Architektur-Reportage: Modernisierte Chaletwohnung

Wie sich eine Wohnung im Chaletstil mit viel Holz zu einem Bijou mit Minergie-Standard umbauen lässt, zeigt ein Beispiel aus Beatenberg.

Im Innern der Chaletwohnung erinnert nichts mehr an den einst rustikalen Stil mit viel nachgedunkeltem Holz.
Im Innern der Chaletwohnung erinnert nichts mehr an den einst rustikalen Stil mit viel nachgedunkeltem Holz.

(mei) 1997 kaufte das Ehepaar Kuno und Theres Meier eine Eigentumswohnung in einem drei Jahre zuvor erstellten Haus in Beatenberg. Ursprünglich war sie als Ferienwohnung vorgesehen, doch dann verkauften Meiers ihr Einfamilienhaus im Mittelland und zogen ganz in die Berge. So ganz glücklich waren sie in ihrem neuen Zuhause jedoch nicht: Das untere Stockwerk der in den Hang gebauten Wohnung war zu dunkel und zu feucht, um wohnlich zu sein, auch wenn sich dort nur Bad und Schlafzimmer befanden. Meiers vermieteten die Wohnung deshalb und zogen in eine grössere Mietwohnung in Beatenberg.

Das Chalethaus stammt aus dem Jahr 1994.
Das Chalethaus stammt aus dem Jahr 1994.

Lange wusste das Ehepaar nicht, ob es die Eigentumswohnung verkaufen oder doch wieder selbst bewohnen sollte. Als sich Meiers bereits entschieden hatten, nicht mehr selbst zu bauen, spielte der Zufall mit: Ihr Vermieter trug sich mit dem Gedanken, die Wohnung zu verkaufen. Gleichzeitig wollte ihr Mieter von Beatenberg wegziehen. Meiers entschlossen sich deshalb, in ihre Eigentumswohnung zurückzuziehen, diese aber vorgängig umzubauen. «Wir wollten eine Wohnung mit mehr Komfort und besserer Energieeffizienz, die zudem auch ästhetisch ansprechender war», sagt Kuno Meier, der vor seiner Pensionierung als Architekt und Bauleiter tätig war und heute Minergie-Beratungen anbietet.

Die auf Mass geschreinerte Küche ist eine Einzelanfertigung.
Die auf Mass geschreinerte Küche ist eine Einzelanfertigung.

Umbau mit Eigenleistungen

Kuno Meier erbrachte die Planung und Koordination des Umbaus in Eigenleistung. Aus Kostengründen wurde nebst den allg. Schreinerarbeiten auch die Küche von der Firma Lanz AG auf Mass angefertigt. Sie verfügt über eine Glasabdeckung und ist in einem hellen, dezenten Blaugrau gehalten. Einen farblichen Kontrast bilden Teile der Rückwand über der Arbeitsplatte in Orange. Auch die Komfortlüftung geht auf die Pläne von Kuno Meier zurück; die Umsetzung erfolgte durch den Lüftungsspezialisten Kunz AG Thun. Die Einteilung des brasilianischen Schieferplattenbodens wurde so gewählt, dass keine Anschnitte entstehen, die kleiner als 30 cm sind, und basieren ebenfalls auf Plänen der Bauherren.

Minergie-Standard für mehr Komfort

Die Komfortlüftung ist im Untergeschoss teils sichtbar, und zwar im Bad und im Durchgang.
Die Komfortlüftung ist im Untergeschoss teils sichtbar, und zwar im Bad und im Durchgang.

Weil sich die Bauherren mehr Komfort und Nachhaltigkeit wünschten, war für sie von vornherein klar, dass der Umbau der Eigentumswohnung nach dem Minergie-Standard erfolgen sollte, auch wenn sie von einer Zertifizierung absahen. Mit einer zusätzlichen Isolation von Teilen der Aussenhülle sowie der Decke um je 6 cm wurde der Energiebedarf gesenkt. Eine Lüftung mit einem von der ETH speziell für Minergie-Bauten mitentwickeltem, angeschlossenem Dampfabzug in der Küche sorgt für frische Luft. Auch die Feuchtigkeit im unteren Geschoss gehört dank der Lüftung nun der Vergangenheit an.

Im Bad im Untergeschoss bleibt ausser der Duschkabine, die ersetzt wurde, alles beim Alten.
Im Bad im Untergeschoss bleibt ausser der Duschkabine, die ersetzt wurde, alles beim Alten.

Wegen der geringen Raumhöhe entschlossen sich die Bauherren, die Decken nur im Erdgeschoss um 9 cm abzuhängen, um die Lüftungskanäle zu verkleiden. Im Untergeschoss dagegen sind die Lüftungsrohre und die Luftauslässe sichtbar. Die Ölheizung mit Niedertemperatur-Fussbodenheizung bleibt bestehen, wird jedoch nicht mehr benötigt. Die Kosten für die Lüftung und Isolation betragen insgesamt ca. 21'000 Franken, wovon 6'000 Franken auf die Isolation und 15'000 Franken auf die Lüftung (inkl. Kernbohrungen) entfallen.

Ein neuer Teppichbelag auf der Treppe soll die Rutschgefahr mindern.
Ein neuer Teppichbelag auf der Treppe soll die Rutschgefahr mindern.

Weil das Ehepaar Meier möglichst lange in der umgebauten Wohnung leben möchte, hat es beim Umbau die Treppe mit einem Teppichboden versehen lassen, der die Rutschgefahr mindern soll. Ebenfalls neu gemacht ist das Gäste-WC im Erdgeschoss, während das Bad im Untergeschoss lediglich eine neue Duschkabine erhielt. Im ganzen Haus sorgt ausserdem eine neue LED-Deckenbeleuchtung für funktionales Licht.

Zusätzliche Informationen

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