Architektur-Reportage: Eine Familie für den Solarpreis

Ein Brienzer Bauherrenpaar wollte mit der Sanierung seines Einfamilienhauses einen Solarpreis gewinnen. Die ganze Familie packte mit an, damit das Vorhaben glückte. Mit Erfolg: Heute produziert das Gebäude rund einen Drittel mehr Energie, als es verbraucht.

(mei) Das Einfamilienhaus von Kaspar und Irene Flück ist nach der Sanierung im Jahr 2012 kaum mehr wiederzuerkennen. Erstens punkto Wohnqualität: Die geringe Fensterfläche, der Grundriss mit zahlreichen kleinen Räumen sowie Holzverkleidungen an Wänden und Decken liessen das Gebäudeinnere eher schummrig wirken.

Das Wohnzimmer mit Galerie verfügt jetzt über viel Tageslichteinfall.
Das Wohnzimmer mit Galerie verfügt jetzt über viel Tageslichteinfall.

Zwar hatten Flücks im Jahr 2000, als sie das Haus von Kaspar Flücks Eltern übernahmen, bereits Anpassungen vorgenommen sowie die Fensterfläche im Erdgeschoss vergrössert. Mit der Sanierung im Jahr 2012 war aber der Moment für eine Generalüberholung gekommen. Sie trägt die Handschrift der Bauherrin Irene Flück, die für den Innenausbau verantwortlich ist.

Küche und Essbereich sind jetzt ein grosser Raum.
Küche und Essbereich sind jetzt ein grosser Raum.

Traumbad mit Aussicht

Das Resultat kann sich sehen lassen: Das viele Holz musste weichen, und die Trennung zwischen den Stockwerken sowie zwischen Küche und Essbereich wurde aufgehoben. Kurz, es gibt mehr Platz und mehr Licht.

Baden und träumen, wo die Berge sind – das können die Bauherren in ihrem Schlafzimmer mit Badewanne und Aussicht.
Baden und träumen, wo die Berge sind – das können die Bauherren in ihrem Schlafzimmer mit Badewanne und Aussicht.

Das gilt ganz besonders fürs Bad: Seit sich dort keine Wanne mehr befindet, wirkt es ausgesprochen geräumig.

Die Trespa-Platten geben der Fassade ein unverwechselbares Aussehen.
Die Trespa-Platten geben der Fassade ein unverwechselbares Aussehen.

Aufs Baden müssen Flücks jedoch nicht verzichten: Sie haben den ungenutzten Balkon beim Elternschlafzimmer zu einem Erker ausgebaut, in dem nun eine breite Badewanne steht – Sicht auf den Brienzersee und die Rothornkette inklusive.

Nachts erkennt man gut, dass das Gebäude nach der Sanierung über viel Fensterfläche verfügt.
Nachts erkennt man gut, dass das Gebäude nach der Sanierung über viel Fensterfläche verfügt.

Frappante Reduktion des Energieverbrauchs

Die zweite grosse Veränderung erfolgte hinsichtlich Energieeffizienz: Während das in den 60er Jahren erstellte Haus vormals die stolze Summe von jährlich 48'000 kWh benötigte, kommt es heute mit gerade noch einem guten Viertel dieser Menge aus: 12'930 kWh ist alles, was Flücks noch für ihr Gebäude brauchen. Möglich machten diese beträchtliche Reduktion um 73 % vier Massnahmen: die 30 cm dicke Dämmung der Gebäudehülle, der Einbau einer Luft-Wasser-Wärmepumpe, der Ersatz der Elektrogeräte und Leuchten sowie die Kombi-Solaranlage auf dem Dach. Die Photovoltaik-Elemente produzieren im Jahresdurchschnitt ca. 13'300 kWh Strom, während die Sonnenkollektoren auf einer Fläche von 11,5 Quadratmeter thermische Energie von 3'600 kWh erzeugen, die für die Warmwasseraufbereitung genutzt wird.

Die Kombi-Solaranlage auf dem Dach produziert jährlich knapp 17'000 KWh Energie.
Die Kombi-Solaranlage auf dem Dach produziert jährlich knapp 17'000 KWh Energie.

Ausgezeichnete Sanierung

Für den Bauherren Kaspar Flück war eine energetisch vorbildliche Sanierung, die mit dem Minergie-P-Label zertifiziert wurde, Ehrensache: Der Haustechnikplaner absolvierte ein MAS in nachhaltigem Bauen und nutzte seine Masterarbeit zur Erstellung des Sanierungsplans. «Ich wollte eine wegweisende Sanierung vornehmen, die mir als Geschäftsführer einer im Energiebereich tätigen Firma als Referenz dient», erklärt der Bauherr. Bei der Umsetzung wurde die ganze Familie miteinbezogen: Der Vater von Irene Flück übernahm die Bauführung, um seinen berufstätigen Schwiegersohn zu entlasten, die drei Söhne kamen für die Elektroinstallationen, die Spenglerarbeiten bzw. als Koch bei der Aufrichte zum Einsatz. Selbst der Freund der Tochter, der als Maurer/Polier tätig war, packte mit an. So viel Einsatz machte sich bezahlt: 2013 erhielt das Bauherrenpaar Flück ein Plusenergiebau®-Diplom – eine Auszeichnung, auf die die ganze Familie zu recht stolz ist.

Nach der Sanierung wirkt das Einfamilienhaus auch äusserlich sehr modern.
Nach der Sanierung wirkt das Einfamilienhaus auch äusserlich sehr modern.
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Zusätzliche Informationen

Ernst Kehrli und hausinfo Artikel drucken