzept sieht zudem vor, dass auch der Keller teilweise genutzt wird: Dort hat sich der Bauherr ein Büro eingerichtet. Umgekehrt hat er dort, wo ein weites Raumgefühl unabdingbar ist, keineswegs gespart: Der offene Wohn-Essbereich im Erdgeschoss ist mit fast 50 Quadratmetern Nettowohnfläche überaus gross bemessen.

Eigenwillige Farbwahl

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Glasmosaiksteine verleihen den Bädern eine verspielte Note.
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Viel Rosa findet sich in den Kinderzimmern.

Einzelne Farbakzente geben der Innenausstattung in diesem Haus eine spezielle Note. So wurde etwa eine Wand im Wohnzimmer Purpurviolett gestrichen, während die Küche in einer dunkelroten Ausführung die Blicke auf sich zieht. Die Wände in den Kinderzimmern wiederum erstrahlen in sanftem Rosarot. Farblich eigenwillig sind auch die Glasmosaike in den beiden Bädern: Im einen Fall hat sich das Bauherrenpaar für eine Ausführung in einem warmen Mittelbraun entschieden, im anderen Fall für ein kühleres Dunkelbraun. Dunkel sind auch die Böden, für die im Erdgeschoss brasilianischer Schiefer, in den Schlafräumen und bei der Treppe schwarz geölte Eiche zum Einsatz kam.

Bewährte Komfortlüftung

Mit dem Schieferboden sind die Bauherren trotz dessen Schönheit nicht nur glücklich: «Bei Niedrigenergiehäusern sind körperwarme Materialien wie Holz gerade für Familien mit Kindern besser geeignet, da der Boden als Spiel- und Sitzfläche im Winter doch recht kühl bleibt», findet der Architekt und Bauherr. Auch auf eine bessere Trittschalldämmung zwischen den einzelnen Stockwerken würde er heute mehr Wert legen. Bewährt hat sich hingegen die Komfortlüftung: Dank ihr sind eine zu Schimmel führende Luftfeuchtigkeit selbst bei aussenbündigen Fenstern sowie Pollen kein Thema. Fazit: Die junge Familie ist ein Jahr nach ihrem Einzug glücklich mit ihrem neuen Haus – einem Haus, das auf selten eindrückliche Weise beweist, wie schön und gut es sich auch mit bescheidenen Platzverhältnissen leben lässt.

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